Schweiz
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Nach dem Zugunglück in Rafz

Pro Bahn kritisiert SBB: «Mit den drei Millionen, die jetzt fällig werden, hätte man Dutzende Sicherungen bauen können»

Menschliches Versagen war der Grund für das Zugunglück in Rafz – aber auch Sparüberlegungen der SBB, glaubt Pro Bahn Schweiz. Die SBB verzichteten in Rafz auf eine Abfahrtssicherung.



Obwohl der genaue Unfallhergang noch nicht abschliessend geklärt ist, ist eines klar: Menschliches Versagen war letzten Freitag der Grund für den Zusammenprall eines Interregios und einer S-Bahn in Rafz. Die zwei Lokführer der S-Bahn übersahen ein Rotlichtsignal. 

Die eingeleitete Zwangsbremsung funktionierte zwar, der Zug war zu diesem Zeitpunkt aber schon zu schnell – mit Tempo 59 – unterwegs. Die SBB führen deswegen ab nächstem Montag eine Geschwindigkeitsbegrenzung vom 40 Km/h nach Abfahrt des Zuges bis zum ersten Lichtsignal ein. 

Abfahrtssicherung hätte den Unfall verhindert

«Diese Massnahme ist aber nicht ausreichend», findet Kurt Schreiber von Pro Bahn Schweiz. Für ihn ist klar: «Dieser Unfall hätte mit einer Abfahrtssicherung am Bahnhof verhindert werden können.» 

Kurt Schreiber, Praesident

Kurt Schreiber von Pro Bahn Schweiz findet, dass die SBB am falschen Ort sparen. Bild: KEYSTONE

An dieser sparten die SBB jedoch in Rafz: Eine Abfahrtssicherung am Bahnhof verhindert, dass ein Zug bei Rot losfährt. Sie wird aber erst installiert, wenn ein Zug mindestens ein Mal pro Tag einen Richtungswechsel am Bahnhof vornimmt, informierten die SBB am Freitag. Die S-Bahn Rafz-Schaffhausen tut dies aber nur fünf Mal pro Woche. Wären es sieben, würde das Gleis gesichert. 

«Diese Regel ist unhaltbar», sagt Kurt Schreiber. «Hier verzichtet die SBB aus Kostenüberlegungen auf eine Sicherung, die Unfälle mit Schäden in Millionenhöhe verhindern könnte.» Pro Bahn Schweiz fordert die SBB deshalb dazu auf, diese Regel fallen zu lassen. «Mit den geschätzten drei Millionen, die jetzt fällig werden, hätte man Dutzende Abfahrtssicherungen bauen können», sagt Schreiber. 

SBB hält vorerst an Regelung fest

SBB-Mediensprecher Reto Schärli sagt: «Die geltende Regelung basiert auf der SBB-Risikostrategie. In Anbetracht unserer bisherigen Erkenntnisse wollen wir vorerst an ihr festhalten.» Die Resultate der laufenden Untersuchung würden aber genau analysiert und die Empfehlungen der unabhängigen Untersuchungsstelle des Bundes umgesetzt.

Es sei ein komplexes Unterfangen, die zusätzlichen Abfahrtssicherungen am geeigneten Ort zu installieren, da die Züge nicht immer am selben Ort zu stehen kommen. «Zudem müssten mit zusätzlichen Sicherungen für sehr wenige Spezialzüge pro Tag Nachteile für die restlichen 150 durchfahrenden Züge in Kauf genommen werden», sagt Schärli weiter. 

Als Sofortmassnahme sei die verringerte Anfahrtsgeschwindigkeit nach einer Wendung sehr geeignet. 

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