Schweiz
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Roger Koeppel, Chefredaktor Weltwoche, spricht waehrend einer Podiumsdiskussion waehrend der 29. Hauptversammlung der AUNS am Samstag, 26. April 2014 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Dynamisch, aber nicht mehr jung: Roger Köppel. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Roger Köppels Auftrag oder: Der Aufstieg eines Machtmenschen – und der Abstieg eines kreativen Journalisten 

Roger Köppels Wechsel in die Politik ist nachvollziehbar. Als Journalist ist er Mainstream geworden.

philipp löpfe



Winston Churchill war Journalist, ein äusserst erfolgreicher übrigens. Seine Reportagen aus dem Burenkrieg waren auf der britischen Insel Kult. Georges Clemencau war Journalist. Der Mann, der Frankreich durch den Ersten Weltkrieg führte und danach wegen seiner unerbittlichen Härte gegenüber Deutschland berüchtigt wurde, verdiente seinen Lebensunterhalt in der Presse. 

Theodore Roosevelt war Journalist, und ja, auch Karl Marx. Mit Reportagen für US-Zeitungen konnte sich der bärtige Revolutionär seinen bieder-bürgerlichen Lebenswandel gerade so knapp finanzieren.

Man glaubt es kaum: Journalisten und Politiker waren einst geachtet

Jetzt will also auch der Journalist Roger Köppel Politiker werden. Er wird sich kaum in die Reihe der oben genannten Koryphäen einreihen können. Das liegt an den Umständen. Journalismus hat schon bessere Tage gesehen. In der Schweiz gab es Zeiten, in denen man Chefredaktor einer Regionalzeitung, Parlamentarier und ein hoch geachteter Mann sein konnte. Frauen gab es damals noch nicht, die hatten noch nicht einmal das Stimmrecht. 

Heute ist das schwierig geworden. Der moderne Forums-Journalismus steht gerne über den Dingen. Wer in einer Partei Karriere machen will, kann eine Karriere in den Medien vergessen. Ausser er geht zur «Weltwoche». Sie ist eine Ausnahme geworden, aber keine rühmliche: Als inoffizielles Organ der SVP ist sie bemüht, das amerikanische Vorbild Fox-News den eidgenössischen Verhältnissen anzupassen. Journalistisch lässt sich mit diesem Konzept kein Blumentopf gewinnen, selbst wenn man Chefredaktor ist. 

Vom Sportjournalist zum «Scheissfilm»

Roger Köppel hat als Sportjournalist bei der NZZ begonnen, wurde dann bald der Hoffnungsträger im Kulturteil des de Weck'schen «Tages Anzeiger» und hauchte schliesslich dem «Magazin» neues Leben ein. Damals war er auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Er war kein Linker – er pflegte sich als «Ledergerber-Sozialdemokrat» zu bezeichnen –, aber er liebte schon damals die Provokation. Sie war jedoch nicht platt, sondern oft überraschend. So schilderte Köppel wortreich und witzig seine Liebe zum «Scheissfilm» oder zu Gentech. 

Der Wechsel zur «Weltwoche» war abrupt, der Kurswechsel in Köppels Schaffen noch abrupter. Das einst linksliberale Blatt in Zeitungsformat wurde ein rechtsnationales Magazin. Allein diese Tatsache machte die WeWo anfänglich zur Sensation. Rechts und intellektuell, diese Mischung war neu für die Nachkriegsgeneration. 

Es folgte ein Intermezzo an der Spitze der «Welt» in Berlin – die Darstellungen darüber variieren, um es milde auszudrücken –, dann kehrte Köppel zur WeWo zurück und wurde Chef und Verleger in Personalunion. 

Ein Haus an der Goldküste und Mitglied einer Zunft

Köppel scheint nun alles erreicht zu haben: Er ist wohlhabend, im rechtskonservativen Establishment bestens vernetzt und Mitglied einer Zunft. Er hat ein Haus an der Goldküste und Frau und Kinder. Zudem hat er nationale Prominenz erreicht, und wenn die ARD einen hässlichen Schweizer braucht, sitzt Köppel in der ersten Reihe.

Journalistisch hingegen ist Köppel zur austauschbaren Grösse geworden. Rechtskonservativ ist Mainstream geworden. Linke Journalisten gibt es bald nur noch in den Köpfen der SVP – oder im Altersheim. Auch inhaltlich ist Köppel seine Nähe zu Christoph Blocher schlecht bekommen. Die Parolen der beiden sind so austauschbar, es interessiert höchstens, wer was zuerst gesagt hat. Aufmerksamkeit erregt Köppel heute eigentlich nur noch, wenn er über Frauen schreibt. Dann allerdings ist die Komik eher unfreiwilliger Natur

Und jetzt: Der Auftrag

So gesehen ist es nur logisch, dass er zu neuen Ufern aufbricht. Wie Blocher hat Köppel einen «Auftrag»: Er muss die Schweiz aus den Klauen der EU befreien und Unternehmer vor Staat und Sozialisten schützen. Wie schrecklich langweilig. 

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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ben 13.04.2015 08:50
    Highlight Highlight Irgendwie peinlich für watson! Gerade dieses linke Beschreibe führt bei ungebundenen Bürgerinnen und Bürgern zu jenen Reaktionen, die wir gerade in Zürich erleben. Langsam merkt man: Die wahren Gestrigen sind die linken Journalisten.
  • Lowend 01.03.2015 02:15
    Highlight Highlight Für all die Menschen die schon so extrem weit aussen am rechten Rand stehen, dass die ganze Welt nur noch aus "Linken" besteht, hier eine Umfrage unter Chefredaktoren aus der "Schweiz am Sonntag", die bestätigen dass die Presse in den letzten Jahren nach rechts rückte.

    http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/nachrichten/sp_verliert_in_den_medien_an_terrain/

    So viel zu der SVP-Lüge betreffend den ach so linken Medien und eine Bestätigung für die Äusserungen von Philipp Löpfe. - Leider!
  • Schneider Alex 27.02.2015 13:37
    Highlight Highlight Rechtskonservativ sei mainstream geworden in den Medien? Da lachen ja die Hühner!
    • blueberry muffin 27.02.2015 16:52
      Highlight Highlight Das Problem von Linken und Rechten ist, das sie selten wissen wo die andere Seite anfaengt. Fuer SVP'ler ist ja selbst die FDP "schon fast links".

      Faktisch haben wir aber politisch eine buergerliche Mehrheit und journalistisch .. keine Ahnung, unpolitisches rumgedruckse ohne eigene Meinung ist gerade in.
  • Thomas Binder 27.02.2015 12:41
    Highlight Highlight Chapeau, Philipp Löpfe, Hansi Voigt​ und wunderbares Team von Watson, dafür dass Ihr Euch nicht in die Niederungen des kurzfristig Erfolg versprechenden von Verblendern verblendeten verblendenden boulevardesken bashings begebt, sondern wisst, dass mittel- bis langfristig immer Ethos und Vernunft erfolgreich sein werden und deshalb nachhaltig die vernünftige sokratische humanistische sozialliberale Position einnehmt und immer mehr zum Leitmedium werdet des Löwith'schen Prinzips, welches Astrid Nettling einmal so formuliert hatte:
    • Thomas Binder 27.02.2015 12:50
      Highlight Highlight "Was immer er tat, und vor allem auch unterliess, hat seinen Grund in der Erkenntnis, dass es nicht die Aufgabe der ‚Intellektuellen‘ (das heisst wörtlich der Einsichtigen) sein kann, sich selber leichtfertig preiszugeben. Was er von ihnen und sich selber verlangte, war: inmitten der alles erschütternden Krisis den Standpunkt des freien Geistes zu wahren, um im Umtrieb einer illusionsbedürftigen Zeit wahnfrei auf sich selber stehen zu können."
      (Astrid Nettling über Karl Löwith)
  • Sillum 27.02.2015 09:40
    Highlight Highlight Das ist der Witz des Watson-Jahres: Der linke Köpfe schreibt: Rechtskonservativ ist Mainstream und es gibt keine linke Journalisten!!!
    In welchem Land lebt der Mann? Oder spricht da vielleicht die pure Verzweiflung, dass es tatsächlich in der wüstenähnlichen Presselandschaft hie und da einmal bürgerliche Meinung zu Worte kommt?
    • saukaibli 27.02.2015 11:29
      Highlight Highlight Du würdest den Blick oder 20min also nicht als Mainstream bezeichnen? Die Aussage von Philipp Löpfe ist vielleicht etwas pointiert, aber so ganz falsch ist sie nun wirklich nicht.
  • krebsli64 27.02.2015 08:52
    Highlight Highlight Spricht hier der Neid aus Ihnen Herr Löpfe
  • malu 64 27.02.2015 08:28
    Highlight Highlight Schon wieder ein Sprücheklopfer mehr. Wo bleiben die Politiker mit Format und Volksnaehe?
  • quark 27.02.2015 07:59
    Highlight Highlight in der SVP gilt noch immer die Regel: "wer zahlt befiehlt". Und da Herr Köppel nunmal nicht zahlt, wird ihm eben befohlen.
  • koni 27.02.2015 07:52
    Highlight Highlight Ich freue mich auf Köppel in Bern. Ich mag seine kontroverse Art.
  • Thomas Binder 27.02.2015 06:12
    Highlight Highlight Ein weiterer schwerer Narzisst - gähn!
  • Alex23 26.02.2015 20:30
    Highlight Highlight Gefällt mir, der Artikel.
    Schade, dass Köppel dabei nicht so gut rüberkommt. Wirklich schade. Wo er doch die Schweiz retten will, dieser edle Ritter!
  • pierolefou 26.02.2015 19:56
    Highlight Highlight Ich dachte immer, Herr Köppel sei ein FDP-Parteigänger?
    Wie die Zeiten sich doch schnell ändern können.
  • Lowend 26.02.2015 19:31
    Highlight Highlight In einem passt Köppel ja schon hervorragend zu seiner neuen Partei, denn er wurde im Jahr 2007 dabei erwischt, wie er den Wikipedia-Artikel zu seiner Person "in's Reine" schrieb und einige Passagen entfernte, oder beschönigte. Man ist ja auch ein bisschen eitel in dem Geschäft!

    http://web.archive.org/web/20071217221443/http://www.dasmagazin.ch/index.php/Köppels_Wikipedia

    Im übrigen hätte ich da noch eine Frage, ist Köppel jetzt eigentlich ein Politiker, der Journalist von Blochers Gnaden ist, oder eher ein Journalist, der Politiker von Blochers Gnaden ist, oder am Ende gar beides?
    • Angelo C. 27.02.2015 01:16
      Highlight Highlight Hier eine einigermassen kompetente Antwort auf Ihre vielen offenen Fragen : http://tagi.ch/31322442

    • Don Sinner 27.02.2015 09:07
      Highlight Highlight Kommt aufs selbe heraus, Lowend. Weil: der Herrliberger stopft dem Küsnachter sein Spekulantengeld in den... - und oben kommen dann, wie Herr Loepfe schön gesagt, die immer gleichen Parolen heraus.
    • Lowend 27.02.2015 11:58
      Highlight Highlight An Köppel's Wesen soll die Schweiz genesen? Träumen sie weiter geehrter Angelo C.! Im Parlament müssen Mehrheiten gefunden und Kompromisse geschlossen werden und darum braucht es in der Parlaments- und Regierungsarbeit verhandlungsbereite Integrationsfiguren und sicher keine Spaltpilze von Blochers Gnaden! Köppel wird zwar sicher die Claqueure der Nationalisten erfreuen, aber 75% der Parlamentarier haben lieber vernünftige und gesprächsbereite Kollegen, statt laute und kompromisslose "Anti-Politiker" und nur wenn es die SVP schafft, die Bundesversammlung zu erpr
    Weitere Antworten anzeigen
  • amore 26.02.2015 19:30
    Highlight Highlight Eine gute Sache. So verjüngt sich das Zürcher-SVP-Abgeordneten-Team endlich.
    • The Destiny // Team Telegram 26.02.2015 20:40
      Highlight Highlight lol jung ?

      Das bestand vorher dann wohl nur aus Greisen .... ;)
    • Lightning makes you Impotent (LMYI) 26.02.2015 22:06
      Highlight Highlight lol? Ja!!
  • Jol Bear 26.02.2015 19:24
    Highlight Highlight Bei den üblichen Zweckbündnissen in der Politik, Mauscheleien, Parteidisziplin usw., denen sich auch der künftige Politiker Köppel unterwerfen muss, wird der Schritt weg vom Verleger und Journalisten durchaus mit einer partiellen Selbstaufgabe verbunden sein. Als Aufstieg sehe ich das nicht wirklich. Zum Beitrag von Philipp Loepfe: "Rechtskonservativ ist Mainstream." "Linke Journalisten" gäbe es kaum mehr: Ist "Erklärbär Loepfe" zum fabulierenden Märchenonkel oder Science-Fiction-Journalisten mutiert? Oder will er uns zur Fastnachtszeit einfach mal zum Narren halten? An einem normalen Kiosk kann ich eigentlich, ausser der Weltwoche oder BaZ, keine schweizerische Zeitungen oder Magazine finden, welche regelmässig "rechtskonservative" Inhalte verbreiten.
    • kyuss 26.02.2015 22:48
      Highlight Highlight Viele schweizerische Tageszeitungen sind rechtskonservativ, Neben den genannten fallen mir spontan der Blick und die NZZ ein. Die regionalen Tageszeitungen stehen meist auch rechts der Mitte.
      Linke Printmedien sind quasi inexistent, da gibts nur die WoZ....
      Aber die Wewo/BaZ Leser stehen wohl soweit rechtsaussen, dass da auch die NZZ wie ein marxistisches Kampfblatt aussieht,
    • Jol Bear 26.02.2015 23:30
      Highlight Highlight Zu Kyuss: immer eine Frage des subjektiven Blick-Winkels und der Definition von "rechtskonservativ". Oder ist es etwa so, dass Sie beispielsweise den Tages-Anzeiger bereits als verlängerten Arm des Rechtsaussen-Flügels der SVP wahrnehmen ...?
    • kyuss 27.02.2015 18:50
      Highlight Highlight @JolBear: Tagi ist ganz klar Mitte, vielleicht ein paar Millimeter links davon...
      Klar, alles eine Frage der Perspektive, aber das hatte ich mit meinem NZZ /Marx - Vergleich auch schon angedeutet :)
      @P4trick: Touché, der Blick ist natürlich eine Zumutung und keine Zeitung.
  • goschi 26.02.2015 19:21
    Highlight Highlight Danke Herr Löpfe, für diesen mMn. sehr treffenden Kommentar.
    Köppel ist in den letzten Jahren völlig enttäuschend geworden, hat er früher mit spitzer Feder aber sehr pointiert geschrieben ist er Heute nur noch plump und ein reiner "Nachlaferi" der Rechtsaussen-Ecke der SVP geworden.

    Ich finde dies durchaus schade, denn die Schweiz verträgt auch ein rechtskonservatives Wochenblatt, Meinungsvielfalt ist immer gut, aber Köppel und seine WeWo sind leider völlig uninspiriert und rein populistisch und hetzerisch geworden.
  • Hans Jürg 26.02.2015 18:54
    Highlight Highlight Man muss es immer wieder betonen, was Köppel ist:

    Ein Wasserprediger z.B.:
    er ist gegen Einwanderung, hat aber eine Frau aus dem Ausland geheiratet

    Der heuchlerische Doppelmoralist z.B.:
    er fordert von allen totale und bedingungslose Transparenz, schweigt aber beharrlich über die Herkunft der enormen finanziellen Mittel, mit denen er Alleinbesitzer (aber auch wirklich Eigentümmer?) der Weltwoche wurde.

    • The Destiny // Team Telegram 26.02.2015 20:43
      Highlight Highlight Der Satzt geht gar nicht. Wie wenn man seine Traumfrau/Liebe einfach so wählen könnte.

      "er ist gegen Einwanderung, hat aber eine Frau aus dem Ausland geheiratet"
  • Lowend 26.02.2015 18:51
    Highlight Highlight Wer seine Lizenziatsarbeit zu Carl Schmitt dem "Kronjurist des Dritten Reiches" schreibt zeigt klar seine Gesinnung. Regula Stämpfli schrieb dazu in der WoZ: "So schrieb er (Carl Schmitt) .... : «Zur Demokratie gehört als notwendig erstens die Homogenität und zweitens nötigenfalls die Ausscheidung oder Vernichtung des Heterogenen.» Intellektuelle sind per Definition heterogen und gehören deshalb verunglimpft. So operieren auch Roger Köppel und Christoph Blocher. Sie tun so, als wären sie das Volk (sprich homogen) und alle anderen die Fremden (heterogen), die eine Bedrohung darstellen."
  • AlphaEpsilon 26.02.2015 18:48
    Highlight Highlight Als linker wäre er wohl ein Held?
    • Angelo C. 27.02.2015 00:52
      Highlight Highlight AlphaEpsylon : Gut möglich. Hier eines der vielen ähnlich lautenden statements aus dem auch nicht gerade rechtsorientierten TAGESANZEIGER, wo 121 likes immerhin mehr als deren 30 sind ;-)!


      Werner Meyer vor 5 Std.
      "Wird das Klima rauer?" Aus Furcht, dass man Köppel intellektuell und rhetorisch das Wasser nicht reichen kann, wird schnell die Stilfrage gestellt. Typisch linker Reflex. Ich freue mich auf die Debatten.
      Empfehlen (121) MeldenTeilenAntworten
  • Hans Jürg 26.02.2015 18:03
    Highlight Highlight Blocher hat es köppeldick hinter den Ohren...
    • JayAge 26.02.2015 19:47
      Highlight Highlight Höho. Schenkelklopfer.

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