DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Basels Cheftrainer Marcel Koller nach dem Fussball Schweizer Cup Final zwischen dem FC Basel 1893 und dem BSC Young Boys im Wankdorf Stadion in Bern, am Sonntag, 30. August 2020. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Marcel Koller verlässt den FCB ohne den erhofften krönenden Abschluss. Bild: keystone

Analyse

Die grosse Leere zum Abschied – doch Koller kann den FCB erhobenen Hauptes verlassen

Für Marcel Koller endet seine Zeit beim FCB nach 101 Spielen mit dem 1:2 im Cupfinal. Er ist enttäuscht und erleichtert – der scheidende Trainer kann Basel erhobenen Hauptes verlassen.

céline Feller / ch media



Ein letztes Mal noch zeigt er seinen Anstand. Marcel Koller greift dazwischen, als sein Assistent Carlos Bernegger verbal auf Jean-Pierre Nsame losgehen will. Koller hält Bernegger zurück, schiebt ihn in Richtung Bank. Er will auch im Moment der Niederlage, dieser so bitteren Niederlage, ein gutes Bild abgeben. Mit Klasse gehen. Es ist ein Bild, das Marcel Kollers Zeit beim FC Basel in Sekundenbruchteilen zusammenfasst.

Bild

FCB-Trainer Koller muss Assistent Bernegger nach dem Schlusspfiff zurückhalten bild: screenshot srf

Auch wenn alles rund um ihn herum zerfällt, wenn er wieder einen Tiefschlag erleiden muss, wahrt er sein Gesicht. In einem Moment, der eigentlich ihm gehören sollte, kümmert er sich um einen anderen. Es ist 19.21 Uhr, und der FC Basel hat soeben den Cupfinal gegen YB verloren.

abspielen

Die Highlights des Cupfinals. Video: YouTube/SRF Sport

Wenige Augenblicke danach läuft Marcel Koller gesenkten Hauptes aufs Feld. Seine Spieler, die ihm auf dem Weg begegnen, grüsst er mittels Faustschlag. Bis sich Kollers und Fabian Freis Weg kreuzen. Der Mittelfeldspieler tätschelt seinen Trainer mitfühlend, tröstend gar, auf den Rücken. Eine schöne Geste. Und eine, die zeigt, dass zwischen Team und Trainer mittlerweile Harmonie herrscht.

Trotz schwieriger zwei Jahre, die geprägt waren von Nebenschauplätzen, aber auch von Uneinigkeiten bei Aufstellungen oder Wechseln in den Partien. Aber die Schlussszenen dieses Cupfinals zeigen: Die Unruhen in der Chefetage haben zusammengeschweisst. So auch Frei und Koller, der im vergangenen Sommer aus dem Captainteam geworfene Spieler und sein Trainer.

Der Ruhepol in den Basler Turbulenzen

Mit diesen bedeutungsschwangeren Szenen endet die Zeit Marcel Kollers in Basel. 101 Partien lang stand der 59-Jährige an der Seitenlinie. Er kann den Cupsieg 2019 aufweisen, die Teilnahme am Final von gestern und den Vorstoss in den Viertelfinal der Europa League. «Für die ganz grossen Erfolge hat es aber nicht gereicht», sagt Koller nach dem Spiel selber und spricht damit den zweimal verpassten Meistertitel an. In seinen Worten schwingt aber nicht nur die Enttäuschung darüber mit, sondern auch jene über die Geschehnisse in seiner gesamten Amtszeit. «Es gab viele Turbulenzen im Verein», sagt er bestimmt, aber sachlich.

Basels Trainer Marcel Koller, feiert den Cupsieg, nach dem Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Thun, am Sonntag 19. Mai 2019, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Immerhin einen Cupsieg hat Koller dem FCB beschert. Bild: KEYSTONE

Seiner Wut hatte er bereits am Freitag freien Lauf gelassen, als er erstmals in bemerkenswerter Deutlichkeit davon sprach, was er alles habe ertragen müssen. Er und das Team hätten einen Orden verdient, meinte er da. Weil die Mannschaft immer wieder Substanzverluste hinnehmen musste, Streit auf den Rücken der Spieler und dem Trainerteam ausgetragen wurde. Weil man von den hochbezahlten Klubangestellten immer nur forderte, nie aber Verständnis für sie zeigte.

Dass diese zwei Jahre nun mit einer herben Niederlage im Cupfinal enden, in dem der FC Basel in der ersten Halbzeit besser war, ist bitter. Der scheidende Trainer hätte den Titel verdient gehabt. «Es ist eine Leere da. Eine Enttäuschung», sagt er. Daher könne Koller nur schwer eine Bilanz ziehen. Er wirkt etwas müde, tatsächlich so niedergeschlagen wie selten in seiner Basler Zeit.

Kollers schwierige Jahre beim FC Basel. Video: SRF

Er werde ein paar Tage und Wochen brauchen, um abzuschalten und Energie zu sammeln für neue Gedanken und Projekte. Und um zu verdauen und zu verarbeiten. «Ich bin schon 23 Jahre im Trainerjob und habe nicht gedacht, dass ich da noch viele neue Dinge erfahren kann. Aber es war der Fall.» Sein Hauptziel sei gewesen, seine Spieler nie spüren zu lassen, dass er nervös sei oder Druck habe. Und man kann sagen: Das hat er geschafft.

Auch zum Schluss bleibt Koller souverän

Dass ihm der grosse, versöhnliche Abschied ausgerechnet durch einen Fehler von einem seiner Spieler, Djordje Nikolic, verwehrt wird, passt. Dass es ein Spieler auf einer Position ist, auf der es nach dem Abgang Jonas Omlins keine Alternativen gab, auch. Beklagen will sich Koller nicht. Er rügt Nikolic nicht, sagt, er habe die Bilder nicht gesehen. Diese einwandfreie Kommunikation wird dem FCB abhandenkommen.

Nikolics Fehler beim Siegtreffer von Spielmann. Video: SRF

Marcel Koller hat gestern Abend seine sieben Sachen im Joggeli geholt. Er wird eine Leere in seinem Spind hinterlassen, vielleicht aber auch eine im Verein puncto Souveränität und Ruhe.

Was er der Mannschaft, die er zwei Jahre betreute, in der neuen Saison zutraut, wird er abschliessend noch gefragt. «Das ist nicht mehr meine Aufgabe», sagt er dezidiert. Und mit einer dann doch spürbaren Erleichterung. Dann ist Schluss. Er hat es geschafft. Und verlässt erhobenen Hauptes ein letztes Mal das Stadion als Trainer des FC Basel.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die turbulente FCB-Zeit unter Präsident Burgener

1 / 38
Die turbulente FCB-Zeit unter Präsident Burgener
quelle: keystone / georgios kefalas
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Christian Gross motiviert Hakaaaan bis in die Zehenspitzen und wir dürfen zuschauen

9. Mai 2002: Das Schweizer Fernsehen strahlt einen Dok-Film über den FC Basel aus, der auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Neuzeit ist. In Erinnerung bleibt besonders eine Pausenansprache von Trainer Christian Gross.

Acht Meistertitel in Folge zwischen 2010 und 2017 – bis YB zu seinem Höhenflug ansetzte, war der FC Basel das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Dabei liegen die Zeiten, als Rot-Blau selber zu den Habenichtsen gehörte, noch gar nicht weit zurück.

Erst 2002 holt der FCB den ersten Titel der Neuzeit und aus dieser Zeit stammt auch ein köstliches Video. Es zeigt die Halbzeit-Ansprache von Trainer Christian Gross im Rückspiel des UI-Cup-Finals bei Aston Villa im August 2001, die bei seinem …

Artikel lesen
Link zum Artikel