Schweiz
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«Ich heisse Manuelo*, ich bin süchtig»

Am Samstag treffen sich über 1500 ehemalige Süchtige aus der ganzen Welt auf dem Zürcher Platzspitz. Der Schweizer Ableger der Narcotics Anonymous, eine Selbsthilfegruppe für Süchtige, feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Besuch eines Treffens.



Vor einer Kirche im Kreis vier in Zürich. Menschen versammeln sich. Sie begrüssen einander mit langen, festen Umarmungen. Egal, ob sie sich zum ersten Mal sehen oder sich bereits kennen – sie gehen aufeinander zu, drücken sich und lachen sich an. Drinnen, im Pfarreisaal, steht ein Tisch mit Kaffee und Kuchen.

«Ich heisse Manuelo*, ich bin süchtig.» So beginnt das Treffen der Narcotics Anonymous (NA), eine Selbsthilfegruppe für Süchtige. Und jeder stellt sich während dem einstündigen Meeting jedes Mal so vor, bevor sie oder er etwas sagt.

30 Jahre NA in der Schweiz

In der Schweiz fand 1989 in Basel das erste NA-Meeting statt. Mittlerweile gibt es schweizweit wöchentlich 61 Meetings, in den letzten fünf Jahren hat sich diese Zahl verdoppelt. Schätzungsweise nehmen in der Schweiz 500 Leute an den Meetings teil. Diese finden jeweils am Mittag und am Abend statt. Der Kern von NA ist das Zwölf-Schritte-Programm, mit denen die Süchtigen clean werden und bleiben sollen. Die NA wurde 1953 in Los Angeles gegründet. Die Organisation ist nicht religiös verfasst. Allerdings setzt das Programm der NA auf die individuell definierte Spiritualität ihrer Mitglieder. Alleine im Mai 2019 fanden in 144 Ländern weltweit 70'000 NA-Meetings statt. Die NA entstand aus der Organisation Alcoholics Anonymous (AA). Diese wurde 1935 von Anhängern der Oxford Group gegründet, einer christlichen Reformbewegung. Dieses Wochenende findet im Platzspitz-Park die European Convention of Narcotics Anonymous statt. Es werden 1500 NA-Mitglieder aus der ganzen Welt erwartet. (jah)

«Hallo Manuelo», antwortet die Gruppe im Chor. «Halten wir zuerst inne für all diejenigen, die süchtig sind, und jene, die in diesem Augenblick zum ersten Mal Drogen nehmen», fährt Manuelo fort. Die Köpfe senken sich, kurz ist es ruhig.

Dann wird die Präambel verlesen. Ein dreiseitiger Einleitungstext eines jeden NA-Treffens, egal wo auf der Welt.

«Unser ganzes Leben und Denken drehte sich um Drogen in irgendeiner Form, sie zu beschaffen und verwenden und Mittel und Wege zu finden, um mehr, immer mehr zu bekommen. [...] Wir sind Menschen, die sich in der Gewalt einer ständig fortschreitenden Krankheit befinden, deren Ende immer das Gleiche ist: Gefängnis, Anstalt oder Tod.»

Auszug aus der Präambel der NA.

«Wer ist zum ersten Mal hier?», fragt Manuelo. Ein junger Mann mit hellblau kariertem Hemd hebt die Hand. Alle klatschen und pfeifen. Er kriegt einen weissen Willkommens-Chip und es wird ein Notizpapier herumgereicht, auf dem die NA-Teilnehmer ihre Handynummer für ihn aufschreiben können. «Die Neuankömmlinge sind die wichtigsten Personen bei jedem Meeting, denn wir können nur bewahren, was wir haben, indem wir es weitergeben», heisst es in der Präambel.

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Carole* geht bis zu fünfmal pro Woche an ein NA-Meeting. bild: watson

Bei Carole* liegt das erste Treffen schon fast ein Jahr zurück. «Ich kann mich praktisch nicht mehr daran erinnern. Es war mein zweiter Tag ohne Drogen, ich war also ziemlich kaputt.» Sie hat mehrere Jahre Kokain und Alkohol konsumiert. Ihr Tag habe nur noch daraus bestanden, für Drogen irgendwohin zu fahren.

Immer wieder versuchte sie, von der Sucht wegzukommen. «Vor den Drogen war ich jemand, der seine Dinge im Griff hatte, seinen Scheiss hinbekam. Bis zum Schluss wollte ich dieses Bild aufrechterhalten.» Traf sie einen Bekannten auf der Strasse, sagte sie, sie sei krank. «Ich habe so schlimm ausgesehen.» Dieser Wille, den Schein zu wahren, habe sie am Schluss fast «gekillt». Carole liess sich für sechs Wochen in eine Tagesklinik einweisen. Seitdem besucht sie vier- bis fünfmal pro Woche ein Meeting der NA. «Würde ich nicht mehr gehen, würde das nicht gut kommen.»

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Ihren Chip hat sie immer bei sich und freut sich jetzt schon auf den nächsten. bild: watson

Seit dem ersten NA-Meeting ist Carole clean. Bald feiert sie ihren «Geburtstag». So nennen sie es, wenn jemand eine weitere Etappe erreicht hat und einen neuen Chip bekommt. Eine Woche, 30 Tage, drei Monate, ein halbes Jahr, ein Jahr. Bis zum schwarzen Chip – der steht für mehrere Jahre clean. «Ich bekomme bald den durchsichtigen Chip für ein Jahr ohne Drogen. Der leuchtet sogar in der Nacht, crazy!», sagt Carole und lacht.

Ein Mann mittleren Alters, der zuvor mit seiner türkisfarbenen Vespa angefahren gekommen ist, hält einen Chip in der Hand und drückt diesen fest. Seine Augen sind geschlossen. Dann reicht er den Chip weiter. «Bevor die Geburtstags-Person den Chip erhält, gibt jeder von uns seine positiven Gedanken mit», erklärt Carole.

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Bei jedem Meeting sind die Chips dabei – jede Farbe steht für ein Etappenziel. bild: watson

Schaut man sich in der Gruppe um, sieht man eine Frau, etwas über dreissig Jahre alt, kurze zusammengebundene Haare, modisch angezogen. Sie könnte eine Lehrerin im hippen Wiedikon sein, die samstags am Markt einkauft und in einer schmucken Altbau-Wohnung wohnt. Neben ihr sitzt ein junger Mann, vermutlich unter 25 Jahre alt, hellblaues Poloshirt. Er könnte eine Banklehre gemacht haben und mitten in seinem Bachelor-Studium stecken.

«Viele haben ein falsches Bild von Süchtigen. Sie stellen sich kaputte Menschen mit kaputten Leben vor, die sich keine Mühe geben, clean zu werden, und deshalb auf der Gasse leben», sagt Carole. Das stimme nicht, die Suchtkrankheit könne jeden treffen. Sie habe auch schon jemanden in einem Meeting getroffen, den sie kannte. Das sei komisch gewesen. «Aber es war auch schön, denn wir wussten beide, dass wir jetzt am richtigen Ort sind.»

Der Platzspitzpark in Zuerich am 16. Oktober 1991. (KEYSTONE/Str)

Der Platzspitz-Park im Jahr 1991, ein Jahr vor der Schliessung der offenen Drogenszene 1992. Bild: KEYSTONE

Eine, die früher dem klassischen Bild einer Süchtigen entsprochen hat, ist Lia*. Mit 18 Jahren verkehrte sie das erste Mal im Platzspitz-Park. 1988 lernte sie ihren damaligen Mann kennen – wie sie war auch er heroinsüchtig. «Dann bin ich richtig abgestürzt.» Drei Jahre lang konsumierte sie intensiv. «Ich habe damals viel Geld geerbt. Innerhalb kürzester Zeit ist alles für die Droge draufgegangen.» Ihre Mutter wusste nichts von alledem, denn sie wohnte in Stockholm. «Mein Chef hat sie angerufen und erzählt, wie es um mich steht. Sie ist sofort nach Zürich geflogen und hat mich geholt.» Doch nach nur drei Monaten stand Lia wieder auf dem Platzspitz. Ihre Mutter holte sie wieder. Dieses Mal ging es für Lia vom Flughafen direkt in die Entzugsklinik. Doch auch dort blieb sie nicht lange und haute wieder zur offenen Drogenszene in Zürich ab.

Beim dritten Mal wurde sie vom Schwedischen Konsulat geschnappt und erneut in eine Therapie in Stockholm gebracht. Während dieser besuchte sie ihr erstes NA-Meeting. Seit 1992 ist sie nun clean. «Aber ich brauche die Meetings immer noch.»

«Als ich erfahren habe, dass die Convention auf dem Platzspitz stattfindet, habe ich nur noch geheult», sagt Lia. Am Samstag kehrt sie zurück an den Ort, an dem sie fast an einer Überdosis gestorben wäre, und erzählt, wie sie clean wurde. Ob sie andere, ehemalige Süchtige vom Platzspitz, die sie kennt, treffen wird? «Nein, die sind alle tot.»

Die Gruppe steht auf und schliesst sich zu einem Kreis zusammen. Sie halten einander eng. Dann sagen sie das Gelassenheitsgebet, welches dem Heiligen Franziskus zugeschrieben wird, im Chor.

«Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.»

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Oliver ist seit acht Jahren ein NA-Mitglied und engagiert sich auch ausserhalb der Treffen für die Organisation. bild: watson

Teilnehmer Oliver* hat seit Wochen viel um die Ohren. Er ist Teil des Organisationskomitees der Veranstaltung auf dem Platzspitz. Früher hingegen hielten ihn Heroin und Kokain auf Trab. «Es ging nur darum, wo kriege ich den Stoff, wie treibe ich den Stutz auf und wo konsumiere ich.» Er machte viermal einen Entzug. Jedes Mal wurde er wieder rückfällig. Erst beim fünften Versuch klappte es. Sieben Monate verbrachte er dann in der Klinik.

Dort nahm er an seinem ersten NA-Meeting teil. «Ich fand das so schräg. Händchen halten und von eigenen Gefühlen erzählen – das war für mich eine Katastrophe», erinnert sich Oliver. Doch einer der NA-Mitglieder habe sein neuntes Jahr clean gefeiert. «Dann dachte ich mir: ‹Wow, krass!› Meine längste drogenfreie Zeit bis dahin dauerte ein gutes halbes Jahr. Das war so anstrengend. Und dieser Mann war so entspannt und lachte.» Also ging er weiterhin zu den Meetings. Die Ehrlichkeit, mit der die anderen über ihre Geschichte und Gefühle erzählten, faszinierten ihn. «Mein ganzes Leben war eine Lüge. Ich führte ein Doppelleben und stritt ab, dass ich süchtig bin.»

Seit seinem letzten Aufenthalt ist er clean. «Als ich damals die Klinik verliess, stand ich mit meinem Köfferchen auf dem Parkplatz und hatte ‹u huere› Angst vor dem Leben.» Er wusste nicht, wie er es schaffen sollte, clean zu bleiben. «Kaum wurde es dunkel, hatte ich Suchtdruck», sagt Oliver. Deshalb sei er so froh gewesen, konnte er jeden Tag in ein NA-Meeting. «Ich wäre defintiv nicht clean geblieben ohne NA.»

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Seit acht Jahren ist Oliver clean – dafür kriegte er den schwarzen Chip und diese Münze. bild: watson

Was ist es denn, das diese Treffen bei den Süchtigen so beliebt und erfolgreich macht? «Das Konzept ist einfach, ich muss nicht das Telefon in die Hand nehmen und irgendeinen Therapeuten anrufen. Ich kann nur hingehen und muss mich um nichts kümmern», sagt Oliver. Zudem fühlten sich die Süchtigen von den anderen verstanden und könnten sich mit ihnen identifizieren. Und sie fänden vor allem auch Freunde. «Ich trau mich das manchmal fast nicht zu sagen, aber: Das Wichtigste in meinem Leben ist NA, meine wichtigsten Freunde sind bei NA.» Das ginge vielen so, denn die meisten hätten nach dem Ausstieg aus den Drogen kein Umfeld mehr.

Der Leitspruch des NA-Programms lautet «Nur heute». Es gehe darum, in der Gegenwart zu leben. Früher sei er mit den Gedanken einerseits in der Vergangenheit gewesen, habe Schuld- und Schamgefühle gehabt. Und andererseits habe er schon an morgen und übermorgen gedacht und wusste nicht, wie er das schaffen würde. Jetzt lebt Oliver nach dem Motto der NA: «Ich bin immer nur für heute clean.»

*alle Namen geändert

Wie viel Heroin konsumiert die Schweiz?

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pastaboy 20.07.2019 11:33
    Highlight Highlight Mein Bruder und viele Freunde wurden Opfer von Heroin. Ich habe die Erfahrung gemacht,das man sie nicht zwingen kann aufzuhören. Auch wenn es sehr hart ist,man darf sie nicht fallen lassen. Clean werden ist nicht mal das Problem,sonder das verlangen nacher zu widerstehen. Man spricht von Himmel und Hölle nach dem Tod,aber für diese Leute ist die Hölle auf Erden. Respekt verdienen nicht nur die es schaffen,sonder auch die, die es immer versuchen. Den Helfer und Freunde viel Kraft und Geduld , habe grosse Achtung und Respekt und haltet durch.
  • Oimel 20.07.2019 10:53
    Highlight Highlight Zu NA gab es erst kürzlich eine gute DOK auf SRF.
    http://www.srf.ch/play/tv/redirect/detail/22475ab1-08dd-4d7f-b56b-955fde728143

  • reactor 20.07.2019 10:42
    Highlight Highlight Ich habe meine beiden Geschwister in den 90ern ans H verloren.
    • Burdleferin 20.07.2019 10:53
      Highlight Highlight Habs geherzt, aber natürlich nicht, weil es mir gefällt. Tut mir leid!
    • Yannis per Du 21.07.2019 09:47
      Highlight Highlight Erst verliert man sich selbst und dann verliert einem die Welt.

      Alles Liebe dir und deiner Familie
  • Burdleferin 20.07.2019 10:23
    Highlight Highlight Danke für diesen berührenden Artikel.
    Ich habe nun schon seit 16 Jahren privat mit Süchtigen zu tun. Einer war sogar mal mein Freund!
    Diese Menschen denken nur noch an den nächsten Schuss. Beziehungen oder gar Arbeit sind undenkbar.
    Und es kann wirklich jeden treffen. EINE falsche Entscheidung im Leben!
    Selbst hatte ich "nur" Medisucht. Diese ist, wenn man das Medikament verschrieben hat, verschrieben hat nicht so beherrschend, da weniger Beschaffungsstress. Aber auch ich: Ich konnte nicht arbeiten, gefährdete meine Ehe. Schlimm, schlimm...
  • lilie 20.07.2019 10:13
    Highlight Highlight Der Platzspitz war zu meiner Zeit DAS Schreckgespenst. Und gleichzeitig übte er eine gewisse Faszination aus, ich hatte alle Bücher zum Thema Drogensucht gelesen, die ich damals kriegen konnte, Christiane F. und so.

    Wer niemals in dieser Spirale war, kann es wohl nicht nachvollziehen. Deshalb sind diese Treffen so wertvoll, weil Betroffene anderen Betroffenen helfen können. Der Halt in der Gruppe, das Wissen, dass man vollständig verstanden wird, dass man sich auch nicht zu verstecken braucht, ist bestimmt ein grosser Heilfaktor.

    Ich wünsche allen Betroffen Mut und Kraft auf ihrem Weg!
  • Dr. Evil 20.07.2019 09:20
    Highlight Highlight Ich hab gerade vorgestern mit einem Mann gesprochen, der 2 Wochen zuvor fast an einer Überdosis gestorben wäre. Er meinte, von den Drogen wegzukommen ginge ja noch, aber beim Alkohol und va. Zigaretten sei es richtig hart. Hätte ich nicht gedacht.

    Wir kamen darauf, dass er vllt. mehr Verständnis und Geduld sich selbst gegenüber haben sollte. Oftmals ist es ja auch gerade dieses mit-sich-nicht-klarkommen, dass einen überhaupt zu solchen Verdrängungsmitteln wie Drogen führen.

    Auch der Glaube schien ihm zu helfen.
  • Flöckli 20.07.2019 09:10
    Highlight Highlight Danke für den sehr eindrücklichen Bericht!
  • Thinkdeeper 20.07.2019 07:54
    Highlight Highlight Gut gibt es diese Treffen, wo sich die von unserer rücksichtslosen leistungsgetriebene Gesellschaft abgeschobenen und ausgegrenzten Treffen und Austauschen können!
    Mancher unsere Sklaventreiber und Anhänger von Comand, Control und Sanction würde es mal gut tun sich mich den Herausforderungen dieser Menschen auseinander zu setzten.
    • Yannis per Du 21.07.2019 09:46
      Highlight Highlight Vielleicht ist ja der eine oder andere 'Bösewicht' dort ;-) ich traue mich zuzuhören. Ich ha gschlosse.
  • CH-Bürger 20.07.2019 07:39
    Highlight Highlight Sehr gute Bewegung ich bin beeindruckt sie ist sehr menschlich und ehrlich wie ich jetzt gelesen habe.
    Eigentlich sollte es auch nicht soweit kommen, dass Menschen Drogen konsumieren aber den Grund dazu kennen nur die süchtigen selber.
    • bokl 20.07.2019 09:44
      Highlight Highlight Gehen sie doch einfach mal in die Dorfbeiz und fragen, warum die Leute Alkohol trinken ...
    • Natürlich 20.07.2019 11:33
      Highlight Highlight @bokl
      Leite in einer Dorfbeiz trinken aber meist nach der Arbeit ihren Alkohol.
      (Natürlich gibt es auch Langzeitatbeitslose oder Rentner die bereits Morgen in der Beiz hocken)

      Leute die Heroin spritzen sind oftmals nicht mehr in der Lage einem geregelten Leben nachzugehen.

      Bei Kokain und anderen Stimulanzien führt es des öfteren in ein Burnout.

      Und auch LSD oder Magic Mushromoms nimmst du nicht mal kurz nach der Arbeit um dann am nächsten Tag wieder arbeiten zu gehen.

      Das lässt sich halt so nicht vergleichen.
    • bokl 20.07.2019 12:05
      Highlight Highlight Schau dir die Grafik von Gipfeligeist an. Alkohol ist mit Abstand die Droge mit den grössten Auswirkungen für Süchtige und Angehörige.

      Und auch zwei Bier jeden Tag nach der Arbeit ist ein Suchtverhalten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Gipfeligeist 20.07.2019 07:11
    Highlight Highlight Ein sehr wichtiges Thema. Kein Drogensüchtiger ist kriminell!
    Drogen müssen aus der illegalen tabu-zone geholt werden, damit diesen Menschen geholfen werden kann. Ich bin der kontroversen Meinung alle Drogen zu legalisieren, um Bedürftige besser zu erreichen
    Benutzer Bild
    • Dr. Evil 20.07.2019 09:11
      Highlight Highlight Sie wissen aber, dass schon heute z.B. in der Stadt Zürich legal Drogen an Süchtige abgegeben werden? So läuft das auch kontrolliert...
    • lilie 20.07.2019 10:07
      Highlight Highlight @Gipfeligeist: Eine sehr interessante Grafik. Mich würde interessieren, wasdie Ersteller unter "Harm to others" genau meinen. Dass Passivrauchen ungesund ist, liegt auf der Hand, aber beim Alkohol frage ich mich. Da fallen mir nur alkoholbedingte Gewalt und Arbeitsausfall ein - letzteres gilt aber ja wohl für jede schwere Drogensucht.

      Weisst du genaueres über die Definition?
    • Silent_Revolution 20.07.2019 10:17
      Highlight Highlight Aldi

      Sie wissen aber schon, dass man dafür gewisse Bedingungen erfüllen muss? "Hilfe" erhält nur, wer als "Therapieresistent" angesehen wird, schwerst abhängig und vom Staat zuvor bereits jahrelang in die Kriminalität gedrängt wurde.

      Es ist abartig, Sucht zu kriminalisieren und eine Minderheit zu ächten und verfolgen. Ob das Erkennungsmerkmal dieser Minderheit eine Ethnie oder ein Konsumgut ist, macht keinen Unterschied.

      Heroinabgaben rechtfertigen die rechtliche Situation nicht einmal im Ansatz, gerade wenn man die wirtschaftlichen-machtpolitischen Ursprünge aller Drogengesetze bedenkt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • N. Y. P. 20.07.2019 06:32
    Highlight Highlight «Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.»

    Du bist tatsächlich verloren, wenn du das eine nicht vom anderen unterscheiden kannst.

    Du kannst Menschen nicht ändern. Aber du kannst dein Verhalten / Einstellung gegenüber ihnen ändern.
    • Al Paka 20.07.2019 11:07
      Highlight Highlight Torch. Heute Nacht:
      "Manchen gab Gott die Kraft, Dinge zu verändern
      Mir gab er die Kraft zu ertragen, was ich nicht ändern kann
    • möchteauchwassagen 20.07.2019 18:21
      Highlight Highlight Ich versteh' grad die vielen Blitzer nicht....
    • N. Y. P. 20.07.2019 21:48
      Highlight Highlight @möchteauchwassagen

      Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.»

      So hätte es weniger geblitzt...
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