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Enttäuschte Berner nach der Niederlage gegen Lausanne am 14. März.
Enttäuschte Berner nach der Niederlage gegen Lausanne am 14. März.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Ein Neuanfang kostet: Wie der SCB fast eine halbe Million «verröstet»

Der SC Bern tut alles für eine bessere Zukunft. Aber es ist bei einem Neuanfang in einem Hockey-Unternehmen ein wenig wie beim Umbau eines Hauses: Es kostet in der Regel mehr als geplant.
22.03.2022, 04:1722.03.2022, 12:12

Vincent Praplan, Cory Conacher, Calle Andersson und Kaspars Daugavins hatten bzw. haben beim SC Bern Arbeitsverträge, die noch für die nächste Saison Gültigkeit haben. Mit Vincent Praplan ist bereits eine Lösung gefunden worden: Er stürmt nächste Saison für Servette und hat in Genf einen neuen Kontrakt bis 2024. Für Cory Conacher, Calle Andersson und Kaspars Daugavins werden noch konstruktive Vereinbarungen erarbeitet.

Die Lösung ist in solchen Geschäften stets die gleiche: Der alte Vertrag wird gegen die Zahlung eines schönen Teils des noch ausstehenden Gehaltes aufgelöst. Der Spieler ist dann frei und kann sich sofort einen neuen Arbeitgeber suchen.

Die sportliche SCB-Führung hat in vorbildlicher Transparenz die ganze nationale Hockeyszene schon vor Wochen wissen lassen, dass man verschiedene Spieler nicht mehr weiterbeschäftigen will. Auch solche mit Verträgen. Auf ein Pokerspiel ist offensichtlich verzichtet worden. Das macht die Sache allerdings nicht einfacher: Will heissen: Die Auflösung des Vertrages – im Fachjargon «Buyout» – wird nicht billiger, wenn alle wissen, dass eine Vertragsauflösung praktisch beschlossene Sache ist. Da können Interessenten in aller Ruhe warten, bis der SCB die Dinge im eigenen Haus geregelt hat.

Der SCB muss in seine «Aufräumarbeiten» – in die vorzeitige Auflösung von Verträgen – nach übereinstimmenden Schätzungen von Branchenkennern mit allen Kosten und Nebenkosten fast eine halbe Million investieren. Oder etwas klarer ausgedrückt: Der SCB «verröstet» durch vorzeitige Vertragsauflösungen fast eine halbe Million im Transfergeschäft ohne direkten Gegenwert. Noch nie seit Einführung der Playoffs (1986) hat ein Hockeyunternehmen in unserer höchsten Liga versucht, gleichzeitig gleich vier Spieler mit laufenden Verträgen loszuwerden.

Raëto Raffainer hofft auf eine bessere nächste Saison.
Raëto Raffainer hofft auf eine bessere nächste Saison.Bild: keystone

Die sportliche Führung unter Raëto Raffainer und Andrew Ebbet erachtet diese «Aufräumaktion» als sinnvoll und notwendig damit nächste Saison alles besser wird. Und so ist es auch sinnvoll und notwendig, alles zu tun, um Trainer Johan Lundskog und seine beiden Assistenten Mikael Hakanson und Christer Olsson im Amt zu halten. Es macht wenig Sinn, nur den Cheftrainer zu wechseln. Weil ja ein neuer Trainer in der Regel mit seinen eigenen Assistenten arbeiten will. Wenn der SCB nun auch noch seine ganze dreiköpfige schwedische Trainercrew auswechselt, dann ist wahrscheinlich fast eine ganze Million für die vorzeitige Beendigung von Arbeitsverhältnissen «verbraten».

Soeben hat sich ein namhafter Geldgeber im kleinen Kreis beschwert, im Rahmen einer Zusammenkunft habe die SCB-Führung auf alle Fragen nach der Zukunft sehr defensiv kommuniziert. Nun wissen wir warum: Es geht wohl um mehr als eine halbe Million. Der gute Mann muss auf eine offensivere Kommunikation warten, bis die «Aufräumarbeiten» beendet sind und alles für eine bessere Zukunft sinnvoll geregelt ist.

Eine bange Frage bleibt: Die sportliche Führung hat diese Saison oft und zu Recht über fehlende Kadertiefe geklagt. Sie ist mit ein Grund für die schwächste Saison seit dem Wiederaufstieg von 1986. In der Schlussphase der Saison musste neben den eigenen Junioren gar noch Yves Müller vom SC Langenthal in der Verteidigung aushelfen. Nun gehen voraussichtlich mindestens sieben Spieler mit Schweizer Lizenz (u.a. Praplan, Andersson, Berger, Rüfenacht, Jeremy Gerber, Sciaroni, Thiry).

Die bisher offiziell gemeldeten Neuzuzüge – Joël Vermin, Romain Loeffel, Marco Lehmann, Jesse Zgraggen und Fabian Ritzmann – können die Abgänge wohl qualitativ kompensieren. Raëto Raffainer und Andrew Ebbett haben umsichtig und klug transferiert. Aber das Problem der fehlenden Kadertiefe bleibt. Gut, ist in weiser Weitsicht mit dem EHC Basel nun eine Zusammenarbeit abgemacht worden. Der Aufsteiger in die Swiss League wird aushelfen können: Ein Diego Schwarzenbach, Thomas Büsser, Nils Berger oder der ungarische Nationalstürmer Zsombor Kiss können in Bern schon mal zwischendurch, falls erforderlich, als Ergänzungsspieler einspringen. Es wird beim SCB nächste Saison alles besser.

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quelle: keystone / fabrice coffrini
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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Licorne
22.03.2022 08:31registriert Januar 2014
Ein Pre-Playoff läuft noch, die Entscheidung in der Meisterschaft steht vor der Tür und Herr Zaugg schreibt etwas über eine chancenlose Gurkenmannschaft, notabene das drittschlechteste Team des Jahres. Schade.
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Rockii
22.03.2022 06:18registriert Dezember 2017
Scb,Scb,Scb…. Langsam kann ich es nicht mehr hören/ lesen🙄. Es gibt auch noch andere Mannschaften die eine Kolumne verdient haben! (Und nein, ich meine nicht die Scl Tigers…)
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ELMatador
22.03.2022 07:24registriert Februar 2020
So lange der SCB erfolgreich war, wurden die Machenschaften von Marc Lüthi ignoriert ... Nun, da der Erfolg aus bleibt, sind die Geldgeber über die Situation empört.

Jede, der auch nur eine Ahnung vom Hockey hat, weiss dass der SCB in den letzten Jahren sehr komisch gehandelt hat. Eine Kaderveränderung bis zu den Grundmauen kann vermutlich nur Gutes bewirken.
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