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Woran es den neuen TV-Grafiken der FIS bei Skirennen noch mangelt

Norway's Eirik Hystad Solberg competes in an alpine ski, men's World Cup giant slalom, in Soelden, Austria, Sunday, Oct. 25, 2026. (AP Photo/Alessandro Trovati)
Eirik Hystad Solberg
Eirik Hystad Solberg unterwegs in Sölden – seinen Namen wirst du in den FIS-Grafiken wohl nur selten vollständig lesen können.Bild: keystone
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Die neuen TV-Grafiken bei Skirennen haben noch viele Mängel

Der Ski-Weltverband FIS will das Fernseh-Erlebnis moderner und spannender machen. Bei den neuen Grafiken gibt es aber noch viel Luft nach oben.
26.10.2026, 13:3426.10.2026, 13:41

Zum Saisonstart mit den beiden Riesenslaloms in Sölden hat die Grafikabteilung des Internationalen Skiverbands (FIS) ihren neuesten Wurf präsentiert. Das Ziel ist es, den Skisport fürs TV-Publikum mit moderneren und informativeren Grafiken attraktiver zu machen. Die ersten beiden Rennen des Winters haben gezeigt: Einige der grafischen Neuerungen sind gelungen, aber es gibt noch viel Verbesserungspotenzial.

Schlechte Lesbarkeit

Eine Grafik im TV muss vor allem gut lesbar sein. Hier hat die FIS teilweise versagt, denn die neuen Grafiken sind manchmal unlesbar. Gemäss dem eigenen Corporate Design setzt der Skiverband auf die Farben Blau und Weiss. Zudem kommt im Zuge der Modernisierung fast überall ein transparenter Hintergrund zum Einsatz. Und genau da liegt das Problem.

Bei Skirennen ist die Landschaft im Idealfall verschneit und dadurch weiss. Eine weisse Schrift ohne Hintergrund oder mit teilweise transparentem Hintergrund ist so nur schwer oder gar nicht lesbar.

Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
Die Sektorzeiten rechts vom Rennverlauf-Balken sind kaum lesbar. Sogar die Zwischenzeit auf rotem Hintergrund ist aufgrund der Transparenz schlechter lesbar. Bild: screenshot srf
Grafik-Vergleich zu Ski-Weltcuprennen. So war es früher.
Zum Vergleich: So hat die Zwischenzeit-Grafik bis letzte Saison ausgesehen.Bild: screenshot srf
Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
Die Disziplin und der Ort des Rennens in der linken unteren Ecke, die während Wiederholungen eingeblendet werden, sind mit weisser Schrift auf weissem Hintergrund kaum lesbar. Bild: screenshot srf

Aber nicht nur die weisse Schrift macht in der Schneelandschaft Probleme. Auch gewisse Schriftzüge, die in Blau gehalten sind, sind phasenweise nur schwer lesbar. Nämlich dann, wenn sie vor einem dunklen Hintergrund wie dem Starthaus oder vor Menschen in dunkler Kleidung erscheinen.

Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
In der rechten Ecke steht über dem in Weiss auf Grün gehaltenen Vorsprung von Loïc Meillard noch etwas geschrieben. Kannst du es lesen?Bild: screenshot srf
Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
«ADV AT START», also «Vorsprung am Start», steht hier geschrieben. Bild: screenshot srf

Meist wären diese Textstellen problemlos lesbar, wenn der Hintergrund in Weiss und nicht transparent gehalten wäre. Einige Beispiele.

Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
Lucas Pinheiro Braathens Name verschwindet auf der dunklen Jacke seiner Freundin.Bild: screenshot srf
Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
Die Überschrift der Startliste verschwindet auf dunklen Hosen und im Schatten. Bild: screenshot srf
Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
Dass es sich hier um Freunde und Familie von Julia Scheib handelt, ist noch knapp lesbar.Bild: screenshot srf
Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
Hier ist der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund in Ordnung, aber die Überschriften sind teilweise so klein, dass sie trotzdem nicht lesbar sind. Bild: screenshot srf

Abschnitts- statt Zwischenzeiten

Seit einigen Jahren gibt es in den technischen Disziplinen (Slalom und Riesenslalom) auf der rechten Seite den Zwischenzeit-Balken. Dort wird bei jeder Richtungsänderung der Fahrerinnen und Fahrer in Farbe markiert, ob sie schneller unterwegs sind, als die führende Person im Ziel. Auch die gemessenen Zwischenzeiten werden dort eingeblendet.

Neu scheint der Fokus aber weniger auf den Zwischenzeiten zu liegen. Diese werden zwar auch eingeblendet, wenn die Fahrerinnen und Fahrer die Zeitmessung passieren. Danach verschwinden sie aber wieder. Statt der Zwischenzeiten wird nur angezeigt, wie viel Zeit die Athletin oder der Athlet im jeweiligen Sektor gewonnen oder verloren hat.

Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
Die Zwischenzeit (auf grünem Hintergrund) verschwindet nach kurzer Anzeige wieder. Die Sektorzeit (oberhalb ohne Hintergrund) bleibt. Bild: screenshot srf
Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
Bei der letzten Zwischenzeit stehen dir nur die oberen beiden Abschnittszeiten zur Verfügung. Wie sich der Vorsprung oder Rückstand auf den Führenden im Ziel entwickelt hat, siehst du nicht. Bild: screenshot srf

Sektorzeiten sind für Fans vor dem TV aber deutlich weniger aussagekräftig als Zwischenzeiten, denn sie beziehen den Rennkontext wie den Vorsprung am Start in einem zweiten Lauf nicht mit ein. Es wäre viel sinnvoller, statt der Sektorzeiten die gemessenen Zwischenzeiten einzublenden, da sie das tatsächliche Resultat im Rennen genauer wiedergeben.

Informationsüberschuss

Die neuen Grafiken sollen dem TV-Zuschauer neue Einblicke und Informationen verschaffen. Insbesondere bevor sich die Fahrerinnen und Fahrer aus dem Starthaus stürzen, wird das TV-Publikum damit bombardiert. Neu werden nicht nur viel detailliertere Informationen zur Fahrerin eingeblendet, sondern auch die aktuelle Zwischenrangliste.

Ski-Weltcup: Die neuen FIS-Grafiken sorgen für Ärger.
Rangliste, Informationen zu Zrinka Ljutic sowie ein Funkspruch des kroatischen Teams – sind das schon zu viele Informationen?Bild: screenshot srf

Wenn dann auch noch ein Funkspruch des Teams dazukommt, sind das derart viele Informationen, dass man sie als TV-Zuschauer in den acht bis zwölf Sekunden, die sie eingeblendet werden, kaum verarbeiten kann – zumal einen die Reporter zusätzlich mit weiteren Informationen eindecken.

Kompaktheit und Details

Im Zuge der Modernisierung der Grafiken wurden sie auch etwas kompakter gemacht, allerdings auf kuriose Art und Weise. Bei den Zwischenranglisten, wenn ein Fahrer ins Ziel kommt, werden nur noch die ersten vier Buchstaben des Nachnamens eingeblendet. So wird aus Henrik Kristoffersen einfach KRIS. Aus Thomas Tumler wird TUML und aus Alban Elezi Cannaferina wird ELEZ.

Die neue Darstellung der Zwischenrangliste mit den verkürzten Namen.
Die neue Darstellung der Zwischenrangliste mit den verkürzten Namen.Bild: screenshot srf
FIS‑Skiweltcup: Alte Darstellung der Zwischenrangliste.
Die alte Darstellung der Zwischenrangliste. Bild: screenshot srf

Die FIS wollte hier sicherlich erreichen, dass alle Namen einheitlich dargestellt werden und nicht mehr wie früher je nach Länge des Nachnamens in unterschiedlichen Schriftgrössen. Doch es wäre sicher möglich gewesen, die Zwischenrangliste nicht ganz so extrem zu verknappen, sodass weiterhin die Mehrheit der Nachnamen komplett anzeigbar gewesen wäre, zumal diese Art von Rangliste für viel mehr Verwirrung sorgt.

Bei der 4-Buchstaben-Abkürzung unterscheidet genau noch ein Buchstabe zwischen Vincent Kriechmayr (KRIE) und Henrik Kristoffersen (KRIS). Die beiden Franzosen Thibaut Favrot und Guerlain Favre (FAVR) können wohl gar nicht unterschieden werden.

Es ist offensichtlich, dass die neuen Grafiken noch viel Verbesserungspotenzial haben, und es wirft Fragen auf, ob simple Dinge wie die Lesbarkeit der Schriften im Vorfeld nicht getestet wurden.

Am Samstag und Sonntag in Sölden hat die FIS auch noch nicht alle Geschütze aufgefahren. Wie der Blick berichtete, sollen im Laufe der Saison weitere Neuerungen dazukommen: Live-Rückstände auch bei Speed-Rennen sowie neue Daten zu G-Kräften, Air-Time und Geschwindigkeit. Auch Mikrofone am Rennanzug und Kameras in der Skibrille werden derzeit getestet – allerdings gibt es hier noch keinen Fahrplan für den Weltcup. Es bleibt zu hoffen, dass diese Dinge besser getestet werden, bevor sie in den Rennen auf die Fans losgelassen werden.

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