«Starke Persönlichkeit»: So reagieren Wegbegleiter und Prominente auf Zieglers Tod
Für die einen war er ein Kämpfer der Schutzbedürftigen und für die anderen ein Essenspartner mit den «falschen» Ansichten. Jean Ziegler machte sich in seinem Leben viele Freunde, aber sicher auch viele Feinde. Ziegler machte sich national und international einen grossen Namen. Das sind die Reaktionen auf seinen Tod.
Volker Türk, UN-Hochkommissar
Jean Ziegler war von 2000 bis 2008 Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung. Er war zudem Mitglied des Beirats des Menschenrechtsrats. Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat am Mittwoch Ziegler als «Kämpfer vor allem für schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen» bezeichnet.
«Ich bin bestürzt über diese traurige Nachricht», sagte der Österreicher, der ihn nicht persönlich kannte der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Türk bezeichnete Ziegler als einen «Verfechter des Ökosystems der Menschenrechte und ein äusserst starke Persönlichkeit». Jean Ziegler habe unter anderem für die Menschen gekämpft, die unter Hungersnöten gelitten hätten.
SP Schweiz
Als jahrzehntelanges Mitglied der SP sass der perfekt zweisprachige Ziegler für den Kanton Genf zweimal im Nationalrat. Sein erstes Mandat hielt er von 1967 bis 1983, das zweite von 1987 bis 1999. Die SP Schweiz würdigt den Verstorbenen als eine wichtige Persönlichkeit der Linken.
«Für die SP Schweiz bleibt Jean Ziegler eine prägende Persönlichkeit, die unermüdlich für soziale Gerechtigkeit, internationale Solidarität und die Gleichheit der Völker gekämpft hat», schrieb die Partei.
Durch seinen Kampf werde er für viele Genossinnen und Genossen für immer ein Vorbild bleiben. Ziegler habe nicht nur die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei geprägt, sondern durch seine unverblümte Kritik und sein unermüdliches Engagement auch «einen unauslöschlichen Eindruck in der Geschichte unseres Landes» hinterlassen.
Claude Longchamp, Politologe
Der Berner Politologe Claude Longchamp würdigte in einem Beitrag auf seinem Blog Zieglers Engagement für junge Menschen. Ziegler habe als Nationalrat eine parlamentarische Initiative für das Stimmrechtsalter 18 durchgebracht, die allerdings 1979 vor dem Volk scheiterte. Erst zwölf Jahre später stimmte das Schweizer Volk dann der Senkung des Stimmrechtsalters von 20 auf 18 Jahre zu.
Longchamp teilte in den 1980er Jahren als Angestellter des Instituts für Soziologie der Universität Bern ein Büro mit Ziegler. Dort musste er oft mithelfen, dessen «riesige Post aus der ganzen Welt zu sortieren», wie der Berner Politologe schreibt.
Charles Poncet, Ex-SVP-Nationalrat
Zieglers pointierte linke Positionen kamen beim bürgerlichen Establishment nur selten gut an. Zu ihnen gehört auch der Genfer Anwalt und ehemaligen SVP-Nationalrat Charles Poncet. Er sah in Ziegler «einen Intellektuellen, der an den Traum der Linken glaubte».
«Wir waren uns in fast nichts einig, ausser bei der Einordnung, welche Leute von links oder rechts Idioten waren», sagte Poncet am Mittwoch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Die beiden Männer begegneten sich in den 1990er-Jahren im Nationalrat. «In Bern seien sie zusammen leichte Mahlzeiten wie Entrecôtes oder Schnitzel essen gegangen, ohne Wissen ihrer Fraktionen», erinnert sich Poncet. Trotz grosser Meinungsdifferenzen verliert Poncet durch den Tod Zieglers einen «Freund». (dab/sda)
