DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das Davoser Team streikte nach dem Anspiel für rund 2 Minuten.
Das Davoser Team streikte nach dem Anspiel für rund 2 Minuten.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Protest? Die Spieler haben sich lächerlich gemacht

Hat es in unserem Sport je eine lächerlichere Protestaktion gegeben? Nein. Unsere Hockey-Stars sollten ihren Gewerkschaftspräsidenten Jonas Hiller absetzen.
21.02.2021, 02:2922.02.2021, 06:25

Die fünf Spiele am Samstagabend beginnen alle mit einigen Minuten Verspätung. Der Grund: eine koordinierte «Protestaktion» der Spielergewerkschaft und der Fans.

Nach dem Motto «2 Minuten fürs Schweizer Eishockey» halten die Spieler während 120 Sekunden von Fans kreierte «Protestbanner» in die TV-Kameras. Mit der Aufschrift: «Der Nachwuchs ist unsere Zukunft, die Fans unser Rückgrat und Eishockey unser Leben

Es ist die lächerlichste Protestaktion unserer Sport-Geschichte. Wer protestiert, sollte schon den Mut (oder in der Hockey-Sprache: die Eier) haben, zu sagen, gegen was er protestiert. Was er will und was er nicht will.

In diesem Falle hätte es mindestens heissen müssen: «Wir sind gegen 7 Ausländer – stoppt die Reform».

Es ist ein Operetten-Protest einer Operetten-Spielergewerkschaft mit dem Operetten-Präsidenten Jonas Hiller. Der ehemalige NHL-Torhüter fabulierte zwar hinterher in die TV-Kameras etwas wirr, man sei gegen die Reform, gegen die höhere Anzahl Ausländer und so – aber den Mut hatten er und seine Spieler nicht, dies mit der Protestaktion auch klar und unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen.

Jonas Hiller ist Präsident der Spielergewerkschaft.
Jonas Hiller ist Präsident der Spielergewerkschaft.Bild: KEYSTONE

Der vermeintliche «Protest» hat bei federführenden Reformern unter den Klub- und Ligagenerälen am Samstagabend nachgerade Hohn und Spott ausgelöst.

Liga-Manager Denis Vaucher hatte auf dem «Latrinenweg» von der Aktion erfahren. Aber wohlweislich nichts unternommen. Jeder Versuch, die Aktion zu unterbinden, hätte ihr bloss Wichtigkeit gegeben.

Kein Wunder, erklärte er gut gelaunt, die Spielergewerkschaft sei offenbar ganz auf einer Linie mit den geplanten Reformen (u.a. 7 statt 4 Ausländer und kein Auf- und Abstieg). Bei diesen Reformen gehe es um die Interessen der Fans und das Wohl des Nachwuchses und Eishockey sei auch das Leben der Reformer.

Es ist eine «Protestaktion» von nachgerade rührender Naivität. Sie ist der Ohnmachtsbeweis der Spielergewerkschaft und der Mutlosigkeit ihres Präsidenten. Ein mit der Sache nicht vertraute Laie kann die «Protestaktion» sogar als Zustimmung der Spieler zu den Reformen, zu mehr Ausländern interpretieren.

Wenn die Spieler doch noch Einfluss auf die Reform nehmen wollen, dann brauchen sie einen Vorsitzenden, der klar auszudrücken versteht, was falsch und richtig ist in unserem Hockey.

Wir können ohne jede Boshaftigkeit davon ausgehen, das herzlich darüber gelacht wird.

Kein Wunder, dass sich keiner der Liga-Generäle und Reformer über die Aktion aufregt. Am Montag soll der Protest bei der Sitzung der Liga-Führung kurz besprochen werden. Wir können ohne jede Boshaftigkeit davon ausgehen, das herzlich darüber gelacht wird. Die Reformer wissen spätestens nach dieser «Protestaktion», dass sie die Meinung der Spieler getrost ignorieren können.

Auch SCB-Manager Marc Lüthi, einer der führenden Reformer, war am Samstag im Stadion. In Ambri. Die «Protest-Aktion» kümmerte ihn weniger als ein umgestürzter Sack Reis in Peking. Gerne bestätigte er, dass man als Arbeitgeber von der Aktion nichts gewusst habe und enthielt sich einer weitergehenden Meinungsäusserung.

Dabei wäre die ganze Reform mit entschlossenem, klugem Widerstand der Spieler und der Fans durchaus noch zu stoppen.

Inzwischen sagen nämlich selbst führende Reformer, sieben Ausländer seien nur im Rahmen eines Gesamtpaketes möglich. Will heissen: sieben Ausländer nur dann, wenn gleichzeitig das sog. «Financial Fairplay» (also eine Salärbegrenzung) eingeführt wird. Vorgesehen ist eine maximale Lohnsumme von 10 und eine minimale von 5 Millionen. So soll die mit sieben Ausländern unvermeidliche Kostenexplosion verhindert werden. Wer mehr als 10 Millionen ausgibt, wird gebüsst. Vorgesehen ist eine Busse in der Höhe von 50 Prozent der Summe, die über die 10 Millionen hinaus in Spielerlöhne investiert wird.

Mit dieser Salärbegrenzungs-Idee haben die Reformer die naiven «Kleinen» der Liga dazu gebracht, der Erhöhung auf sieben Ausländer zuzustimmen. Nur die ZSC Lions waren dagegen und Ambri hatte sich immerhin der Stimme enthalten.

Sieben Ausländer sollen gemäss Liga-Beschluss schon ab der Saison 2022/23 zugelassen werden. Das «Financial Fairplay» wird hingegen gemäss übereinstimmenden Angaben der Reformer frühestens ab der Saison 2025/26 greifen (wenn überhaupt).

Dann werden wir also mindestens drei Saisons mit sieben Ausländern ohne jede Kostenbegrenzung haben (2022/23, 2023/24 und 2024/25). Heirassa!

Die Antwort eines führenden Reformers auf diesen Systemfehler: Das «Financial Fairplay» werde natürlich und selbstverständlich schon 2022/23 gleichzeitig mit der neuen Ausländerregelung eingeführt. Die Lohnbegrenzung gehöre ja zum Gesamtpaket. Aber man werde Überschreitungen der maximalen Lohnsumme erst ab 2025/26 sanktionieren. Der Bär soll also gewaschen werden, ohne ihn nass zu machen.

Selbst wem jede Form der Polemik oder der Kritik an sportlichen Autoritäten fremd ist, dem bleibt angesichts solcher Reformen nur kopfschüttelnde Fassungslosigkeit.

Unser Eishockey ist ein erstklassiges Produkt. Unsere höchste Liga ist sportlich eine der besten der Welt und wir hatten bis zur Pandemie nach der nordamerikanischen NHL weltweit die höchsten Zuschauerzahlen. 2013 und 2018 spielte die Schweiz im WM-Final.

Aber es ist nicht mehr ganz sicher, dass unsere formidable National League stark genug sein wird, um diese Reformen ohne schwere sportliche und wirtschaftliche Schäden zu überstehen.

watson Eishockey auf Instagram
Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

1 / 148
NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden
quelle: keystone / fabrice coffrini
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

53 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Sünneli31
21.02.2021 07:46registriert Mai 2018
Nur weil KZ der Meinung ist, mann müsse immer poltern, provozieren und polemisieren heisst das nicht, dass die Aktion für nichts und lächerlich war! Einer der nicht weiss worums geht braucht auch die Transparente nicht zu verstehen, alle andern habens schon verstanden. Manchmal ist weniger mehr und die Spieler haben auf sich aufmerksam gemacht- das war das Ziel und ein erster Schritt. Es muss ja Luft nach oben geben. Wenn ML in Ambri nichts dazu gesagt hat, kann man das so interpretieren wie KZ getan hat oder andersrum. ML sagt doch sonst zu allem etwas...
83745
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sünneli31
21.02.2021 07:47registriert Mai 2018
Und noch etwas: kann es sein dass KZ betüpft ist, weil er es nicht mal auf dem Latrinenweg schon vorher erfahren hatte??
77139
Melden
Zum Kommentar
avatar
Rodu
21.02.2021 08:10registriert Oktober 2020
Sponsoren stoppt den Geldfluss - Bund interveniert bei den Clubs - es wird komplett am Kundeninteresse vorbeireformiert
40122
Melden
Zum Kommentar
53
«Africa Power» bei Real Madrid – «Marca»-Titelblatt sorgt für grossen Wirbel

Die spanische Sport-Zeitung «Marca» postet jeden Morgen ihre Titelseite auf Twitter. Normalerweise ruft der Beitrag nicht allzu viele Reaktionen nach sich, doch am Montagmorgen ist für einmal alles anders. Denn die «Marca» präsentierte vor einem Umriss des afrikanischen Kontinents die «Africa Power» von Real Madrid.

Zur Story