So begründet der Schweizer Vertreter sein überraschendes Podest beim Ballon d'Or
Daniel Visentini ist ein Urgestein des Schweizer Fussball-Journalismus. Seit vielen Jahren stellt der Romand stets die erste Frage an Medienkonferenzen des Schweizer Nationalteams, so hat es sich eingebürgert. Visentini ist zudem der Schweizer Journalist in der Jury des Ballon d'Or und hat in der «Tribune de Genève» seine Wahl erklärt:
- Lamine Yamal (Spanien, FC Barcelona)
- Harry Kane (England, Bayern München)
- Pau Cubarsi (Spanien, FC Barcelona)
«Dieser Entscheid geht mit einer Verantwortung einher, und hinter dieser Verantwortung steht eine Überlegung, auch wenn sie subjektiv sein mag», schreibt Visentini und nennt dann drei Kriterien, die es seiner Meinung nach zu beachten gilt. Lamine Yamal habe diese für ihn am besten erfüllt.
Denn beim Ballon d'Or stünden individuelle Leistungen an erster Stelle. Danach folgten Mannschaftsleistungen und die Erfolgsbilanz, und schliesslich die Klasse und das Fairplay. Yamal stehe bei ihm wegen der Kombination der drei wichtigsten Kriterien zuoberst – und auch, weil er Weltmeister wurde.
«Er ist schlichtweg aussergewöhnlich. Ein Hauch von Magie liegt in der Luft, wenn er den Ball am Fuss hat», schwärmt der Journalist über den 19-Jährigen. Zwar habe Kane mit 73 Toren für Klub und Land ein aussergewöhnliches Jahr gehabt. «Man könnte sich tatsächlich fragen, warum Kane nicht auf dem ersten Platz steht, das stimmt», gibt Visentini zu. Doch eben: «Da ist der Eindruck, den Yamal hinterlässt, mit seinen akrobatischen Einlagen und seinen Geniestreichen, wenn er mit dem Ball am Fuss vorstösst. Vielleicht der Einzige, der so regelmässig Bewunderung hervorruft.»
Verteidiger hingegen stünden weniger im Rampenlicht. Um ihre Leistung zu honorieren, setzte der Romand Pau Cubarsi, der in der Endabrechnung Platz 12 erreichte, auf Rang 3.
Mit erst 19 Jahren habe er die ganze Saison über sowohl bei Barça als auch in der spanischen Nationalmannschaft beim Gewinn des WM-Titels beeindruckend gespielt. «Das ist das Ungerechte an solchen Wahlen, dass offensive, spektakuläre und unberechenbare Spieler verherrlicht werden, während ein Verteidiger, der ebenso entscheidend ist, wenn er den gegnerischen Stürmer ausschaltet, weniger Eindruck hinterlässt. Dabei ist er genauso unverzichtbar.» (ram)
