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Nachfolger gesucht

Eismeister Zaugg

Wolfgang Schickli verlässt die «Käserei in der Vehfreude» – eine Hockeyposse aus Langnau

Selbst der rundum sanierte neue Hockeytempel in Langnau war zu klein, um auf Dauer das Ego von Präsident Peter Jakob und Manager Wolfgang Schickli zu beherbergen. Eine Gotthelf-Posse, die an die «Käserei in der Vehfreude» mahnt.



Bei den Kloten Flyers hat er seine erste Saison im Hockey-Management nicht ganz beendet. Bei den SCL Tigers hat Wolfgang Schickli nach 13 Monaten das Handtuch geworfen. Damit ist bei den SCL Tigers niemand mehr im Amt, der im letzten Herbst in leitender Position die Saison begonnen hat (Trainer, Ausländer, Manager).

Tigers-Geschaeftsfuehrer Wolfgang Schickli, im ersten Playoff Halbfinal Spiel der NLB zwischen den SCL Tigers und dem HC La Chaux-de-Fonds, am Sonntag 9. Maerz 2014 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Wolfgang Schickli verlässt die Tigers. Bild: KEYSTONE

Warum geht Wolfgang Schickli? Wohlweislich hüten sich alle vor einem öffentlichen Statement wie der Teufel vor dem geweihten Wasser. Denn es gibt keine vernünftigen fachlichen Gründe für die Trennung. Die SCL Tigers werden die Saison erstmals seit 1998 mit schwarzen Zahlen abschliessen und das knappe sportliche Scheitern im NLB-Finale kann schwerlich dem Manager angelastet werden.

Es geht um etwas anders. Um einen Kampf der Kulturen. Wolfang Schickli ist kein Leisetreter. Der Abkömmling eines alten Ostschweizer Geschlechtes verbindet Zürcher Selbstvertrauen mit preussischer Konfliktlust. Er personifiziert das «Yes, we can – gringsvorah». Präsident Peter Jakob ist auch ein Mann der Tat. Sonst hätte er ja die Sanierung des Hockeytempels mit insgesamt 15 Millionen aus dem eigenen und 15 Millionen aus der Gemeindekasse nicht orchestrieren können. Aber im Wesen und Wirken ist er ein Mann des Ausgleichs und der feinen Töne. Er personifiziert eher das gut bernische «Nid eso gschprängt, aber geng e chli hü» («Nur nichts überstürzen, aber trotzdem zielstrebig vorwärts machen.»)

Peter Jakob, Verwaltungsratspraesident der SCL Tigers orientiert an einer Medienkonferenz am Freitag 23. April 2010 in Langnau. Die SCL Tigers werden die Saison 2010/11 in der National League A bestreiten. (KEYSTONE/Peter Schneider)

SCL-Präsident Peter Jakob im Jahr 2010. Bild: KEYSTONE

Im Dorfe war der Konflikt zwischen dem Präsidenten und dem Manager seit einiger Zeit ein Thema, und es wurde Peter Jakob von allen Seiten immer wieder ans Herz gelegt, sich doch mit dem Manager zu vertragen. Aber es ging einfach nicht mehr. Eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den zwei Alphatieren war nicht mehr möglich.

Nicht unterschiedliche Strategien haben zum Eklat geführt. Zurück in die NLA wollten beide. Der Präsident und sein Manager. Aber Wolfgang Schickli hat einfach ein anderes Tempo als der Präsident vorgelegt. Und so hat er Anfang dieser Woche seine Kündigung eingereicht. Im Grunde ist er auf ganz ähnliche Art und Weise gescheitert wie einst Heinz Schlatter.

Nachfolger gesucht

Nun suchen die Langnauer einen neuen Manager. Nebst fachlichen Qualitäten ist viel Diplomatie gefragt: Er muss mit dem sensiblen Patriarchen Peter Jakob auskommen und Sitten und Bräuche im Lande Gotthelfs kennen. Der ideale Manager wäre einer mit dem politischen Gespür von Ruedi Zesiger und der Dynamik und den Beziehungen von Heinz Schlatter und Wolfgang Schickli. Ruedi Zesiger wollte man nicht mehr. Weil er, so die Meinung des Verwaltungsrates, als «Mänätscher» zu wenig dynamisch war und auf dem Gebiet der Geldbeschaffung die gesteckten Ziele nicht erreichte. Schlatter ging zusammen mit seinem Präsidenten Hans Grunder mit Karacho unter – und nun hat Wolfgang Schickli selber die Kündigung eingereicht.

Der Konflikt zwischen der Kaltluft des dynamischen Hockeygeschäftes und dem milden Klima der beschaulichen Gotthelfmentalität entlädt sich halt immer wieder in recht heftigen Gewittern. In der «Käserei in der Vehfreude», einem Klassiker der Weltliteratur, hat uns Jeremias Gotthelf die Schwierigkeiten beim Geschäften im Emmental anschaulich geschildert.

Grossratspraesident Bernhard Antener, SP, spricht waehrend der Spardebatte des Kantons Bern im Grossen Rat, am Dienstag 26. November 2013, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Bernhard Antener könnte dereinst das Tiger-Präsidium übernehmen. Bild: KEYSTONE

Wie geht es weiter? Einen Bürogeneral werden die Langnauer schon wieder finden. Manager kommen und gehen, die SCL Tigers bleiben bestehen. Möglicherweise gibt es aber mittelfristig einen Wechsel auf allerhöchster Ebene. Es ist keineswegs auszuschliessen, dass der mit Peter Jakob eng befreundete Fürsprecher Bernhard Antener dereinst das Tiger-Präsidium übernehmen könnte. Der dynamische Pragmatiker ist zurzeit als Präsident des grossen Rates der höchste Berner und beendet nach dieser Session seine kantonale Polit-Karriere. Fortan amtet er «nur» noch als Langnauer Gemeindepräsident.

Noch schliesst Antener den Einstieg ins Hockeygeschäft aus und sagt, ein Doppelmandat Gemeindepräsident und Vorsitzender der SCL Tigers sei zu heikel. Er hat vorerst noch die Besteigung des Kilimandscharo geplant. Wenn er dann vom höchsten Gipfel Afrikas zurück ist, könnte er seine Haltung in dieser Sache schon mittelfristig ändern. Und so wie es in der «Käserei in der Vehfreude» schliesslich und endlich noch gelungen ist, Käse zu produzieren und zu verkaufen, so ist nicht auszuschliessen, dass die Langnauer eines Tages wieder in die NLA zurückkehren werden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • the Wanderer 01.05.2014 10:53
    Highlight Highlight Ich finde den Artikel gut geschrieben, auf jeden Fall erkenne ich darin die Charaktereigenschaften von Wolfgang Schickli wieder. Der Junge Herr Schickli war während meiner Rekrutenschule 1986 der Feldweibel in unserer Panzer-Grenadier Kompanie. Fachlich mit Abstand der beste Feldweibel, den ich während meiner Militär-"Karriere" erlebte, aber unglaublich selbstverliebt, egozentrisch, narzisstisch und überheblich. Und mit all diesen Eigenschaften ist er schlussendlich auch im Militär gescheitert und wird auch in Zukunft damit scheitern.
  • Mia_san_mia 30.04.2014 19:45
    Highlight Highlight Das interessiert doch niemanden ausserhalb von Langnau...
    • TIGERstefu 30.04.2014 20:42
      Highlight Highlight Dann brauchst du es ja nicht zu lesen!! Und schon garnicht zu kommentieren!!
    • Mia_san_mia 30.04.2014 23:05
      Highlight Highlight Ich habs auch nicht gelesen, nach ca. 3 Sätzen habe erkannt wie uninteressant der Artikel ist... In letzter Zeit fand ich Zauggs Artikel nicht schlecht, darum wollte ich ihm eine Chance geben. Aber Geschichten von einem zweitklassigen Verein gehören hier nicht hin, hier will ich über richtiges Hockey lesen!
    • goschi 01.05.2014 09:26
      Highlight Highlight Ergo sollte laut Ihnen nur gerade über das berichtet werden, was Sie als genehm empfinden, aber auf keinen Fall ein Blick links und rechts von diesen sehr eng gestellten Scheuklappen?
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