SP-Nationalrätin will weniger Süssigkeiten an Kassen – Detailhändler halten dagegen
Wenn man beim Einkaufen an die Kasse geht, kommt man nicht an ihnen vorbei: Süssigkeiten, Red Bulls, Kaugummis. Ungesunde Produkte, die noch kurz schnell aufs Band kommen.
Diese Produkte sind Laurence Fehlmann Rielle ein Dorn im Auge. Bereits im Jahr 2021 hat die SP-Nationalrätin eine Interpellation eingereicht, um auf diese Problematik hinzuweisen. Damals hat der Bundesrat das Problem anerkannt und sich für eine Empfehlung ausgesprochen. Diese richtete sich insbesondere an die grossen Einzelhandelsketten, damit diese ihre Kassenbereiche mit gesunden Produkten ausstatten.
Nur passiert ist seither gemäss Rielle wenig. In einer neuen Motion, die Genferin anfangs Oktober eingereicht hat, heisst es:
Immer noch viele Süssigkeiten an Bedientheken
Sie verweist auf eine Untersuchung des Westschweizer Konsumentenverbandes (FRC) vom März 2026, die zeigt, dass weiterhin kaum gesundheitsfördernde Produkte an den Kassen vertreten sind.
So seien beispielsweise 98 Prozent der Bedientheken in Genf mit Süssigkeiten bestückt, und im Rest der Westschweiz sehe es nicht anders aus. Dazu kommt, dass Händler an den Selbstbedienungskassen neue Arten von Verkaufsständern mit angepasstem Marketing eingeführt haben, um die Attraktivität dieser Bereiche aufrechtzuerhalten, so das FRC.
Dieses zielgerichtete Marketing und attraktive Preise zielen vor allem auf Kinder und Jugendliche ab, so Rielle. Die Genferin fordert darum in der Motion: «Unter diesen Umständen ist es unerlässlich, wirksame Massnahmen zu ergreifen, um diesem für Kinder und Jugendliche schädlichen Marketing, dessen Ziel rein kommerzieller Natur ist, ein Ende zu setzen.»
Denn, erinnert Rielle in der Motion, ist 43 Prozent der Schweizer Bevölkerung übergewichtig oder fettleibig. «Auch Kinder und Jugendliche bleiben nicht davon verschont», schreibt die SP-Nationalrätin.
Selbstbestimmung statt Zwang
Nicht alle sind vom Vorstoss von Rielle überzeugt. «Der Jugendschutz ist wichtig, aber der Staat muss nicht auch noch bestimmen, was an der Supermarktkasse stehen darf», sagt beispielsweise Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner gemäss 20 Minuten. Seine Begründung: «Wer Kinder vor jeder Versuchung bewahren will, erzieht sie nicht zu selbstständigen Menschen.» Man brauche mündige Bürger, keine staatlich beaufsichtigten Einkaufswagen, so der Appenzeller.
Ebenfalls kritisch sieht dies die IG Detailhandel, die die Interessen der Schweizer Grosshändler Migros, Coop sowie Denner vertritt.
«Der Vorstoss greift sehr stark in die Angebots- und Ladengestaltung ein. Zudem ist äusserst fraglich, ob diese Massnahme einen spürbaren Effekt auf die Ernährung der Kinder hat», so die IG.
Die Interessengemeinschaft verweist dabei auf salzige Snack-Alternativen oder Trockenfrüchte, die ebenfalls an den Kassen erhältlich seien. Zudem «sind Artikel wie Früchte und Gemüse sehr pflegeintensiv und eignen sich unter anderem deshalb nicht für den Kassenbereich», sagt IG-Sprecher Manuel Toma gegenüber 20 Minuten.
Er plädiert auch für die Verantwortung der Erzieher:
