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Nationalrat Christoph Moergeli an einer Medienkonferenz im

Christoph Mörgeli, anlässlich einer von vielen Medienkonferenzen, die er dazu nutzte, sich für seine Entlassung an der Universität Zürich zu rächen.
Bild: KEYSTONE

So hat sich Mörgeli innert dreier Jahre ins Aus geklagt: Eine Fehdenorgie in fünf Akten

SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli ist nicht wiedergewählt worden. Die vergangenen drei Jahre hat Mörgeli vorwiegend damit verbracht, seine Privatfehden auszufechten. Für die nationale Politik blieben keine Kapazitäten.



Prolog 

Es ist der November 2011 und am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich fängt Flurin Condrau als neuer Institutsleiter an. Condrau beginnt fast unverzüglich Mörgeli zu piesacken, schreibt ihm schlechte Mitarbeiterbeurteilungen und verbietet ihm, Redemanuskripte für SVP-Exponenten im Institutsbüro zu drucken.   

Mörgeli lässt die Schikanen alle über sich ergehen. Bis er nicht mehr kann.

1. Akt: Der Universitäts-Knall

Bild

«Tages-Anzeiger» vom 11. September 2012.

Der «Tages-Anzeiger» publiziert am 11. September 2012 unter dem Titel «Leichen im Keller des Professors» den noch vertraulichen Jahresbericht des Medizinhistorischen Institutes über den schlechten Zustand des Museums und wer daran schuld hat: Museumsleiter Christoph Mörgeli.

Die Folgen sind bekannt: Mörgeli tritt auf TeleZüri zum Gegen- und Rundumschlag gegen die Universitätsverantwortlichen an – die Universität kündigt Mörgeli wegen schweren Verstosses gegen die Loyalitätspflichten. 

Mörgeli erscheint nicht zum Kündigungstermin und klagt ein erstes Mal: Gegen seine Entlassung. Der Fall liegt nun, drei Jahre später beim Verwaltungsgericht. Zwar hatte die Vorinstanz entschieden, die Entlassung sei nicht rechtmässig gewesen, aber Mörgeli ist mit seiner Abfindung von nur drei Monatslöhnen unzufrieden.  

In der Zwischenzeit bewirbt sich Mörgeli für den Posten als Rektor der Universität Zürich. Die Medienresonanz ist gross, das Unterfangen aussichtslos. 

2. Akt: Der Tamedia-Aktienkauf

Bild

«Weltwoche»-Cover vom 7. Februar 2013.  
zvg

Aussergerichtlich, aber massiv geht Mörgeli gegen den «Tages-Anzeiger»-Chefredaktor Res Strehle vor: Die SVP-nahe «Weltwoche» publiziert alte Polizeifotos Strehles und wirft ihm vor, in seinen Dreissigern Angehörige italienischer und deutscher Terrororganisationen in seiner WG beherbergt zu haben. 

Als die Berichterstattung die Position und Glaubwürdigkeit Strehles nicht im gewünschten Mass, sprich bis zu dessen Entlassung, beschädigt, kauft sich Mörgeli eine Aktie der «Tages-Anzeiger»-Herausgeberin Tamedia, um an der Generalversammlung Redezeit zu erhalten.

An der Generalversammlung der Tamedia im April 2014 fordert Christoph Mörgeli dann die Entlassung Strehles. Verwaltungsratspräsident Pietro Supino beantwortet Mörgelis Forderung abschlägig. Zahlreiche Aktionäre buhen, pfeifen und lachen Mörgeli aus. Strehle bleibt im Amt.

3. Akt: Der «Rundschau»-Skandal

Bild

Mörgeli wehrt sich im Interview mit «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz gegen Vorwürfe bezüglich seiner Vergabapraxis von Dissertationen.
screenshot youtube

Im März 2013 wirft die Sendung «Rundschau» von SRF Mörgeli vor, er habe Dissertationen für das «Abschreiben» von historischen Texten verliehen. Nach einem emotionalen Interview («Sind Sie eigetlich vom Aff bisse?») klagt Mörgeli sofort gegen die «Rundschau» und beanstandet bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) über 66 journalistisch-handwerkliche Fehler der «Rundschau». Die UBI weist Mörgelis Beschwerde ab. Mörgeli will den Fall weiterziehen ans Bundesgericht, verpasst aber die entscheidenden Fristen. 

Wiederum begleitet Mörgeli sein juristisches Vorgehen mit Berichterstattung in der «Weltwoche». Diese greift die «Rundschau»-Redaktion in mehreren Ausgaben frontal an: Der Kronzeuge der «Rundschau»-Berichte sei nicht der, für den er sich ausgebe. Die «Weltwoche»-Geschichten zielen darauf ab, die Glaubwürdigkeit der «Rundschau»-Verantwortlichen zu beschädigen. Es gelingt nicht richtig. Am Ende steht der Fall für den geneigten Medienkonsumenten unentschieden. 

4. Akt: Die Experten-Namen

Nationalrat Christoph Moergeli an einer Medienkonferenz im

Mörgeli präsentiert an einer Medienkonferenz im «Clouds» im Prime Tower in Zürich am 11. April 2013 vertrauliche Namen einer Expertenkommission. 
Bild: KEYSTONE

Im Nachgang der «Rundschau»-Geschichte untersucht eine internationale Expertenkommission die Vergabepraxis von Dissertationen am Medizinhistorischen Institut unter der Ägide Rüttimann/Mörgeli. 

Die Expertenkommission stellt Mörgeli kein gutes Zeugnis aus, gleichzeitig stuft die Universität die Namen der Verfasser und weite inhaltliche Teile des des Berichts als vertraulich ein, weshalb sich Mörgeli nicht wirklich gegen die Vorwürfe wehren kann. 

Dennoch gibt Mörgeli im April 2013 eine Pressekonferenz im Zürcher Prime Tower und präsentiert vor versammelter Medienschar auf einer Folie die Namen der Verfasser. 

Die Universität Zürich klagt nun ihrerseits gegen Mörgeli wegen Amtsgeheimnisverletzung. Eineinhalb Jahre später, im November 2014, stellt die Zürcher Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Mörgeli ein. 

5. Akt: Das Riklin-Scharmützel 

Nationalraetin Kathy Riklin auf dem Weg  zum Prozess wegen Amtsgeheimnis-verletzung ans Berner Obergericht am Dienstag, 19. Mai 201,5 in Bern. Die juristische Auseinandersetzung zwischen SVP-Nationalrat Christoph Moergeli und CVP-Nationalraetin Kathy Riklin wegen Amtsgeheimnisverletzung geht in die naechste Runde. Seit heute Dienstag ist das bernische Obergericht am Zug. In erster Instanz war Moergeli vergangenen November vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland unterlegen. Er hatte Riklin Amtsgeheimnisverletzung vorgeworfen. Die Einzelrichterin sprach die angeschuldigte Zuercher CVP-Nationalraetin von dem Vorwurf frei. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Kathy Riklin auf dem Weg zum Berner Obergericht, das sie wegen einer Amtsgeheimnisverletzung in der Causa Mörgeli schuldig spricht. 
Bild: KEYSTONE

Der besagte Expertenbericht sorgt indes noch für einen weiteren Prozess. 

Die summarischen Resultate des Berichts sollen Anfang Oktober 2013 veröffentlicht werden, aber die CVP-Nationalrätin und Universitätsrätin Kathy Riklin habe die Resultate des ihr schon bekannten Berichts in der Wandelhalle des Bundeshauses bereits Ende September gegenüber Journalisten ausgeplaudert. Das zumindest behauptet Mörgeli und verklagt Riklin wegen Amtsgeheimnisverletzung.

Zum Gaudi des Medienzirkus klagt eine Berner Staatsanwaltschaft Riklin tatsächlich an, und es folgt eine Posse über mehrere Instanzen. Zunächst spricht das Regionalgericht Bern-Mittelland Riklin vom Vorspruch der Amtsgeheimnisverletzung frei. Mörgeli rekurriert und das Berner Obergericht spricht Riklin im Mai dieses Jahres schuldig. 

Vor rund drei Wochen kündigt Riklin an, dass sie den Entscheid ans Bundesgericht weiterzieht. Fortsetzung folgt... 

Epilog: Facebook/Freundin 

fachkräfte

Dieses Bild bescherte Mörgeli die kurzzeitige Verbannung von Facebook.
Bild: twitter

Zuletzt macht Mörgeli nur noch Schlagzeilen der seichten Art. Wenn auch mitunter erfreuliche: Im Januar 2015 präsentiert der SVP-Nationalrat zur Freude des Boulevard eine 25 Jahre jüngere Freundin. 

Das letzte Aufflackern von Mörgelis Provokationslust als amtierender Politiker manifestiert sich dann in der Sperrung seines Facebook-Accounts am 1. September 2015.

Mörgeli hatte ein Bild gepostet, das die Ankunft von albanischen Flüchtlingen 1991 im Hafen von Bari zeigt. Die Beschriftung des Bildes: «Die Fachkräfte kommen». 

Am 18. Oktober erkennen die Zürcher Wählerinnen und Wähler: Christoph Mörgeli fehlen schlicht und einfach die Kapazitäten, sich seriös mit Politik zu befassen. 

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gulli 19.10.2015 14:42
    Highlight Highlight Mit Hess und Glarner hat er ja zwei "würdige" Nachfolger
    • Datsyuk * 20.10.2015 09:39
      Highlight Highlight Das habe ich mir auch gedacht. Ich freue mich schon auf die erste Rede von Erich Hess im Nationalrat.
  • Mnemonic 19.10.2015 13:32
    Highlight Highlight Mit dem Typen stimmt schlicht was nicht. Und das hat absolut nix mit der politischen Gesinnung zu tun...
  • roger.schmid 19.10.2015 12:22
    Highlight Highlight habe es damals schon geschrieben: die message der svp war klar: wer sich mit uns anlegt wird bis zum geht nicht mehr verklagt - die finanziellen mittel und die hartnäckigkeit sind grenzenlos. war sicher auch als einschüchterung an alle journalisten gedacht, die nicht nach ihrer pfeife tanzen. umso erfreulicher, dass diese taktik in die hosen ging.
  • meliert 19.10.2015 09:24
    Highlight Highlight Schadenfreude ist ein schlechte Freude, aber in diesem Fall haben wahrscheinlich nicht viele Leute Mitleid mit dem "abgwählten NR".
  • Zeit_Genosse 19.10.2015 09:20
    Highlight Highlight Wer den für die SVP relativ "sanften" Wahlkampf mit reichlichen Mitteln und bejahenden Slogans (für mehr Freiheit... statt Negativ-Karikaturen) beobachtet hat, die für die SVP "leisen", aber bestimmten Töne beim Gewinn von Sitzen und Wählerstimmen hörte, die neuen Köpfe zur Kenntnis nimmt, bemerkt, dass wir es mit einer sich wandelnden SVP zu tun haben. Wenn Sie jetzt zusätzlich einen "gemässigten" Bundesrat mit Lösungspotenzial bringen, dann werden sie nochmals zulegen und gegen die Mitte sich ausdehnen. Die SVP ist in neuen Kreisen wählbar geworden. Auch wenn das nicht allen gefällt.
    • pipapo_ 19.10.2015 11:45
      Highlight Highlight Sehr treffend beschrieben. Insbesondere im Kanton Zürich fand ein grundlegender Austausch der Mandatsträger statt, der die Analyse von Zeit_Genosse stark bestätigt... Die Bauernpartei wandelt sich zu einer zweiten FDP...
    • zombie woof 19.10.2015 16:00
      Highlight Highlight Geht auch anders, der Wolf zieht sich das Schaffell über
    • Zeit_Genosse 19.10.2015 16:32
      Highlight Highlight @zombie woof
      Wenn das Mäh zum Knurr wird.

      Die SVP versteht es Themen die Berühren so aufzugreifen, dass sie damit eine zustimmende Wählerbasis erhält, um mit der erlangten Mehrheit ihre eigentliche Politik durchzusetzen. Diese opportunistische Polittaktik geht auf. Jetzt erst recht, wo sie uns kuschelligwollig begegnet, um dann gegen Völkerrechte, Europa und Flüchtende los zu gehen. Alle anderen Themen sind Mittel zum Zweck, um Mehrheiten zu schaffen und Macht zu erlangen.
  • Bruno Wüthrich 19.10.2015 09:05
    Highlight Highlight Es war höchste Zeit, dass Christoph Mörgeli das Nationsalratsmandat los wird. Was allerdings bei so viel Medienpräsenz, die er genoss, erstaunlich ist. Seine Politik war es einzig, andere durch den Dreck zu ziehen, du diffamieren, zu diskreditieren und zu provozieren. Für die SVP war er aber eine Art Winkelried. Denn mit seiner Art zog er den Zorn der SVP-Gegner zu einem schönen Teil auf sich, was seine Partei jeweils ausnutzen konnte. Ob er die Rolle weiter spielen kann, hängt davon ab, ob die Medien mitspielen. Erhält er weiterhin so viel Präsenz, ist dies auch weitern möglich.
  • sammael 19.10.2015 08:57
    Highlight Highlight Die Abwahl von Mörgeli und Fehr ist das Beste, was der SVP passieren konnte. Und zudem sollten nun bei den linken Parteien die Alarmglocken schrillen. Es sind nämlich die SVP-Wähler, die die beiden 'Polteri' abgewählt haben (trotz hervorragenden Listenplätzen) und zugleich 'Macher und Denker' wie Köppel in Bern installiert haben. Die Wähler der SVP sind quasi erwachsen geworden und möchten statt billiger Polemik endlich Resultate und eine zielorientiert Politik in Bern sehen.
  • TheRabbit 19.10.2015 08:48
    Highlight Highlight Hochmut kommt vor dem Fall

    Schliesslich war er ja gestern in den Ferien
  • dnsd 19.10.2015 08:31
    Highlight Highlight Jöö die Linken konzentrieren sich auf ihren einzigen kleinen Sieg 😂
    • Karl33 19.10.2015 08:58
      Highlight Highlight musste ich beim hämischen tweet von spiess-hegglin in richtung mörgeli auch denken. die grüne spiess-hegglin hat offenbar die niederlage ihrer partei noch gar nicht mitbekommen.
    • Timä 19.10.2015 09:10
      Highlight Highlight und du machst wie die SVP aus dem Unwohl anderer Profit.

    • karl_e 19.10.2015 15:28
      Highlight Highlight Den Genossen Jositsch hast Du schon vergessen? Aber, aber!
  • unclegreg 19.10.2015 08:31
    Highlight Highlight Ende gut, alles gut.

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