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Katar-Scheichs in Schweiz aktiv – Kaffee und Schnaps mit SVP-Büchel

Katar-Scheichs auch in der Schweiz aktiv – Kaffee und Schnaps mit SVP-Büchel

Im Zug der Bestechungsaffäre Katar-Gate in Brüssel fragt sich: Hantieren die Scheichs auch in der Schweiz mit Säcken voller Geld und ähnlichen Methoden?
13.12.2022, 11:53
Henry Habegger / ch media
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In this photo provided by the European Parliament, Greek politician and European Parliament Vice-President Eva Kaili speaks during the European Book Prize award ceremony in Brussels, Dec. 7, 2022. The ...
Der Fall Kaili erschüttert die EU.Bild: keystone

Vom Weltfussballverband Fifa wollte CH Media Anfang November wissen: Was geschieht mit Geschenken wie den Rolex-Uhren, die Fifa-Vertreter anscheinend von Katar erhalten? Dürfen die Fifa-Angehörigen sie behalten? Wie wird das kontrolliert? Gibt es eine Meldepflicht? Die Fifa, deren Präsident Gianni Infantino seit Monaten in Katar lebt, schwieg auf die Anfrage – wie so oft. So bleibt offen, ob irgendwer im Auge hat, wer in Doha was erhält.

Auslöser waren Recherchen des deutschen Fernsehens ZDF. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge erhielt 2013 auf einer Katar-Reise zwei Rolex-Uhren geschenkt, die der deutsche Zoll in seinem Gepäck fand. Rummenigge wurde in der Folge mit 250'000 Euro Strafe belegt. Während er angab, die Uhren von einem Freund erhalten zu haben, sagte ein Informant dem ZDF, es habe sich um Geschenke Katars gehandelt. Rummenigge wurde jedenfalls nach dieser Reise vom Kritiker zum Befürworter der WM im Winter.

An solche Vorgänge erinnert jetzt der Brüsseler «Katar-Gate». Die Scheichs sollen Politiker mit Geld und Geschenken bestochen haben, um Einfluss auf Entscheidungen wie Visa-Erleichterungen des EU-Parlaments zu nehmen; die Rede ist von «bandenmässiger Korruption und Geldwäsche».

Im Zentrum steht die griechische Sozialdemokratin Eva Kaili (44), Vize-Präsidentin des Europaparlaments, die den Wüstenstaat nach einer Katar-Reise kürzlich bim EU-Parlament als «Vorreiter bei Arbeitnehmerrechten» bezeichnete. Sie wurde von der belgischen Polizei festgenommen; 600'000 Euro Bargeld wurden beschlagnahmt. Verhaftet wurden auch vier Italiener, unter ihnen Kailis Lebensgefährte. Aber auch Luca Visentini (53), seit November Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes.

Für Rita Schiavi war die WM «ein gewaltiger Hebel», um die Situation der Arbeitsmigranten zu verbessern.
Rita SchiaviBild: Alex Spichale

Vom internationalen Gewerkschaftsboss Visentini ist es naturgemäss nicht weit zu Rita Schiavi (67), die als Schweizer Vertreterin in der internationalen Bau- und Holzarbeitergewerkschaft über Jahre hinweg Baustellen in Katar inspizierte. Sie äusserte sich zuletzt wiederholt vergleichsweise wohlwollend zur Entwicklung in Katar.

Auf Anfrage von CH Media wollte sie am Montag zu «Katar-Gate» keine Stellungnahme abgeben. Sie sagt, sie selbst habe von Katar nie Zuwendungen erhalten. Im Gegenteil, sie habe für ihre Reisen viel Geld ausgegeben.

Sack voller Geld? Muslimischer Botschafter zahlte immerhin den Schnaps

Hantieren die Scheichs in der Schweiz mit Säcken voller Geld? Einer, der die WM in Katar zuletzt immer wieder verteidigte, ist der Fifa-nahe Nationalrat Roland Büchel (SVP, SG). Auf die Frage, ob er von Katar angegangen worden sei, sagt er: «Der Botschafter Katars hat sich meines Wissens mit verschiedenen Vertretern aller Parteien getroffen – ein paar Mal wird es auf ein Mittagessen, ein paar Mal auf einen Kaffee gewesen sein. Ich gehe davon aus, dass er jeweils die Rechnung bezahlt hat.»

Roland Rino Buechel (SVP-SG) spricht im Nationalrat, waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 15. Dezember 2016, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Roland BüchelBild: KEYSTONE

In seinem eigenen Fall sei das so gewesen: «Bei einem Treffen mit dem katarischen Botschafter im Restaurant des Bundeshauses hat er mir den doppelten Espresso und den Grappa bezahlt.» Was «Katar-Gate» angehe, könne er sich auf Anhieb «keinen Reim darauf machen, wo bei einer derartigen Aktion ein möglicher Nutzen für Katar liegen sollte».

Katar ist wie andere autoritäre Staaten laufend daran, mit Geld und Geschenken Einfluss auf demokratische Entscheidungen zu nehmen. Die milliardenschweren Kulissenschieber vom Golf haben zudem auch in der Schweiz viel Geld investiert. Nicht nur in Banken, Rohstoffhändler, Luxushotels. Sondern auch in PR-Aktionen, in Beziehungspflege und mutmassliche in Spionage- und Hacking-Aktivitäten. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ist hier offensichtlich am Abklären.

Die kosmetischen Arbeiten am Ruf der Scheichs laufen schon seit Jahren. So legten sich bereits 2008 zwei Genfer FDP-Nationalräte für Katar ins Zeug. Hugues Hiltpold und Mitunterzeichner Christian Lüscher wollten vom Bundesrat wissen, ob er nicht in Doha eine Schweizer Botschaft eröffnen wolle. «In Katar findet seit einem Jahrzehnt ein Demokratisierungsprozess statt», so die Genfer.

Wenn sich etwas mit Sicherheit sagen lässt: Von einer Demokratie ist der autoritäre Wüstenstaat weit entfernt.

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64 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Raembe
13.12.2022 12:18registriert April 2014
Wieso wundert es mich nicht, das die Kataris sich an einen SVP-Politiker gewendet haben...
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Sanvean
13.12.2022 12:57registriert Mai 2022
Es würde mich eher erstaunen wenn Sie es nicht tun würden.
Anstand und Moral werden hierzulande gern mal vergessen,wenn jemand mit Geld winkt.🤷‍♀️
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Posersalami
13.12.2022 14:06registriert September 2016
«keinen Reim darauf machen, wo bei einer derartigen Aktion ein möglicher Nutzen für Katar liegen sollte"

Wer sich so dumm stellt, hat ganz sicher was zu verbergen. Da müsste jetzt der NDB aktiv werden.
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