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«Dann bringe ich dich um»: Düstere Geschichte aus dem Schweizer Amateurfussball
Ein Schiedsrichterentscheid, der für Ärger sorgt, wüste Beschimpfungen und eine Morddrohung nach dem Spiel: Weil er auf einem Fussballplatz lediglich die Spielregeln durchgesetzt hatte, erlebte ein Amateurschiedsrichter einen äusserst unangenehmen Samstagnachmittag. Zwei Männer, die ihn angegangen waren, wurden nun von der Staatsanwaltschaft Lausanne bestraft.
Am 17. Mai 2025 findet in der Nähe des Stade Pierre-de-Coubertin im Süden von Lausanne ein Fussballspiel statt. Nach einem Foul wird ein Spieler vom Platz gestellt. Der Entscheid des Schiedsrichters macht einen Zuschauer wütend – es handelt sich um den Vater eines Fussballers, der für die bestrafte Mannschaft spielt. Der Mann beginnt daraufhin, den Schiedsrichter zu beschimpfen, der gerade die Rote Karte gezeigt hat.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Laut dem Strafbefehl, der watson vorliegt, bezeichnet er ihn unter anderem als «Hurensohn» und «Connard» (auf Deutsch so viel wie «Arschloch» oder «Vollidiot»). «Ich mach dich fertig», warnt er und fügt hinzu: «Komm her, dann wirst du schon sehen, was ich mit dir mache.» Die Drohungen sind so heftig, dass sie dem Schiedsrichter Angst machen. Doch damit ist die Angelegenheit für ihn noch nicht ausgestanden.
Eine belastende Zeugenaussage
Nach dem Spiel macht sich der Schiedsrichter auf den Weg zu den Garderoben. Da nähert sich ihm ein etwa 30-jähriger Spieler der bestraften Mannschaft von hinten und stösst ihn heftig gegen den Rücken. Der Angreifer droht ihm noch deutlicher:
Neun Tage später erstattet das Opfer Anzeige gegen die beiden Männer. Bei der polizeilichen Einvernahme bestreiten die beiden die Vorfälle grundsätzlich nicht, schildern diese aber anders als der Kläger. Der Vater gibt zu, den Schiedsrichter beleidigt zu haben – er bestreitet jedoch, solch grobe Schimpfwörter verwendet zu haben. Er habe ihn lediglich als «Scheissschiedsrichter» bezeichnet.
Auch der Spieler räumt ein, wütend geworden zu sein. Er bestreitet jedoch, den Schiedsrichter beleidigt, geschlagen oder bedroht zu haben. Gegenüber dem anderen Beschuldigten zeigt er sich hingegen deutlich weniger nachsichtig. So sagt er gegenüber den Ermittlern aus, er habe gehört, wie der Vater seines Teamkollegen dem Schiedsrichter zurief: «Ich mach dich fertig» und «Du wirst schon sehen, was ich mit dir mache». Eine belastende Zeugenaussage.
Die Waadtländer Staatsanwaltschaft lässt sich von den widersprüchlichen Erklärungen der beiden Männer nicht überzeugen. Die Schilderung des Schiedsrichters stuft sie hingegen als glaubwürdig ein. Beide Beschuldigten werden deshalb zu bedingten Geldstrafen und zusätzlichen Bussen verurteilt.
Damit hätte die Angelegenheit abgeschlossen sein können. Doch der Vater – der weiterhin bestreitet, die schwersten Beleidigungen ausgesprochen zu haben – erhebt Einsprache gegen seine Verurteilung. Bei einer erneuten Einvernahme durch eine Staatsanwältin versucht er, seinen Wutausbruch zu rechtfertigen. Ein bemerkenswertes Detail: Der Mann gibt an, selbst professionell im Kosovo Fussball gespielt zu haben. Die Rolle eines Schiedsrichters und die Fussballregeln dürften ihm in der Schweiz also nicht unbekannt gewesen sein.
Zudem verweist er auf sein vom Krieg geprägtes Herkunftsland, um seine übertriebene Reaktion zu erklären. Schlussendlich entschuldigt er sich aber und ändert seine Haltung. «Ich habe verstanden, wie es in der Schweiz läuft», erklärt er. Er kündigt an, seine Einsprache zurückzuziehen, und verspricht, dass so etwas nicht wieder vorkommen wird.
Drei Jahre gesperrt
Für den Spieler, der den Schiedsrichter nach der Partie angegriffen hat, bleibt es nicht bei der strafrechtlichen Verurteilung. Auf Anfrage von watson bestätigt Hicham Matni, Präsident der Schiedsrichter-Kommission des Waadtländer Fussballverbands, dass der Vorfall auch den zuständigen Instanzen des Schweizer Fussballs gemeldet wurde.
Ein kantonaler Fussballverband kann solche Vorfälle dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) mit Sitz in Bern melden. Der Fall wird anschliessend von der zuständigen Disziplinarkommission geprüft, die Sanktionen gegen den Spieler verhängen kann. Dieses Verfahren ist unabhängig vom Strafverfahren.
Der betroffene Fussballer soll eine Sperre von rund drei Jahren erhalten haben. Während dieser Zeit kann er nicht zu einer anderen Mannschaft wechseln, um dort weiterhin offizielle Spiele zu bestreiten. Hicham Matni bedauert solche Vorfälle. Er betont allerdings, dass sie gemessen an der Zahl der jährlich ausgetragenen Spiele glücklicherweise eine Ausnahme bleiben.
Dennoch gibt die Entwicklung Anlass zur Sorge. Wie die Zeitung «24 Heures» im vergangenen September berichtete, entfielen 13 der 30 schweren Vorfälle, die dem Schweizerischen Fussballverband gemeldet wurden, auf den Kanton Waadt. Das entspricht mehr als 43 Prozent aller Meldungen in der Schweiz. Hicham Matni kann sich diesen hohen Anteil nur schwer erklären. Er stellt unter anderem die Frage, wie konsequent andere Kantonalverbände solche Vorfälle melden. Weiter meint er: «Diese Ausschreitungen spiegeln auch Verhaltensweisen wider, die wir in der Gesellschaft beobachten, etwa auf der Strasse oder in der Schule.» Und:
Denn hinter der Pfeife stehen oft Fussballbegeisterte, die ihre Freizeit der Amateurszene widmen. Manche leiten nach ihrem Arbeitstag noch ein Spiel, ohne damit zu rechnen, beschimpft oder angegriffen zu werden.
watson hat den betroffenen Schiedsrichter kontaktiert, er wollte jedoch keine Fragen beantworten. Er möchte sich in den Medien nicht mehr zu diesem Vorfall äussern. Der Waadtländer Schiedsrichterchef bestätigt uns, dass der Mann von seinen Erlebnissen an jenem Samstag im Mai 2025 zwar erschüttert war, heute aber weiterhin Fussballspiele leitet.
