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Öffentlicher Verkehr: Beim E-Ticket wird die Schweiz vom internationalen Verkehr überrollt

E-Ticket macht in der Schweiz Probleme. 
E-Ticket macht in der Schweiz Probleme. Bild: KEYSTONE

Öffentlicher Verkehr: Beim E-Ticket wird die Schweiz vom internationalen Verkehr überrollt

26.06.2015, 12:3526.06.2015, 14:09

Der Öffentliche Verkehr in der Schweiz droht beim E-Ticket im internationalen Vergleich den Anschluss zu verpassen. Die Branche habe hier «effektiv ein Problem», sagt der Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV), Peter Füglistaler, in einem Interview mit dem «St. Galler Tagblatt» vom Freitag. Die Branche sei bei Innovationen wie beim E-Ticket nicht entscheidungsfähig.

«Die sehr aufwendigen Prozesse sind noch weitgehend basisdemokratisch, die zehn kleinsten Bahnen oder eine grosse Bahn können alles blockieren.» Die Branche sollte Strukturen schaffen, damit sie «wirklich Entscheide treffen» könne, fordert Füglistaler.

Massives Problem wegen zu komplizierter Tarife

Der Direktor des Verbands öffentlicher (VöV), Ueli Stückelberger, weist den Vorwurf der fehlenden Entscheidungsfähigkeit zurück. «Das stimmt so nicht», sagt er auf Anfrage. Bevor ein E-Ticketing-System eingeführt werden könne, müsse zunächst die komplexe Tarifgestaltung vereinfacht werden. Das benötige Zeit.

Die Branche mache aber vorwärts: Vor einem Monat sei beschlossen worden, ein Zielbild für eine einfachere Preisgestaltung zu erarbeiten. Stückelberger verweist darauf, dass neben der Branche auch andere Akteure, beispielsweise die Kantone, etwas zu sagen haben. «Wir sind als Branche nicht autonom.»

Zudem wolle die ÖV-Branche die Kunden und Kundinnen nicht überfordern. «Nicht alle sind Technik-Freaks.» Daher brauche es eine Evolution - und keine Revolution.

«Künftig wird es zu Stosszeiten teurer, in Nebenzeiten billiger»

Innovationen wie etwa das E-Ticket sind laut BAV-Direktor Füglistaler aber Voraussetzung, um ein Mobility Pricing mit differenzierten Tarifen einzuführen. Künftig werde es «flexiblere Abos nach Wunsch» geben, kündigte Füglistaler an. «Zu Stosszeiten wird es teurer, in Nebenzeiten billiger.» Das Generalabonnement sei unbestritten, werde aber seinen Preis haben (siehe auch den watson-Bericht «Mobility Pricing ist fair: Jeder bezahlt den Verkehr, den er verursacht»).

Ein System, bei dem das E-Ticket automatisch beim Ein- und Aussteigen erfasst wird, ist schweizweit derzeit kein Thema, wie die SBB im März anlässlich der Vorstellung des «SwissPass» erklärt hatte. Einzelne Transportunternehmen könnten dies frühestens ab Ende 2016 testen.

«Angespannt, aber nicht hoffnungslos»

Auch bezüglich Preispolitik übt bezüglich Preispolitik übt Füglistaler Kritik an den ÖV-Unternehmen. «Uns verärgerte, dass die ÖV-Branche schon früh sagte, sie wolle 2016 auf Preiserhöhungen verzichten. Das wäre auch eine Möglichkeit, um mehr Mittel zu beschaffen.»

VöV-Direktor Stückelberger wies diese Kritik zurück. Mit dem Preisüberwacher sei vereinbart, die Preise nur um soviel zu erhöhen, wie es die Trassenpreiserhöhung nötig macht. Und aus Rücksicht auf die Kunden brauche es auch einmal ein Jahr ohne Preiserhöhungen.

Die finanzielle Situation beim Regionalverkehr ist laut Füglistaler «angespannt, aber nicht hoffnungslos». Das Problem sei, dass beim heutigen Ausbaurhythmus nicht alle neuen Angebote finanziert werden könnten. «Es kann aber keine Rede von einem Leistungsabbau sein, sondern allenfalls von einem langsameren Ausbau.» (sda)

Was hälst du von Mobility Pricing? Und wie müssten die Tarife gestaltet sein? Schreibe deine Meinung im Kommentar!

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Eine Schnellzugskomposition mit einer A3/5-Lok der damals noch privaten Gotthardbahn in den Bergen um 1902 in Brunnen.
quelle: foto service sbb / str
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