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Neue ÖV-App: Vielleicht musst du bald nie mehr ein Ticket lösen

Die neue Mobile App der SBB beim Community Abend der SBB-User-Community, fotografiert am Montag, 31. Oktober 2016, in Zuerich. (KEYSTONE/Manuel Lopez)
Zukunftsmusik: Kann man sich in Zukunft bei der SBB selbstständig ein- und auschecken?Bild: KEYSTONE

Neue ÖV-App: Vielleicht musst du bald nie mehr ein Ticket lösen

Ab Juni 2017 soll eine App automatisch alle ÖV-Reisen abrechnen. Der SBB-Tarifdschungel könnte so gelöst werden.
21.11.2016, 02:2021.11.2016, 12:14
stefan ehrbar / schweiz am Sonntag
Ein Artikel von Schweiz am Sonntag
Schweiz am Sonntag

In den Bus oder Zug einzusteigen, ohne sich um ein Ticket kümmern zu müssen, ist GA-Kunden vorbehalten. Der Durchschnitts-Reisende müht sich an den Billettautomaten mit unzähligen Via-Kombinationen und Spezialtickets ab. Das könnte sich nun ändern. Eine neue App, entwickelt von der Berner Bahngesellschaft BLS, soll ab Juni 2017 das Ticket-Lösen für alle überflüssig machen.

«Lezzgo» heisst die Smartphone-Anwendung, welche vom Team des IT-Strategiechefs Andreas Kronawitter entwickelt wurde. Die App funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Wer eine Reise macht, checkt in der App ein, sobald er das erste öffentliche Verkehrsmittel betritt. Sobald die Reise beendet ist, muss man wieder auschecken.

Dazwischen kann man beliebig oft umsteigen. Ein Ticket muss nicht gelöst werden. Die App zeichnet die Reise mithilfe des GPS-Signals und anhand von Standortdaten von WLAN, Mobilfunk-Zellen und mit Bewegungssensoren der Smartphones auf. Am Ende einer Reise wird sie automatisch zum günstigsten Tarif abgerechnet. Das funktioniert auch, wenn am selben Tag eine weitere Reise unternommen wird.

Vor einigen Wochen startete die BLS den Testbetrieb der App. Mittlerweile kann sie in den Tarifverbünden libero, frimobil und Passepartout genutzt werden. Der technische Pilotbetrieb soll Ende des zweiten Quartals 2017 beendet sein, wie Kronawitter sagt. Ob sie dann tatsächlich in der ganzen Schweiz genutzt werden kann, hängt allerdings mehr von der Politik denn von der Technik ab. Denn die Tarifstruktur in der Schweiz ist komplex.

Tarifverbünde als Fragezeichen

Für den sogenannten direkten Verkehr, also beispielsweise die Strecke Bern–Zürich, darf die BLS mit der App zwar Tickets verkaufen. Nicht genutzt werden kann die App zurzeit aber etwa für die Strecke Bern–Zürich Bellevue, weil eine Tramfahrt im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) dabei wäre. Insbesondere der ZVV hat die Hoheit über seine Tarife und darf selbst entscheiden, wer seine Tickets vertreiben darf. 20 Tarifsysteme mit mehr oder weniger strengen Regeln dieser Art gibt es insgesamt in der Schweiz. Mit ihnen müssen sich die App-Entwickler einigen.

Ob sich «lezzgo» durchsetzen wird, ist unklar. Mit der App «Fairtiq», hinter welcher verschiedene Verkehrsbetriebe stecken, steht eine Alternative in den Startlöchern, welche nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert. Man habe verschiedene konkrete Offerten von App-Anbietern auf dem Tisch, sagt etwa Stefan Kaufmann vom ZVV. Ob man sich für eine bestimmte oder mehrere Apps entscheide, sei noch unklar.

Ob «Fairtiq» oder «lezzgo» in Zukunft den Markt dominieren oder ob die Hintergrundsysteme sowieso zusammengelegt werden, wie Kronawitter von der BLS vermutet: Der GA-Komfort für alle steht bevor. Im zweiten Halbjahr 2017 könnten die SBB aufspringen. Angedacht ist, dass die Funktionen von «lezzgo» in die sogenannte Preview-App der Bundesbahnen integriert werden, welche damit eine Marktakzeptanz-Studie durchführen könnten.

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