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Schweizer Fussball-Nachwuchs muss in der Schweiz zuschauen

Schweizer Fussball-Nachwuchs muss in der Schweiz zuschauen

Die A-Nati brilliert seit Jahren. Doch im Hintergrund ziehen düstere Wolken auf. Obwohl das Problem schon länger bekannt ist, sinkt die Einsatzzeit von Schweizer Talenten weiterhin.
22.08.2026, 09:4722.08.2026, 09:52
Sebastian Wendel, François Schmid-Bechtel / ch media

Viertelfinal an der WM 2026, Viertelfinal an der EM 2024. Davor seit 2006 und mit Ausnahme der EM 2012 an jedem Turnier in der K.-o.-Phase. Vergangenheit und Gegenwart unserer Fussballnati suggerieren: Der Schweizer Fussball ist in blendender Verfassung!

Doch schon vor zwei Jahren wurde Alarm geschlagen. Grund: die sinkende Einsatzzeit Schweizer Talente in der Super und in der Challenge League. Peter Knäbel, der heutige Verbandspräsident und ausgewiesene Kenner des Schweizer Nachwuchsfussballs, warnte im Herbst 2024 im Interview mit CH Media: «Bleibt die Spielzeit für junge Schweizer auf dem aktuell tiefen Niveau, wirkt sich das spätestens in fünf Jahren negativ auf die A-Nati aus.» Auf die konkrete Frage, ob regelmässige EM- und WM-Teilnahmen der Schweizer Nati in Gefahr seien, sagte Knäbel: «Das wäre eine logische Folge.» Und grundsätzlich: «Die Super League muss junge Schweizer Spieler ausbilden und regelmässig einsetzen, das ist alternativlos. Wer sonst sollte ein Interesse haben, Schweizer Junioren auszubilden?»

Junior Ze, front, from Switzerland play against Mattias Hellisdal, behind, from Faroe Islands, during the UEFA European Under-21 Championship 2027 Qualifying Group C soccer match between Switzerland a ...
Junior Ze (vorne) aus der Schweiz spielt gegen Mattias Hellisdal (hinten) von den Färöern.Bild: keystone

Nicht nur Knäbel, auch der Verband wies vor zwei Jahren lautstark auf den Missstand hin. Der SFV veröffentlichte eine Studie, in der die Schweiz im Vergleich mit anderen Ausbildungsländern in Europa miserabel abschnitt. In Belgien, Österreich, Kroatien und Dänemark etwa erhalten Talente früher die Gelegenheit, sich im Profifussball zu zeigen. Und aus diesen Ländern schaffen mehr Spieler, teilweise doppelt so viele, den Sprung in eine der fünf Topligen.

Als Reaktion auf den Negativtrend bildete der SFV eine Taskforce und forderte Massnahmen, um den Klubs den Einsatz einheimischer Talente wieder schmackhaft zu machen. Als Lockmittel dient Geld: Wer junge Schweizer fördert, erhält Bonuszahlungen. Ein Grossteil der Prämie wird in der Challenge League verteilt, wo einige hunderttausend Franken mehr oder weniger grossen Einfluss haben auf die Klubbudgets. Doch gewirkt hat es bislang nicht.

Mehr junge Ausländer als Schweizer

Zwar ist seither das Durchschnittsalter der eingesetzten Spieler in den Schweizer Profiligen gesunken. Jedoch nicht zugunsten der einheimischen Talente: In der Saison 2023/24 sammelten in der Challenge League Schweizer Spieler im U21-Alter oder jünger über 70'000 Einsatzminuten. In der Saison 2025/26 waren es noch 57'000. In der Super League sank der Wert von 36'000 auf 35'000. Was bedeutet: Gesamthaft betrachtet setzen die Schweizer Profiklubs lieber auf ausländische Talente.

So viel leisteten die Schweizer U21ler.
So viel leisteten die Schweizer U21ler.Bild: Quellen: sfl.ch, fotmob/Grafik: let

Auch der internationale Vergleich zeigt: Das Läuten der Alarmglocken vor zwei Jahren hat bislang nichts gebracht. Im Gegenteil: Schweden, Kroatien, Norwegen, Polen, Dänemark, Belgien, Holland, Tschechien – alles Ausbildungsländer, in deren höchsten Ligen einheimische Talente teilweise auf dreifach so viele Einsatzminuten kommen wie jene in der Schweiz.

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Bild: Quellen: sfl.ch, fotmob/Grafik: let

Bis dato hofft man beim Verband, dass durch die finanziellen Anreize und viele Gespräche bei den Schweizer Profiklubs ein gesamthaftes Umdenken stattfindet und einheimische Talente mehr Spielzeit erhalten. Die nötige Qualität für die Super League würden diese auf jeden Fall mitbringen, stellt U21-Natitrainer Alex Frei im Interview mit CH Media klar.

Doch was, wenn die Trendwende auch in den nächsten Jahren auf sich warten lässt? In Mexiko werden Klubs, die eine vorgegebene Anzahl Spielminuten für einheimische Talente nicht erreichen, mit Bussen oder sogar Punktabzug bestraft. (schweizheute.ch)

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