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NHL mit Hischier, Meier, Josi und Co: Das kannst du 2024/25 erwarten

Revanche der Swiss Devils? Was du diese Saison von den NHL-Schweizern wie Nico Hischier und Timo Meier erwarten kannst
Timo Meier und Nico Hischier wollen die Devils zurück in die Playoffs führen.Bild: imago, shutterstock; montage watson
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Revanche der Swiss Devils? Was du diese Saison von den NHL-Schweizern erwarten kannst

Am Freitag beginnt die neue NHL-Saison. Neun Schweizer Stammspieler stehen in den Startlöchern und vier weitere kämpfen um Einsatzminuten. Das kannst du von ihnen erwarten.
02.10.2024, 16:3402.10.2024, 17:58
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Am Freitagabend beginnt die neue NHL-Saison – und zwar in Europa. In Prag treffen die New Jersey Devils auf die Buffalo Sabres. Das Team mit Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler hat mit Blick auf das letzte Jahr einiges gutzumachen. Wir analysieren die Situation aller Schweizer Söldner in der National Hockey League vor dem Start der neuen Saison.

Roman Josi

Letzte Regular Season: 82 Spiele, 23 Tore, 62 Assists

NHL-Total: 909 Spiele, 181 Tore, 505 Assists

Eine neue Ära beginnt bei den Nashville Predators. Nachdem man zuletzt das Gefühl hatte, die Mannschaft wird eigentlich nur noch von Roman Josi, Stürmer Filip Forsberg und Goalie Juuse Saros über Wasser gehalten, ist ab diesem Sommer vieles anders.

General Manager Barry Trotz hat mächtig aufgerüstet. Von den Tampa Bay Lightning kam Superstar Steven Stamkos. Von den Vegas Golden Knights unterschrieb Stürmer Jonathan Marchessault, der 2023 beim Cup der Golden Knights zum Playoff-MVP gewählt wurde. Und auch die Verteidigung erhielt mit Brady Skjei (von den Carolina Hurricanes) weitere Verstärkung. Kein Wunder, sagt Josi, dass die Vorfreude innerhalb der Mannschaft gross sei. Er warnt aber auch: «Die Verstärkungen sind vorerst nur auf dem Papier. Jetzt müssen wir es auch aufs Eis bringen.»

Und was bringt Josi aufs Eis? Wie immer viel offensive Power. Der Schweizer ist und bleibt einer der besten Offensivverteidiger der Welt. Kein Verteidiger ist besser in der Transition von Defensive zu Angriff. Kaum einer hat in der offensiven Zone so oft die Scheibe wie Josi. Und der 34-Jährige weiss mit dem Scheibenbesitz auch etwas anzufangen. Er wirbelt die gegnerischen Reihen mit seinem Skating durcheinander, schiesst Tore und gibt Assists.

Was für eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Roman Josi ist einer der besten Offensivverteidiger der Welt. Daran hat sich nichts geändert.
  • Er ist gut genug, um die Nashville-Offensive im Alleingang anzukurbeln, doch das muss er dieses Jahr hoffentlich nicht. Mit Steven Stamkos und Jonathan Marchessault hat er im Sturm zusätzliche Feuerkraft erhalten. Das sollte es für ihn etwas einfacher machen, zu seinen Skorerpunkten zu kommen.
  • Das System von Trainer Andrew Brunette hat sich etabliert. Letzte Saison starteten die Predators eher langsam in die Saison und steigerten sich je länger, je mehr. Ohne schwachen Start liegt für Josi und die Preds vielleicht noch mehr drin.
Alle Tore von Josi in der letzten Saison.Video: YouTube/Danny9

Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Josi ist im Juni 34-jährig geworden. Sein Spiel ist stark auf seine läuferische Fähigkeit ausgelegt, und die wird mit fortschreitendem Alter nicht besser.
  • Nashville gilt bei Experten und Fans zugleich als Transfersieger des Sommers. Diesem Titel haftet eine Art Fluch an. Die Erwartungen sind nach den Neuzugängen gross – aber der Druck ist es auch.

Prognose: 19 Tore, 58 Assists

Kevin Fiala

Letzte Regular Season: 82 Spiele, 29 Tore, 44 Assists

NHL-Total: 570 Spiele, 176 Tore, 252 Assists

Wie gut Kevin Fiala ist, zeigt sich an der Tatsache, dass die «nur» 73 Skorerpunkte aus 82 Spielen letzte Saison fast schon eine leise Enttäuschung waren. Der Ostschweizer fand nie die gleiche Konstanz, die man sich zuletzt von ihm so gewohnt war. Das hatte aber guten Grund: Er erwartete mit Frau Jessica sein erstes Kind – verständlich, dass da die Gedanken teils anderswo sind.

Nun ist Töchterchen Masie-Mae auf der Welt, und wie viel Lust auf Hockey er hat, hat Fiala schon gezeigt, indem er quasi direkt nach der Geburt an die WM in Prag flog. Ähnlich motiviert wird er auch in der neuen NHL-Saison sein.

Letzte Saison sahen wir zwar nicht den erfolgreichsten, aber vermutlich den komplettesten Kevin Fiala seiner bisherigen Karriere. Bislang kaum gerühmt für seine defensiven Qualitäten, zeigte der 28-Jährige im vergangenen Jahr, dass er auch das kann. Mit seinem starken Skating und seiner offensichtlichen Spielintelligenz schaffte es Fiala immer wieder, gegnerische Angriffe auszubremsen. Ende Februar gab es dafür Sonderlob von Trainer Jim Hiller: «Er spielt so gut wie noch nie – auch defensiv.» Trotzdem bleibt Fialas grosse Aufgabe bei Los Angeles die Punkteproduktion – seine dynamische und explosive Spielweise hat ihn so zu einem Publikumsliebling gemacht.

Alle Tore von Fialas letzter Saison.Video: YouTube/Danny9

Was für eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Seit Kevin Fiala bei den LA Kings ist, ist er ihr Topskorer (145 Punkte in 151 Spielen). Der Schweizer produziert, egal mit wem und in welcher Linie er spielt.
  • Ein Phänomen in der NHL ist die sogenannte Dad-Power. Auch wenn es dafür keine nackten Zahlen gibt, spielen frischgebackene Väter oft besser. Ein gutes Omen für Fiala?
  • Voraussichtlich startet der Schweizer an der Seite von Center Quinn Byfield in die Saison. Der junge Stürmer ist ein heisser Kandidat für eine Breakout-Saison. Davon würde auch Fiala profitieren.
  • Mit seiner neuen, kompletteren Spielweise geniesst Fiala das absolute Vertrauen der Trainer in L.A.

Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Jim Hiller startet zum ersten Mal als Headcoach in eine neue NHL-Saison. Vielleicht gehen seine Ideen nicht auf, dann büsst auch Fiala.
  • Die Kings haben ihr Geld diesen Sommer eher nicht so klug ausgegeben (über 7 Mio. für Joel Edmundson und Warren Foegele). Das hilft dem Erfolg der Mannschaft langfristig sicher nicht.

Prognose: 31 Tore, 55 Assists

Nico Hischier

Letzte Regular Season: 71 Spiele, 27 Tore, 40 Assists

NHL-Total: 452 Spiele, 136 Tore, 217 Assists

Die New Jersey Devils blicken auf eine enttäuschende Saison zurück. Nachdem sie 2023 noch eine Playoff-Serie gegen die Erzrivalen der New York Rangers gewonnen hatten, verpassten sie im letzten Frühjahr die Playoffs komplett. Die Gründe waren vielschichtig: schlechtes Coaching, schwache Torhüter, Verletzungspech und Stars, die unter den Erwartungen blieben.

Auch Captain Nico Hischier fehlte im Verlauf der Saison während elf Spielen. Trotzdem kam er am Ende auf respektable 67 Punkte in 71 Partien – also fast ein Punkt pro Spiel. Trotzdem gab es auch beim Walliser Kritikpunkte: Er konnte seinem Ruf als einer der besten Defensivstürmer der Liga nicht gerecht werden.

Mit Hischier auf dem Eis liessen die Devils deutlich mehr gegnerische Tore und Chancen zu als noch im Vorjahr. Es sieht so aus, als hätte sich New Jersey auf dem Papier gut verstärkt. Aber um zurück in die Playoffs zu kommen, braucht es einen Nico Hischier, der wieder Selke-Kandidat ist.

Was für eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Nico Hischier ist offensiv konstant. In den letzten drei Jahren skorte er stets knapp unter einem Punkt pro Spiel. Es gibt keinen Grund zu zweifeln, dass sich das ändert.
  • Die defensiv schwache Saison war für den Schweizer ein Ausreisser nach unten. Eine Steigerung zum altbekannten Niveau darf erwartet werden.
  • Mit Sheldon Keefe hat New Jersey einen neuen Trainer, der weiss, wie man in der Regular Season das Beste aus seinen Starspielern holt.
  • Die Devils haben sich geschickt verstärkt. Unter anderem ist Tomas Tatar zurück, mit dem sich Hischier auf dem Eis schon in der Playoff-Saison vor zwei Jahren exzellent verstand.
  • Hischier und Co. zerbrachen letztes Jahr auch ein wenig an den gesteigerten Erwartungen. Nun sollten sie gelernt haben, damit umzugehen.
Highlights aus Hischiers letzter Saison.Video: YouTube/Ian Miller

Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Hischier startet in seine achte NHL-Saison. In den letzten sieben Jahren hat er aber nur zwei Mal 80 oder mehr Spiele absolviert (2017/18 und 2022/23). Der Schweizer ist verletzungsanfällig.
  • Ein neuer Coach ist eine Chance, aber auch ein Risiko. Was, wenn Hischier und Co. mit seinem System nicht zurechtkommen?
  • Die Verstärkungen – insbesondere im Tor und der Verteidigung – sorgen erneut für grosse Erwartungen. Können die Devils dieses Mal mit dem Druck umgehen? Einen schwachen Saisonstart können sie sich kaum leisten.

Prognose: 31 Tore, 53 Assists

Timo Meier

Letzte Regular Season: 69 Spiele, 28 Tore, 24 Assists

NHL-Total: 541 Spiele, 191 Tore, 191 Assists

Timo Meier blickt auf eine ziemliche Seuchensaison zurück. Auf den ersten Blick hat er zwar «nur» 14 von 82 Spielen verpasst, doch die Verletzungsbilanz Ende Saison hatte es in sich. Der Appenzeller spielte mit Verletzungen der Seitenbänder in beiden Knien sowie in der Bauchmuskulatur. Im Frühling unterzog er sich zudem einer Schulteroperation, weshalb er auf die WM in Tschechien verzichten musste. Dass er am Ende trotz all dieser Mühen knapp 30 Tore schoss, ist fast unglaublich.

Nun ist Meier wieder gesund, er liess es aber im Trainingscamp der Devils langsam angehen und trainierte lange nur mit, ohne bei Testspielen aufzulaufen. New Jersey braucht ihn aber auch erst in Prag, wenn es richtig losgeht. Dort soll Meier endlich zeigen, was er drauf hat, wenn er vollends gesund ist.

Das bedeutet: viele Tore schiessen und eine physische Komponente ins Spiel bringen. Meier lief es schon deutlich besser, nachdem Trainer Lindy Ruff entlassen wurde und er nicht mehr an die dritte Linie und die für ihn weniger gute Flügelseite gefesselt war. Vieles deutet darauf hin, dass er zum Saisonstart nochmals an der Seite von Jack Hughes getestet wird. Gegen Ende der letzten Saison hat er aber eigentlich an der Seite von Nico Hischier besser funktioniert.

Was für eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Timo Meier ist endlich wieder gesund. Von einem gesunden Meier darf deutlich mehr erwartet werden, als er noch letzte Saison gezeigt hat.
  • Lindy Ruff ist weg. Meier kam mit dem System des eher altmodischen Trainers überhaupt nicht zurecht. Das schnelle Umschaltspiel von Sheldon Keefe dürfte ihm eher entgegenkommen. Schon der Übergangswechsel zu Travis Green hat Meiers Produktion explodieren lassen.
  • Es sieht stark danach aus, als könnte Meier wieder im ersten Powerplay (mit Nico Hischier, Jack Hughes, Jesper Bratt und Dougie Hamilton) spielen. Auch das sollte seine Punkteproduktion positiv beeinflussen.
  • Meier ist einer der besten Powerstürmer der Liga und noch immer im besten Hockeyalter.
Highlights aus Meiers letzter Saison.Video: YouTube/Ian Miller

Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Auf dem Papier sollte Meier gut zu Keefes Hockey-Vorstellungen passen. Doch auf dem Eis kann das wieder anders aussehen.
  • Meier startet in das zweite Jahr seines Monstervertrags, der ihm 8,8 Millionen jährlich einbringt. Das erste Jahr lief (aus bekannten Gründen) nicht nach Wunsch. Aber sollte Meier erneut langsam in die Saison starten, dürfte die Geduld bei Fans und Organisation langsam dünner werden.

Prognose: 38 Tore, 38 Assists

Nino Niederreiter

Letzte Regular Season: 77 Spiele, 18 Tore, 16 Assists

NHL-Total: 887 Spiele, 223 Tore, 220 Assists

Mit 32 Jahren befindet sich Nino Niederreiter definitiv im Herbst seiner NHL-Karriere. Zumal er wie Timo Meier eigentlich ein begnadeter Powerstürmer ist und deren Spielzeit aufgrund der physischen Belastung eher noch etwas kürzer bemessen ist. Ebenfalls auffallend: In den letzten zwei Jahren ist die Punkteproduktion des Churers bei 5-gegen-5 stets geschrumpft, ohne dass sich seine Eiszeit stark verändert hätte.

Grundsätzlich hat Niederreiter die Zeichen der Zeit erkannt: Er fokussiert sich in seinem Sommertraining viel mehr auf Tempo und Beweglichkeit, ganz den Anforderungen der heutigen NHL entsprechend. Trotzdem kam der Churer in den letzten Jahren zumeist nur noch in der dritten Linie zum Einsatz. Das ist auch in Winnipeg nicht anders, doch dort wird er für seine Arbeit als defensiv verlässlicher Energiespieler geschätzt.

Was für eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Nino Niederreiter hat in Winnipeg eine fixe Rolle inne, in einem guten Playoff-Team. Nichts deutet darauf hin, dass sich der Churer schon wieder an eine neue Mannschaft gewöhnen muss.
  • In den letzten zwei Jahren ist seine Produktion gesunken, aber Niederreiter hat in seiner Karriere gezeigt, dass er auf enttäuschende Saisons wieder reagieren kann.
  • Niederreiter kommt bei den Jets weiterhin im Powerplay zum Einsatz.
  • Der Schweizer macht jeden Sommer alles, um in der veränderten, schnelleren NHL mithalten zu können.
Das sagt Nino Niederreiter während eines Spiels.Video: YouTube/Winnipeg Jets

Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Nino Niederreiter ist bereits 32-jährig und seine Produktion ist zuletzt stets gesunken. Die Chancen, dass sich das mit fortschreitendem Alter wieder ändert, stehen gering.
  • Die Chancen, dass Niederreiter in Winnipeg in den ersten zwei Linien zum Einsatz kommt, sind ebenfalls gering.
  • Niederreiter spielt zwar Powerplay, kommt dort aber nur in der zweiten Formation zum Einsatz.

Prognose: 18 Tore, 20 Assists

Pius Suter

Letzte Regular Season: 67 Spiele, 14 Tore, 15 Assists

NHL-Total: 283 Spiele, 57 Tore, 59 Assists

Pius Suter war letzte Saison ein Teil von Vancouvers Erfolgsgeschichte (Division-Sieger und Conference-Halbfinal) und möchte das dieses Jahr wiederholen. Phasenweise und gar in den Playoffs kam der Zürcher auf dem Flügel an der Seite von Top-Center Elias Pettersson zum Einsatz. Zwischendurch kämpfte er aber auch mit Verletzungen. Für die neue Saison plant Trainer Rock Tocchet wieder mit Suter in der Mitte – vermutlich in der dritten oder vierten Linie.

Das grosse Plus von Pius Suter ist seine Flexibilität. Der 28-Jährige kann Center und Flügel spielen. Er hat letzte Saison bewiesen, dass er bei Bedarf auch in den vorderen Linien aushelfen und produzieren kann. Der Zürcher spielt aber auch intelligent und defensiv gut genug für die Rolle in den hinteren Sturmlinien. Er ist ein begnadeter Penalty-Killer und kann auch im Powerplay eine Rolle übernehmen.

Was für eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Suter hat sich in Vancouver gut in ein erfolgreiches Team eingefügt. Er kennt seine Rolle und die Trainer wissen, was sie von ihm erwarten können.
  • Eine Rolle in der dritten oder vierten Linie bedeutet zwar weniger Eiszeit, aber oft auch etwas einfachere Gegner. Suter ist klug genug, um davon zu profitieren.
  • Der Zürcher spielt bei Vancouver im zweiten Powerplay, das dieses Jahr mit dem Zuzug von Daniel Sprong noch etwas stärker sein sollte.
  • Suters Vertrag läuft im Sommer aus. Oft ist das die Zusatzmotivation, um noch ein Quäntchen mehr aus sich herauszupressen.
Suter schiesst Vancouver in die zweite Playoff-Runde.Video: YouTube/SPORTSNET

Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Im Normalfall kommt Pius Suter nicht in den Top 6 der Canucks zum Einsatz. Das schränkt die Punkteproduktion natürlich ein.
  • Die unsichere Zukunft mit dem auslaufenden Vertrag kann auch belastend und ablenkend sein.

Prognose: 16 Tore, 21 Assists und wichtiger und guter Unterzahlspieler

Jonas Siegenthaler

Letzte Regular Season: 57 Spiele, 1 Tor, 8 Assists

NHL-Total: 312 Spiele, 8 Tore, 49 Assists

Die letzte Saison von Jonas Siegenthaler war die schwierigste, seit er bei den New Jersey Devils ist. Der Zürcher Verteidiger fiel einen signifikanten Teil der Saison mit einer Gehirnerschütterung aus. Es gelang ihm aber auch davor und danach nicht wie gewohnt, die gegnerischen Angreifer am Abschluss zu hindern. Spätestens nachdem sein Verteidigungspartner Dougie Hamilton für den Rest der Saison ausgefallen war, war auch Siegenthaler wie von der Rolle.

Die Statistik ist gnadenlos: New Jersey liess vergangene Saison mit Siegenthaler auf dem Eis deutlich mehr gefährliche gegnerische Schüsse und Chancen zu. Dabei wäre das Verhindern dieser eigentlich die grosse Stärke des Schweizer Verteidigers.

Es scheint, als würde Siegenthaler zu Beginn der Saison nochmals die Chance erhalten, sich an der Seite von Dougie Hamilton zu beweisen. Doch der 27-Jährige muss dringend seine alte Form wiederfinden, ansonsten wird er in seiner Position rasch vom jüngeren Simon Nemec verdrängt.

Was für eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Dass Siegenthaler besser spielen kann als letzte Saison, hat er in den Jahren zuvor bewiesen. Stand jetzt ist 2023/24 nur ein negativer Ausreisser.
  • Dougie Hamilton hat sich von seiner Verletzung des Pektoralmuskels erholt. Der Kanadier ist der wichtigste Verteidiger der Devils und Siegenthalers Partner.
  • Siegenthaler wird auch in Unterzahl bei den Devils weiterhin eine grosse Rolle spielen. Allerdings muss auch dort wieder eine Steigerung her.
Jonas Siegenthaler hat im Sommer Hockey-Camps für Kinder abgehalten.

Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Die letzte Saison war zwar ein negativer Ausreisser, aber auch eine Fortsetzung des Trends, dass Siegenthalers defensiver Einfluss Saison für Saison immer geringer wurde. Wenn sich das fortsetzt, hat der Zürcher grosse Probleme.
  • Siegenthaler hat sich von der Gehirnerschütterung erholt, aber ganz weg sind diese Kopfverletzungen nie. Ein weiterer Schlag gegen den Kopf könnte für den nächsten langen Ausfall sorgen.
  • Die Konkurrenz im Team ist gross. Liefert Siegenthaler nicht, wird er teamintern wohl schnell nach hinten geschoben.

Prognose: 2 Tore, 8 Assists und eine defensive Steigerung

Philipp Kurashev

Letzte Regular Season: 75 Spiele, 18 Tore, 36 Assists

NHL-Total: 266 Spiele, 41 Tore, 75 Assists

Philipp Kurashev blickt auf seine mit Abstand beste NHL-Saison zurück. Beinahe 20 Tore und über 50 Punkte – der Berner ist regelrecht explodiert. Das lag auch an der Tatsache, dass der Stürmer einen grossen Teil der Saison an der Seite von Supertalent Connor Bedard spielen durfte. Die beiden harmonierten hervorragend und waren einer der wenigen Lichtblicke in Chicagos letzter Saison.

Nun sieht es aber so aus, als würde das Erfolgsduo auf diese Saison hin wieder getrennt. Der Grund: Die Blackhawks haben sich verstärkt mit Tyler Bertuzzi, Tuevo Teräväinen und Ilya Mikheyev. So wird Bedard neu als Center für Bertuzzi und Taylor Hall geführt. Kurashev soll dagegen die Linie mit Teräväinen und Lukas Reichel anführen.

Highlights aus Kurashevs letzter Saison.Video: YouTube/Chicago Blackhawks

Was für eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Kurashev war letzte Saison einer der besten Chicago-Stürmer auch als Connor Bedard verletzt ausfiel. Der bald 25-Jährige scheint nochmals einen grossen Schritt nach vorne gemacht zu haben.
  • Auch wenn er nicht mehr regelmässig mit Bedard spielen sollte, wären natürlich auch Teräväinen und Reichel gute Sturmpartner.
  • Die Chemie zwischen Kurashev und Bedard war so gut, dass die Chancen gross stehen, dass sie im Verlauf der Saison wieder einmal zusammenspielen.
  • Trotz der Neuzugänge scheint Kurashev noch immer im ersten Powerplay gesetzt zu sein.

Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Was, wenn die letzte gute Saison nur ein Ausreisser war? Bis jetzt war Kurashev eher ein 20-Punkte-Stürmer, denn ein 50-Punkte-Stürmer.
  • Was, wenn die gute letzte Saison doch nur dank Bedard war? Wenn Kurashev zum Start der Saison nicht überzeugt, landet er eher schnell wieder in den hinteren Linien als an der Seite des Supertalents.

Prognose: 17 Tore, 28 Assists

Janis Moser

Letzte Regular Season: 80 Spiele, 5 Tore, 21 Assists

NHL-Total: 205 Spiele, 16 Tore, 56 Assists

Neues Team, neue Aufgaben. Janis Moser hat den Umzug von Arizona nach Utah nicht mitgemacht, sondern wurde im vergangenen Sommer per Trade zu den Tampa Bay Lightning geschickt. Ein massiver Szenenwechsel vom Problemteam der Coyotes zu einer der besten Mannschaften der jüngeren Vergangenheit. Hier hat Moser beste Chancen, erstmals in seiner Nordamerika-Karriere Playoffs zu spielen.

Der Bieler Verteidiger hat letzte Saison zum ersten Mal in seiner NHL-Karriere keinen Schritt mehr nach vorne gemacht – zumindest was die Punkteproduktion angeht. Das ist aber auch einigermassen erklärbar, kam Moser letzte Saison in Arizona deutlich weniger im Powerplay zum Einsatz als noch im Vorjahr. Dafür ist der Schweizer defensiv noch einmal stabiler geworden. Powerplay-Zeit wird Moser in Tampa Bay kaum mehr kriegen, doch es scheint, als dürfte er die Saison bei 5-gegen-5 im ersten Verteidigerpaar an der Seite von Superstar Victor Hedman beginnen.

Was für eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Auch wenn es sich nicht in den Punkten niedergeschlagen hat: Moser hat sich die letzten drei Jahre stets verbessert.
  • Wenn Moser tatsächlich an der Seite von Hedman zum Einsatz kommt, ist das eine riesige Chance, sich zu beweisen.
  • Die Tampa Bay Lightning sind in der Verteidigung nicht gerade überragend besetzt. Moser wird, sofern er gesund bleibt, seine Chancen erhalten.

Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:

  • Tampa Bay ist nicht Arizona. Die Erwartungen der Fans sind klar, die Playoff-Qualifikation ist ein Muss. Entspricht Moser nicht den Erwartungen, dürften rasch kritische Stimmen laut werden.
  • Wenn Moser tatsächlich mit Hedman zusammenspielt, muss er wohl auf die für ihn weniger vertraute rechte Seite ausweichen. Das könnte einige Spiele Eingewöhnungszeit erfordern.

Prognose: 4 Tore, 17 Assists

Akira Schmid

Letzte Regular Season: 19 Spiele, 89,5% Fangquote

NHL-Total: 43 Spiele, 89,9% Fangquote

Die Situation von Akira Schmid hat sich auch nach einem Trade nicht wirklich verbessert. Bei den New Jersey Devils wäre der Berner Torhüter hinter Jacob Markström und Jake Allen höchstens die Nummer drei gewesen. Nun steht Schmid bei den Vegas Golden Knights unter Vertrag und ist dort hinter Adin Hill und Alya Samsonov ebenfalls nur die Nummer 3.

Vieles deutet darauf hin, dass der 24-Jährige die Saison in der AHL bei den Henderson Silver Knights beginnt. Die Golden Knights sind allerdings dafür bekannt, jede Saison deutlich mehr als zwei Torhüter zu brauchen. Sollten Hill oder Samsonov ausfallen oder schwächeln, dann wäre Schmid an der Reihe. Erhält der Schweizer eine Chance in der NHL, muss er aber besser spielen als noch vergangene Saison in New Jersey und eher an seine Leistungen an der WM in Tschechien anknüpfen.

Was für eine positive Saison spricht:

  • In New Jersey war Schmid nach einer durchzogenen letzten Saison in Ungnade gefallen. Bei den Golden Knights kann er einen Neuanfang wagen. Hinter der Vegas-Verteidigung gibt es sicher etwas weniger Arbeit als noch vergangenes Jahr in New Jersey.
  • Schmid hat das Talent und die Ruhe, um ein solider NHL-Goalie zu sein, das hat er vor zwei Jahren bei den Devils bewiesen.
  • Der Schweizer ist jetzt 24-jährig – das Alter, in dem viele Torhüter den definitiven NHL-Durchbruch schaffen.

Was gegen eine positive Saison spricht:

  • Schmid steht unter Druck. Gut möglich, dass diese Saison in Vegas so etwas wie seine letzte Chance in der NHL ist. Überzeugt er nicht, ist eine Rückkehr in die Schweiz wahrscheinlich.
  • Die Golden Knights gelten auch als gnadenlos. Wenn du als Spieler nicht überzeugst, bist du rasch weg vom Fenster.
  • Auch talentierte Goalies schaffen es nicht immer, ihr Talent auszuspielen. Welches ist also der echte Akira Schmid – der Playoff-Hexer von vor zwei Jahren oder der Problemgoalie vom letzten Jahr?

Prognose: Schmid kann sich bei Vegas nicht in der NHL etablieren.

Lian Bichsel

Schon letzte Saison prognostizierten wir, dass Bichsel erstmals NHL-Luft schnuppern würde, und lagen damit daneben. Der Oltner Verteidiger spielte nur einen Teil der Saison in der AHL und setzte dann auf eine Rückkehr nach Schweden. Dort war er ein grosser Teil des überraschenden Playoff-Runs von Rögle, der mit einer Finalniederlage endete.

Nun ist er zurück in Dallas und begeistert in den Testspielen die Fans der Stars mit seiner physischen Spielweise. Vermutlich besteht sein Team diese Saison darauf, dass Bichsel in Nordamerika bleibt. Sein Problem: Die Dallas Stars sind in der Verteidigung ziemlich stark besetzt und Trainer Peter DeBoer ist keiner, der gerne auf unerfahrene Youngster setzt. Sollte es aber zu Verletzungen kommen, dürfte der Schweizer trotzdem Einsatzminuten erhalten. Und wer weiss, vielleicht darf er nach den guten Tests in den ersten neun Partien der Saison ja bereits einmal etwas schnuppern.

Prognose: Schnuppert in dieser Saison erstmals NHL-Luft.

Connor Hughes

Letzte Saison hexte Connor Hughes Lausanne bis auf einen Sieg an den Meistertitel. Danach erhielt er – trotzdem etwas überraschend – ein Angebot von den Montreal Canadiens. Nach Ludovic Waeber letzte Saison (erfolglos) versucht nun also ein weiterer Schweizer Goalie in der NHL Fuss zu fassen. In der Vorbereitung durfte Hughes ein halbes Spiel absolvieren, und hielt in den 30 Minuten 13 von 13 Schüssen. Wenig später wurde er zum AHL-Team der Laval Rocket geschickt. Die Chance auf NHL-Spiele ist aber noch nicht gestorben. Die Montreal Canadiens hatten in den letzten Jahren viel Verletzungspech. Sollten Sam Montembeault oder Cayden Primeau ausfallen, wäre Hughes wohl einer der ersten Ersatzmänner zwischen den Pfosten.

Prognose: Verbringt den grössten Teil der Saison in der AHL.

Rodwin Dionicio

Rodwin Dionicio wurde 2023 von den Anaheim Ducks in der 5. Runde gedraftet. Für diese Saison unterschrieb der U20-Nationalverteidiger eigentlich beim EHC Biel, doch es scheint derzeit wahrscheinlicher, dass er sein Glück in Nordamerika versucht. Auch Dionicio war in den Testspielen auffällig, doch bevor er eine echte Chance in der NHL erhält, muss er sich wohl noch in der AHL seine Sporen abverdienen.

Prognose: Verbringt die ganze Saison in der AHL oder wird noch nach Biel ausgeliehen.

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So viel verdienen die Schweizer Eishockeystars in der NHL
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So viel verdienen die Schweizer Eishockeystars in der NHL
Roman Josi (Nashville Predators): Verteidiger, Vertrag bis 2028, Jahressalär (inkl. Boni): 9,059 Millionen Dollar.
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NHL-Einsätze von Schweizern (Regular Season, Stand: 2022/23)
Video: watson
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