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Besonders dank des Wintersports ist der Schweizer Sportmarkt im ersten Halbjahr 2019 gewachsen. (Symbolbild)

Trotz Corona soll auch Liftfahren möglich sein. In der Branche sind kreative Ideen gefragt Bild: AP

Winterschal statt Wegwerf-Maske – wie ein Bündner Start-up den Wintersport retten will

Um winterliche Albträume zu vermeiden: Graubünden entwickelt eine Maske, die als Nackenwärmer daherkommt.

niklaus vontobel



Im Winter treibt die Kälte die Menschen nach drinnen. Doch in Coronazeiten lauert dort eine viel höhere Ansteckungsgefahr. Dennoch will der Tourismus die Winterfreude retten und so auch die eigene Rentabilität. Dieser Push für Spass und Geld wird Applaus von allen Seiten erhalten. Vor allem, wenn dank Witz und Technik alle etwas davon haben – und niemand verzichten muss. Doch das wird nicht immer möglich sein.

Eine Idee könnte helfen: Eine Maske, die als Nackenwärmer daherkommt, aber alle Sicherheitskriterien erfüllt, welche die Covid-19-Taskforce vorgibt. Die Maske sollte als Kultobjekt taugen. Man sollte sie nicht tragen müssen, sondern tragen wollen. Das waren die Vorgaben, die das Start-up Muntagnard am 17. Juli erhielt. Ein Konzept musste her, ein Hersteller und eine Fabrik. Ein halbes Jahr verschlingt so etwas sonst. Muntagnard bekam vom Kanton Graubünden 13 Tage.

Produktion der Maske muss rasch beginnen

Heute ist das Ziel fast erreicht, doch die Zeit wird knapp. Ein Prototyp des Maskenschals hat alle drei Test bestanden bei der Testanstalt SQTS, die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) anerkannt ist. Er darf nun für sich reklamieren, einem von drei BAG-Maskentypen zu entsprechen: der industriell gefertigten Textilmaske, auch Community Mask genannt.

Dieser Typ wird auch von der Taskforce empfohlen. Danach erhielt der Maskenschal ein neues Design und wurde erneut zum Test geschickt. Muntagnard-Gründer Dario Pirovino sagt: «Wir sehen keinen Grund, warum die neue Variante die Tests nicht ebenfalls bestehen sollte.»

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Prototyp des neuen Schutz-Schals. bild: Muntagnard

Weniger Stress am Lift

Soweit, so schnell. Doch der Winter ist nah. Ehe die Maschinen starten, muss das Garn da sein. Läuft es dumm, vergehen Wochen. Damit die Maske zum Saisonstart da ist, so Pirovino, müsse die Produktion so schnell wie möglich gestartet werden. Interessiert an der Maske sind Bergbahnen, die sie den Käufern von Jahreskarten schenken oder verbilligt zur Tageskarte geben.

Noch muss sich der Maskenschal bewähren. Derzeit scheint er ein Beispiel dafür zu sein, wie Menschen ihren Spielraum erweitern im Kampf gegen Seuchen. Der Maskenschal könnte mehrere Winteralbträume verhindern helfen: Dass sich das Virus in den Skigebieten verbreitet. Dass die Berge bald übersät sind von Wegwerfmasken. Denn der Maskenschal lässt sich waschen und wiederverwenden. Dass Skifahrer entnervt sind von überbordender Komplexität am Lift: Maske hinter den Ohren befestigen, mit Stöcken und Handschuhen hantieren, Kindern helfen, Skikarte hervorkramen.

Stadthotels brechen die Logiernächte weg

Anderswo bleibt der Spielraum beschränkt. Ein Konflikt zeigt sich etwa in Zürich. Eine IG Innenstadt lehnt es ab, der Gastronomie mit weiteren Lockerungen zu helfen. Die Bewohner hätten schon stark darunter gelitten, dass Restaurants seit Mai draussen mehr Fläche nutzen dürften. Man könne nicht mehr schlafen, auf den Trottoirs sei kein Durchkommen.

Falls nun für den Winter noch Festzelte und Heizpilze erlaubt würden, wehre man sich. Die Geduld scheint sich im Coronasommer aufgebraucht zu haben. Ein Sprecher sagt:

«Auf die Quartierbewohner wird null Rücksicht genommen.»

Die Gemüter sind bei der Gegenseite ähnlich gereizt. Die Marketing-Organisation Schweiz Tourismus, sonst zuständig für die schönen Seiten der Schweiz, warnte Ende Woche:

«Städte mit dem Rücken zur Wand. Drastische Massnahmen gefordert.»

Lädele müsse im Winter sonntags erlaubt sein. Sonst sehe es schwarz aus. Der schrille Ton erklärt sich mit neuen Logiernächtezahlen. Städte hatten im Juli grosse Einbussen. Basel verlor fast 60 Prozent, Zürich gar 70.

Immerhin gibt es kleine Kniffs und Tricks, die oft grosse Wirkung entfalten. Bergbahnen schaffen drinnen etwas mehr Platz für Tische und Stühle, indem sie Pistenfahrzeuge aus dem Schuppen holen. Outdoor-Barbecue wird geboten. Plexiglastrennwände kommen elegant daher. In Graubünden wird Restaurants geholfen, damit die Gäste künftig online reservieren können und sie ihre Räume besser nutzen.

Mehr machen mit weniger Raum – dieses Grundproblem prägt den Coronawinter. Im Allgemeinen wie im Konkreten: etwa in Wellnessanlagen. Hoteliers beschränken den Zugang, pochen auf Reservationen. Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse, sagt, derlei werde recht viel Zeit beanspruchen, am Ende sei womöglich der Gast doch verärgert.

«Es wird in diesem Coronawinter vor allem viel Fingerspitzengefühl brauchen.»

Mehr zur Corona-Krise:

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • flospili 05.09.2020 22:41
    Highlight Highlight So Schals gibt es bei Urbandoo aber schon länger... und dann auch noch mit einem FFP Filter!
  • Noblesse 05.09.2020 22:39
    Highlight Highlight Es sind ja Schnelltests von Roche im Anmarsch. Alle unten testen. 15' später ein Resultat und dann a) ab nach Hause oder b) auf die Piste!!!
  • balkenbieger 05.09.2020 17:30
    Highlight Highlight Winterschal, habe erst Winterschlaf gelesen. Winterschlaf das wäre durchaus eine Option für den kommenden Winter.
  • tolgito 05.09.2020 17:20
    Highlight Highlight Sorry, aber diese Dinger haben dann maximal eine 80% Abwehrquote bei Aerosolen. Wenn es dann eng wird in der Luftseilbahn nützt es noch viel weniger.
    • 54er 05.09.2020 22:12
      Highlight Highlight @tolgito
      Beweise/Quellen ?
    • Felix Meyer 06.09.2020 01:13
      Highlight Highlight Besser als die zum 10. Mal wiederverwendete oder unter der Nase getragene Einwegmaske werden sie ja wohl sein.
    • tolgito 06.09.2020 11:29
      Highlight Highlight @54 weil die beste als Community Mask geltende Maske eine 80% Abwehrquote hat gemäss dem beobachter.ch. Kannst ja gerne den Maskentest nachlesen. Daher kann es nicht mehr als 80% sein
  • Zeit_Genosse 05.09.2020 17:15
    Highlight Highlight Ok, ist gut wenn Innovation stattfindet. Doch wie und wo wird der Schal getragen? Denn die poteziellen Viren werden in den Schal geatmet. Wenn man jetzt im Restaurant, Seilbahn, WC usw. den Schal abzieht oder zurechtrückt, sogar ausschüttelt, da er sich verdreht hat, hat man eine Virenschleuder. In einer perfekten Welt können Menschen damit umgehen. Wir sehen wie das heute läuft un wie ständig mit den Händen daran herumgezupft wird und die Viren über die Hände weitergehen. Jnd die Masken überall offen herumhängen. Wir haben in der Firma extra deckeldichte Eimer für die Entsorgung.
    • Phrosch 05.09.2020 18:57
      Highlight Highlight Zudem müsste man für eine Woche Winterferien 7 solche Schals haben, da man wohl kaum das Ding täglich bei mindestens 60 Grad waschen kann. Das dürfte dann eine Frage des Preises werden.
    • TrustIssues 06.09.2020 08:37
      Highlight Highlight Es geht ja bei all diesen Lösungen nicht um den Schutz, sondern um die Einhaltung der gesetzlichen Normen.... und dass diese beiden Sachen nicht ganz identisch sind, verkennen leider viele.

      Jäno...lieber eine minimale Lösung die nicht perfekt ist, als gar nichts.

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