Schweiz
Migration

«Für die Muslime ist klar, dass die Anschläge nichts mit der Religion zu tun haben» – Höchster Muslim der Schweiz warnt vor Stigmatisierung

Weltweite Trauer um die Opfer von den Paris-Anschlägen

1 / 17
Weltweite Trauer um die Opfer von den Paris-Anschlägen
Die Anschläge in Frankreich lösen weltweit Schrecken und Entsetzen aus. Bild: EPA/ARMANDO BABANI
quelle: epa/epa / armando babani
Auf Facebook teilenAuf X teilen

«Für die Muslime ist klar, dass die Anschläge nichts mit der Religion zu tun haben» – Höchster Muslim der Schweiz warnt vor Stigmatisierung

Die Bekämpfung von islamischem Extremismus ist nach Ansicht des Präsidenten der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz nicht nur eine Aufgabe der gemässigten Muslime, sondern auch des Staates. Montassar BenMrad zieht Parallelen zu anderen Extremisten.
18.11.2015, 04:4418.11.2015, 04:44

Ähnlich wie «bei Hooligans und gewalttätigen links- und rechtsextremen Gruppen, die auch versuchen, Jugendliche zu verführen», habe der Staat auch bei der Bekämpfung des islamischen Extremismus eine Aufgabe, sagte BenMrad im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Mittwoch.

Muslimische Verbände und Moscheevereine leisteten Jugendarbeit, um zu verhindern, dass junge Menschen von radikalen Gruppen manipuliert werden, sagte er weiter. «Aber wenn sich jemand bewusst von der Gemeinschaft abkapselt, ist es schwierig, einen Zugang zu finden.»

Islam

Der Waadtländer mit tunesischen Wurzeln, der im vergangenen Sommer Präsident der Föderation wurde, ruft dazu auf, die «Relationen zu wahren». «Pro Jahr ziehen in der Schweiz 1.5 Personen pro 100'000 Muslime in den Krieg nach Syrien oder in den Irak», sagte er. Jeder sei zwar einer zu viel, doch die Gesamtgesellschaft habe wohl einen grösseren Anteil an Geisteskranken.

«Spiel mit dem Feuer»

BenMrad warnt auch davor, nun «die Muslime zu stigmatisieren». Das könne dazu führen, dass sich ein Teil der Jugendlichen erst recht von der Gesellschaft ausgegrenzt fühle und sich deshalb radikalisiere. «Wer nun aus politischem Kalkül vor einer muslimischen fünften Kolonne warnt, spielt mit dem Feuer.»

Auf die Frage, ob Anschläge wie in Paris auch in der Schweiz passieren könnten, sagte BenMrad, es bestehe zwar immer ein Risiko. «Aber die Schweiz und Frankreich unterscheiden sich grundlegend.»

Er verweist darauf, dass die Schweiz keine koloniale Vergangenheit hat und nicht in Kriege mit muslimischen Ländern verwickelt ist. Ausserdem hätten muslimische Jugendliche in der Schweiz eine Perspektive: «Die Integration funktioniert hier deutlich besser.»

Die Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS) hat die Anschläge von Paris als «abscheuliche und feige terroristische Attacken und Verbrechen gegen die Menschlichkeit» aufs Schärfste verurteilt. (dwi/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Basel
Novartis streicht 500 Stellen
Der Basler Pharmakonzern Novartis will dieses Jahr am Hauptsitz in Basel rund 500 Stellen streichen. Dabei kann es auch zu Entlassungen kommen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Gleichzeitig will der Konzern mehrere hundert neue Arbeitsplätze schaffen. Unter dem Strich solle die Zahl der Beschäftigten in der Schweiz in diesem Jahr bei rund 15'000 stabil bleiben, heisst es im Communiqué. Vom Abbau am Hauptsitz betroffen sind namentlich unterstützende Bereiche sowie operative Rollen in der pharmazeutischen Entwicklung. Basel solle einer der wichtigsten Innovationsstandorte bleiben, hielt der Konzern weiter fest. Von der Verlagerung von Ressourcen profitieren kann etwa der Standort Nyon. Für die Herstellung von rezeptfreien Rezepten ist dort eine dritte Schicht vorgesehen.
Zur Story