Die neuen TV-Grafiken bei Skirennen haben noch viele Mängel
Zum Saisonstart mit den beiden Riesenslaloms in Sölden hat die Grafikabteilung des Internationalen Skiverbands (FIS) ihren neuesten Wurf präsentiert. Das Ziel ist es, den Skisport fürs TV-Publikum mit moderneren und informativeren Grafiken attraktiver zu machen. Die ersten beiden Rennen des Winters haben gezeigt: Einige der grafischen Neuerungen sind gelungen, aber es gibt noch viel Verbesserungspotenzial.
Schlechte Lesbarkeit
Eine Grafik im TV muss vor allem gut lesbar sein. Hier hat die FIS teilweise versagt, denn die neuen Grafiken sind manchmal unlesbar. Gemäss dem eigenen Corporate Design setzt der Skiverband auf die Farben Blau und Weiss. Zudem kommt im Zuge der Modernisierung fast überall ein transparenter Hintergrund zum Einsatz. Und genau da liegt das Problem.
Bei Skirennen ist die Landschaft im Idealfall verschneit und dadurch weiss. Eine weisse Schrift ohne Hintergrund oder mit teilweise transparentem Hintergrund ist so nur schwer oder gar nicht lesbar.
Aber nicht nur die weisse Schrift macht in der Schneelandschaft Probleme. Auch gewisse Schriftzüge, die in Blau gehalten sind, sind phasenweise nur schwer lesbar. Nämlich dann, wenn sie vor einem dunklen Hintergrund wie dem Starthaus oder vor Menschen in dunkler Kleidung erscheinen.
Meist wären diese Textstellen problemlos lesbar, wenn der Hintergrund in Weiss und nicht transparent gehalten wäre. Einige Beispiele.
Abschnitts- statt Zwischenzeiten
Seit einigen Jahren gibt es in den technischen Disziplinen (Slalom und Riesenslalom) auf der rechten Seite den Zwischenzeit-Balken. Dort wird bei jeder Richtungsänderung der Fahrerinnen und Fahrer in Farbe markiert, ob sie schneller unterwegs sind, als die führende Person im Ziel. Auch die gemessenen Zwischenzeiten werden dort eingeblendet.
Neu scheint der Fokus aber weniger auf den Zwischenzeiten zu liegen. Diese werden zwar auch eingeblendet, wenn die Fahrerinnen und Fahrer die Zeitmessung passieren. Danach verschwinden sie aber wieder. Statt der Zwischenzeiten wird nur angezeigt, wie viel Zeit die Athletin oder der Athlet im jeweiligen Sektor gewonnen oder verloren hat.
Sektorzeiten sind für Fans vor dem TV aber deutlich weniger aussagekräftig als Zwischenzeiten, denn sie beziehen den Rennkontext wie den Vorsprung am Start in einem zweiten Lauf nicht mit ein. Es wäre viel sinnvoller, statt der Sektorzeiten die gemessenen Zwischenzeiten einzublenden, da sie das tatsächliche Resultat im Rennen genauer wiedergeben.
Informationsüberschuss
Die neuen Grafiken sollen dem TV-Zuschauer neue Einblicke und Informationen verschaffen. Insbesondere bevor sich die Fahrerinnen und Fahrer aus dem Starthaus stürzen, wird das TV-Publikum damit bombardiert. Neu werden nicht nur viel detailliertere Informationen zur Fahrerin eingeblendet, sondern auch die aktuelle Zwischenrangliste.
Wenn dann auch noch ein Funkspruch des Teams dazukommt, sind das derart viele Informationen, dass man sie als TV-Zuschauer in den acht bis zwölf Sekunden, die sie eingeblendet werden, kaum verarbeiten kann – zumal einen die Reporter zusätzlich mit weiteren Informationen eindecken.
Kompaktheit und Details
Im Zuge der Modernisierung der Grafiken wurden sie auch etwas kompakter gemacht, allerdings auf kuriose Art und Weise. Bei den Zwischenranglisten, wenn ein Fahrer ins Ziel kommt, werden nur noch die ersten vier Buchstaben des Nachnamens eingeblendet. So wird aus Henrik Kristoffersen einfach KRIS. Aus Thomas Tumler wird TUML und aus Alban Elezi Cannaferina wird ELEZ.
Die FIS wollte hier sicherlich erreichen, dass alle Namen einheitlich dargestellt werden und nicht mehr wie früher je nach Länge des Nachnamens in unterschiedlichen Schriftgrössen. Doch es wäre sicher möglich gewesen, die Zwischenrangliste nicht ganz so extrem zu verknappen, sodass weiterhin die Mehrheit der Nachnamen komplett anzeigbar gewesen wäre, zumal diese Art von Rangliste für viel mehr Verwirrung sorgt.
Bei der 4-Buchstaben-Abkürzung unterscheidet genau noch ein Buchstabe zwischen Vincent Kriechmayr (KRIE) und Henrik Kristoffersen (KRIS). Die beiden Franzosen Thibaut Favrot und Guerlain Favre (FAVR) können wohl gar nicht unterschieden werden.
Es ist offensichtlich, dass die neuen Grafiken noch viel Verbesserungspotenzial haben, und es wirft Fragen auf, ob simple Dinge wie die Lesbarkeit der Schriften im Vorfeld nicht getestet wurden.
Am Samstag und Sonntag in Sölden hat die FIS auch noch nicht alle Geschütze aufgefahren. Wie der Blick berichtete, sollen im Laufe der Saison weitere Neuerungen dazukommen: Live-Rückstände auch bei Speed-Rennen sowie neue Daten zu G-Kräften, Air-Time und Geschwindigkeit. Auch Mikrofone am Rennanzug und Kameras in der Skibrille werden derzeit getestet – allerdings gibt es hier noch keinen Fahrplan für den Weltcup. Es bleibt zu hoffen, dass diese Dinge besser getestet werden, bevor sie in den Rennen auf die Fans losgelassen werden.
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