Am Freitagabend beginnt die neue NHL-Saison – und zwar in Europa. In Prag treffen die New Jersey Devils auf die Buffalo Sabres. Das Team mit Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler hat mit Blick auf das letzte Jahr einiges gutzumachen. Wir analysieren die Situation aller Schweizer Söldner in der National Hockey League vor dem Start der neuen Saison.
Eine neue Ära beginnt bei den Nashville Predators. Nachdem man zuletzt das Gefühl hatte, die Mannschaft wird eigentlich nur noch von Roman Josi, Stürmer Filip Forsberg und Goalie Juuse Saros über Wasser gehalten, ist ab diesem Sommer vieles anders.
General Manager Barry Trotz hat mächtig aufgerüstet. Von den Tampa Bay Lightning kam Superstar Steven Stamkos. Von den Vegas Golden Knights unterschrieb Stürmer Jonathan Marchessault, der 2023 beim Cup der Golden Knights zum Playoff-MVP gewählt wurde. Und auch die Verteidigung erhielt mit Brady Skjei (von den Carolina Hurricanes) weitere Verstärkung. Kein Wunder, sagt Josi, dass die Vorfreude innerhalb der Mannschaft gross sei. Er warnt aber auch: «Die Verstärkungen sind vorerst nur auf dem Papier. Jetzt müssen wir es auch aufs Eis bringen.»
#Preds captain Roman Josi on excitement around start of training camp with new additions. @NC5 pic.twitter.com/kXPsHOqNYE
— Steve Layman (@SteveLayman) September 19, 2024
Und was bringt Josi aufs Eis? Wie immer viel offensive Power. Der Schweizer ist und bleibt einer der besten Offensivverteidiger der Welt. Kein Verteidiger ist besser in der Transition von Defensive zu Angriff. Kaum einer hat in der offensiven Zone so oft die Scheibe wie Josi. Und der 34-Jährige weiss mit dem Scheibenbesitz auch etwas anzufangen. Er wirbelt die gegnerischen Reihen mit seinem Skating durcheinander, schiesst Tore und gibt Assists.
Wie gut Kevin Fiala ist, zeigt sich an der Tatsache, dass die «nur» 73 Skorerpunkte aus 82 Spielen letzte Saison fast schon eine leise Enttäuschung waren. Der Ostschweizer fand nie die gleiche Konstanz, die man sich zuletzt von ihm so gewohnt war. Das hatte aber guten Grund: Er erwartete mit Frau Jessica sein erstes Kind – verständlich, dass da die Gedanken teils anderswo sind.
Nun ist Töchterchen Masie-Mae auf der Welt, und wie viel Lust auf Hockey er hat, hat Fiala schon gezeigt, indem er quasi direkt nach der Geburt an die WM in Prag flog. Ähnlich motiviert wird er auch in der neuen NHL-Saison sein.
Letzte Saison sahen wir zwar nicht den erfolgreichsten, aber vermutlich den komplettesten Kevin Fiala seiner bisherigen Karriere. Bislang kaum gerühmt für seine defensiven Qualitäten, zeigte der 28-Jährige im vergangenen Jahr, dass er auch das kann. Mit seinem starken Skating und seiner offensichtlichen Spielintelligenz schaffte es Fiala immer wieder, gegnerische Angriffe auszubremsen. Ende Februar gab es dafür Sonderlob von Trainer Jim Hiller: «Er spielt so gut wie noch nie – auch defensiv.» Trotzdem bleibt Fialas grosse Aufgabe bei Los Angeles die Punkteproduktion – seine dynamische und explosive Spielweise hat ihn so zu einem Publikumsliebling gemacht.
Kevin Fiala as a King:
— StatMuse Hockey (@statmusehockey) September 12, 2024
— 151 games
— 52 goals
— 145 points
— 17:50 TOI/GP
Leading the Kings in scoring since his debut. pic.twitter.com/H1zv6tGRL6
Die New Jersey Devils blicken auf eine enttäuschende Saison zurück. Nachdem sie 2023 noch eine Playoff-Serie gegen die Erzrivalen der New York Rangers gewonnen hatten, verpassten sie im letzten Frühjahr die Playoffs komplett. Die Gründe waren vielschichtig: schlechtes Coaching, schwache Torhüter, Verletzungspech und Stars, die unter den Erwartungen blieben.
Auch Captain Nico Hischier fehlte im Verlauf der Saison während elf Spielen. Trotzdem kam er am Ende auf respektable 67 Punkte in 71 Partien – also fast ein Punkt pro Spiel. Trotzdem gab es auch beim Walliser Kritikpunkte: Er konnte seinem Ruf als einer der besten Defensivstürmer der Liga nicht gerecht werden.
Mit Hischier auf dem Eis liessen die Devils deutlich mehr gegnerische Tore und Chancen zu als noch im Vorjahr. Es sieht so aus, als hätte sich New Jersey auf dem Papier gut verstärkt. Aber um zurück in die Playoffs zu kommen, braucht es einen Nico Hischier, der wieder Selke-Kandidat ist.
Timo Meier blickt auf eine ziemliche Seuchensaison zurück. Auf den ersten Blick hat er zwar «nur» 14 von 82 Spielen verpasst, doch die Verletzungsbilanz Ende Saison hatte es in sich. Der Appenzeller spielte mit Verletzungen der Seitenbänder in beiden Knien sowie in der Bauchmuskulatur. Im Frühling unterzog er sich zudem einer Schulteroperation, weshalb er auf die WM in Tschechien verzichten musste. Dass er am Ende trotz all dieser Mühen knapp 30 Tore schoss, ist fast unglaublich.
Nun ist Meier wieder gesund, er liess es aber im Trainingscamp der Devils langsam angehen und trainierte lange nur mit, ohne bei Testspielen aufzulaufen. New Jersey braucht ihn aber auch erst in Prag, wenn es richtig losgeht. Dort soll Meier endlich zeigen, was er drauf hat, wenn er vollends gesund ist.
Das bedeutet: viele Tore schiessen und eine physische Komponente ins Spiel bringen. Meier lief es schon deutlich besser, nachdem Trainer Lindy Ruff entlassen wurde und er nicht mehr an die dritte Linie und die für ihn weniger gute Flügelseite gefesselt war. Vieles deutet darauf hin, dass er zum Saisonstart nochmals an der Seite von Jack Hughes getestet wird. Gegen Ende der letzten Saison hat er aber eigentlich an der Seite von Nico Hischier besser funktioniert.
Mit 32 Jahren befindet sich Nino Niederreiter definitiv im Herbst seiner NHL-Karriere. Zumal er wie Timo Meier eigentlich ein begnadeter Powerstürmer ist und deren Spielzeit aufgrund der physischen Belastung eher noch etwas kürzer bemessen ist. Ebenfalls auffallend: In den letzten zwei Jahren ist die Punkteproduktion des Churers bei 5-gegen-5 stets geschrumpft, ohne dass sich seine Eiszeit stark verändert hätte.
Grundsätzlich hat Niederreiter die Zeichen der Zeit erkannt: Er fokussiert sich in seinem Sommertraining viel mehr auf Tempo und Beweglichkeit, ganz den Anforderungen der heutigen NHL entsprechend. Trotzdem kam der Churer in den letzten Jahren zumeist nur noch in der dritten Linie zum Einsatz. Das ist auch in Winnipeg nicht anders, doch dort wird er für seine Arbeit als defensiv verlässlicher Energiespieler geschätzt.
Pius Suter war letzte Saison ein Teil von Vancouvers Erfolgsgeschichte (Division-Sieger und Conference-Halbfinal) und möchte das dieses Jahr wiederholen. Phasenweise und gar in den Playoffs kam der Zürcher auf dem Flügel an der Seite von Top-Center Elias Pettersson zum Einsatz. Zwischendurch kämpfte er aber auch mit Verletzungen. Für die neue Saison plant Trainer Rock Tocchet wieder mit Suter in der Mitte – vermutlich in der dritten oder vierten Linie.
Rick Tocchet on Pius Suter: Right now, he'll be a centre for us. He's a smart guy. We need that up the middle hockey IQ, and he has that. #Canucks @Sportsnet650
— Brendan Batchelor (@BatchHockey) September 18, 2024
Das grosse Plus von Pius Suter ist seine Flexibilität. Der 28-Jährige kann Center und Flügel spielen. Er hat letzte Saison bewiesen, dass er bei Bedarf auch in den vorderen Linien aushelfen und produzieren kann. Der Zürcher spielt aber auch intelligent und defensiv gut genug für die Rolle in den hinteren Sturmlinien. Er ist ein begnadeter Penalty-Killer und kann auch im Powerplay eine Rolle übernehmen.
Die letzte Saison von Jonas Siegenthaler war die schwierigste, seit er bei den New Jersey Devils ist. Der Zürcher Verteidiger fiel einen signifikanten Teil der Saison mit einer Gehirnerschütterung aus. Es gelang ihm aber auch davor und danach nicht wie gewohnt, die gegnerischen Angreifer am Abschluss zu hindern. Spätestens nachdem sein Verteidigungspartner Dougie Hamilton für den Rest der Saison ausgefallen war, war auch Siegenthaler wie von der Rolle.
Die Statistik ist gnadenlos: New Jersey liess vergangene Saison mit Siegenthaler auf dem Eis deutlich mehr gefährliche gegnerische Schüsse und Chancen zu. Dabei wäre das Verhindern dieser eigentlich die grosse Stärke des Schweizer Verteidigers.
Es scheint, als würde Siegenthaler zu Beginn der Saison nochmals die Chance erhalten, sich an der Seite von Dougie Hamilton zu beweisen. Doch der 27-Jährige muss dringend seine alte Form wiederfinden, ansonsten wird er in seiner Position rasch vom jüngeren Simon Nemec verdrängt.
Philipp Kurashev blickt auf seine mit Abstand beste NHL-Saison zurück. Beinahe 20 Tore und über 50 Punkte – der Berner ist regelrecht explodiert. Das lag auch an der Tatsache, dass der Stürmer einen grossen Teil der Saison an der Seite von Supertalent Connor Bedard spielen durfte. Die beiden harmonierten hervorragend und waren einer der wenigen Lichtblicke in Chicagos letzter Saison.
Nun sieht es aber so aus, als würde das Erfolgsduo auf diese Saison hin wieder getrennt. Der Grund: Die Blackhawks haben sich verstärkt mit Tyler Bertuzzi, Tuevo Teräväinen und Ilya Mikheyev. So wird Bedard neu als Center für Bertuzzi und Taylor Hall geführt. Kurashev soll dagegen die Linie mit Teräväinen und Lukas Reichel anführen.
Neues Team, neue Aufgaben. Janis Moser hat den Umzug von Arizona nach Utah nicht mitgemacht, sondern wurde im vergangenen Sommer per Trade zu den Tampa Bay Lightning geschickt. Ein massiver Szenenwechsel vom Problemteam der Coyotes zu einer der besten Mannschaften der jüngeren Vergangenheit. Hier hat Moser beste Chancen, erstmals in seiner Nordamerika-Karriere Playoffs zu spielen.
Der Bieler Verteidiger hat letzte Saison zum ersten Mal in seiner NHL-Karriere keinen Schritt mehr nach vorne gemacht – zumindest was die Punkteproduktion angeht. Das ist aber auch einigermassen erklärbar, kam Moser letzte Saison in Arizona deutlich weniger im Powerplay zum Einsatz als noch im Vorjahr. Dafür ist der Schweizer defensiv noch einmal stabiler geworden. Powerplay-Zeit wird Moser in Tampa Bay kaum mehr kriegen, doch es scheint, als dürfte er die Saison bei 5-gegen-5 im ersten Verteidigerpaar an der Seite von Superstar Victor Hedman beginnen.
JJ Moser mit lobenden Worten über seinen neuen Kapitän bei den Tampa Bay Lightning! ⚡
— NHL Deutsch (@NHLde) September 24, 2024
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Die Situation von Akira Schmid hat sich auch nach einem Trade nicht wirklich verbessert. Bei den New Jersey Devils wäre der Berner Torhüter hinter Jacob Markström und Jake Allen höchstens die Nummer drei gewesen. Nun steht Schmid bei den Vegas Golden Knights unter Vertrag und ist dort hinter Adin Hill und Alya Samsonov ebenfalls nur die Nummer 3.
Vieles deutet darauf hin, dass der 24-Jährige die Saison in der AHL bei den Henderson Silver Knights beginnt. Die Golden Knights sind allerdings dafür bekannt, jede Saison deutlich mehr als zwei Torhüter zu brauchen. Sollten Hill oder Samsonov ausfallen oder schwächeln, dann wäre Schmid an der Reihe. Erhält der Schweizer eine Chance in der NHL, muss er aber besser spielen als noch vergangene Saison in New Jersey und eher an seine Leistungen an der WM in Tschechien anknüpfen.
#akiraschmid City National Arena 9/30/2024 pic.twitter.com/Jr5S9qcFhE
— 🏆-VGK goalie girl🏒Stanley Cup Champs (@VGKgoaliegirl) October 1, 2024
Schon letzte Saison prognostizierten wir, dass Bichsel erstmals NHL-Luft schnuppern würde, und lagen damit daneben. Der Oltner Verteidiger spielte nur einen Teil der Saison in der AHL und setzte dann auf eine Rückkehr nach Schweden. Dort war er ein grosser Teil des überraschenden Playoff-Runs von Rögle, der mit einer Finalniederlage endete.
Lian Bichsel again levering defensive movement and physicality into a counterattack. pic.twitter.com/r4BELYxdHy
— David Castillo (@DavidCastilloAC) September 28, 2024
Nun ist er zurück in Dallas und begeistert in den Testspielen die Fans der Stars mit seiner physischen Spielweise. Vermutlich besteht sein Team diese Saison darauf, dass Bichsel in Nordamerika bleibt. Sein Problem: Die Dallas Stars sind in der Verteidigung ziemlich stark besetzt und Trainer Peter DeBoer ist keiner, der gerne auf unerfahrene Youngster setzt. Sollte es aber zu Verletzungen kommen, dürfte der Schweizer trotzdem Einsatzminuten erhalten. Und wer weiss, vielleicht darf er nach den guten Tests in den ersten neun Partien der Saison ja bereits einmal etwas schnuppern.
Letzte Saison hexte Connor Hughes Lausanne bis auf einen Sieg an den Meistertitel. Danach erhielt er – trotzdem etwas überraschend – ein Angebot von den Montreal Canadiens. Nach Ludovic Waeber letzte Saison (erfolglos) versucht nun also ein weiterer Schweizer Goalie in der NHL Fuss zu fassen. In der Vorbereitung durfte Hughes ein halbes Spiel absolvieren, und hielt in den 30 Minuten 13 von 13 Schüssen. Wenig später wurde er zum AHL-Team der Laval Rocket geschickt. Die Chance auf NHL-Spiele ist aber noch nicht gestorben. Die Montreal Canadiens hatten in den letzten Jahren viel Verletzungspech. Sollten Sam Montembeault oder Cayden Primeau ausfallen, wäre Hughes wohl einer der ersten Ersatzmänner zwischen den Pfosten.
Les Canadiens ont procédé à une vague de retranchements samedi soir après leur défaite face aux Leafs!
— RDS (@RDSca) September 29, 2024
Ils rejoindront le camp d'entraînement du Rocket de Laval!
*Les gardiens Luke Cavallin, Hunter Jones et Connor Hughes sont aussi retranchés.https://t.co/SXWUnJVMpY pic.twitter.com/PnipaEF64d
Rodwin Dionicio wurde 2023 von den Anaheim Ducks in der 5. Runde gedraftet. Für diese Saison unterschrieb der U20-Nationalverteidiger eigentlich beim EHC Biel, doch es scheint derzeit wahrscheinlicher, dass er sein Glück in Nordamerika versucht. Auch Dionicio war in den Testspielen auffällig, doch bevor er eine echte Chance in der NHL erhält, muss er sich wohl noch in der AHL seine Sporen abverdienen.
The Anaheim Ducks have assigned G Vyacheslav Buteyets, D Rodwin Dionicio, LW Pavol Regenda, and D Noah Warren to San Diego (AHL).
— Around The Horn Hockey (@ATHornHockey) October 1, 2024
Additionally, the Ducks have released C Ryan Carpenter and LW Boris Katchouk from their professional try-outs (PTOs).#FlyTogether