Schweiz
Wirtschaft

St. Galler Stausee liegt wegen Rechtsstreits seit über einem Jahr still

St. Galler Stausee liegt seit einem Jahr still – wegen eines Rechtsstreits

12.01.2023, 08:4612.01.2023, 13:05
Mehr «Schweiz»
Stausee Chapfensee
Im Hintergrund zu sehen: die Staumauer des Chapfensees.bild: wikipedia

Gerade jetzt, wo manche von einer Energiekrise sprechen: Seit über einem Jahr produziert der Chapfensee nahe Sargans keinen Strom mehr. Eine Druckleitung ist kaputt, und Betreiber und Handwerker können sich bei der Reparatur nicht einigen. Das Kraftwerk muss nun den Strom teuer einkaufen und schreibt mehrere Millionen Franken Verlust.

Das viertgrösste Kraftwerk des Kantons St. Gallen wurde 1948 in Betrieb genommen und 2018 saniert. Nach der Sanierung wurde festgestellt, dass eine Druckleitung, die das Wasser zur Turbine bringt, defekt ist. Somit ist das Kraftwerk nicht betriebsbereit und steht darum still, doch für die Reparatur aufkommen will niemand. Die Anwälte der betroffenen Unternehmen sowie des Betreibers liegen sich seitdem in den Haaren, mittlerweile liegt der Fall vor dem Handelsgericht.

Warum repariert man nicht einfach und regelt die Finanzierung im Nachhinein? Markus Zai, Geschäftsleiter des Elektrizitätswerk Mels, erklärt sich gegenüber dem SRF:

«Das Elektrizitätswerk kann die Leitung nicht selbst reparieren, weil sonst die Mängelrechtsgarantie verfällt.»
Markus Zai, Geschäftsführer Elektrizitätswerk Mels

Es ginge auch um Beweise für den Rechtsstreit, die man mit einer Reparatur vernichten würde. Glücklich mit der Situation ist niemand (ausser wohl die Anwälte), auch nicht die Naturschützer. Corina Del Fabro, Geschäftsleiterin Pro Natura, ist empört: «In der drohenden Energiekrise will man Solar- und Windkraftanlagen in national bedeutende Landschaften bauen. Hier hat man eine Infrastruktur und nutzt sie nicht.» Sie fordert als Sofortmassnahme einen Kredit vom Kanton (oder gar vom Bund), der die Kosten übernehme, die Finanzierung könne man ja im Nachhinein ausdiskutieren.

«Der Kanton», oder besser gesagt der Leiter Wasserkraft des Kantons St. Gallen, winkt ab, wie das SRF berichtet. Man habe keine Kasse für solche Vorhaben. Ausserdem ginge es hier um einen privatrechtlichen Streit, in den sich der Kanton nicht einmischen darf.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
38 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Radio Eriwan - mit Echtheitszertifikat
12.01.2023 11:32registriert November 2020
Das mit dem Verfall der Mängelgarantie ist korrekt. Doch im ganzen Vorgang sehr Merkwürdig: wozu lange streiten anstatt beim Gericht eine vorsorgliche Beweisaufnahme einzuleiten und dann als Eigentümer auf eigene Rechnung die nötigen Reparaturen beginnen?
Ein bei beschädigten Infrastrukturen üblicher Vorgang, damit weiterer Schaden abgewendet wird und das Objekt wieder raschmöglichst genutzt werden kann. (Brückenauflager im Strassenverkehr, heruntergefallende Deckenverkleidungen im Hallenbad,...)
481
Melden
Zum Kommentar
avatar
Lai Nair
12.01.2023 09:55registriert Dezember 2016
es kann doch nicht sein, dass sich zwei "Anwälte" auf Kosten der Gemeinde dumm und dämlich verdiernen und sich dabei auch noch ins Fäustchen lachen.
403
Melden
Zum Kommentar
avatar
Yakari9
12.01.2023 10:00registriert Februar 2016
Schöne Klammerbemerkung "(ausser wohl die Anwälte)".
360
Melden
Zum Kommentar
38
Werden diese Sommerferien zur Preishölle? Die wichtigsten Fragen und Antworten
In vielen Kantonen beginnen dieser Tage die Sommerferien. Die Buchungen erreichen bei Airlines und Hotels vielerorts wieder das Vor-Corona-Niveau. Die Rechnung hingegen dürfte für die Ferien höher ausfallen - aus unterschiedlichen Gründen.

Die Sommerferien sind bald da. Sie locken mit Sonne, Meer, Bergen, gutem Essen - und viel Erholung. Aber sie dürften heuer deutlich teurer werden. Der Hauptgrund ist die massive Teuerung der vergangenen Jahre, die sich nun in den beliebten Feriendestinationen bemerkbar macht. Etwa in Frankreich, Spanien oder Italien. Das macht alles kostspieliger - die Reise, das Hotel und die Ausgaben vor Ort. Verstärkt wird der Preisschub durch die nach Corona anhaltend hohe Nachfrage nach Ferien. Auch in der Schweiz.

Zur Story