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Eismeister Zaugg: Daniel Carr könnte noch länger gesperrt werden

Basile Sansonnens (LHC), gauche, lutte pour le puck avec Daniel Carr (HCA), droite, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre Lausanne HC, LHC, et HC Ajoie, HCA, ...
Biel legt Rekurs gegen die Sperre von Daniel Carr ein. Bild: keystone
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«Fall Haas» – zehn Spielsperren wären vertretbar, aber nicht zwingend

Biel fordert in einem Rekurs eine Verschärfung von fünf auf zehn Spielsperren gegen Ajoies Daniel Carr. Ein Überblick über die Hockey-Gerichtspraxis zeigt: Eine Erhöhung wäre angemessen, eine Verdoppelung von fünf auf zehn Sperren vertretbar, aber nicht zwingend erforderlich.
23.10.2026, 06:2523.10.2026, 06:25

Ajoes kanadischer Stürmer Daniel Carr hat zum Abschluss eines heftigen Faustkampfes Biels Captain Gaëtan Haas einen brutalen Schlag gegen den Kopf versetzt. Erschwerend ist, dass er diesen letzten Schlag gegen den bereits wehrlos auf dem Eis knienden Kontrahenten geführt hat («Sucker Punch»). Ein solcher Schlag verstösst auch gegen die ungeschriebenen Gesetze des Hockeys. Die Schiedsrichter haben Daniel Carr mit insgesamt 50 Minuten bestraft: 5 plus 20 Minuten wegen des Faustkampfes, 5 plus 20 Minuten wegen des Schlages gegen den Kopf. Der Hockey-Einzelrichter hat in erster Instanz fünf Spielsperren verhängt. Biel fordert nun in einem Rekursverfahren zehn Spielsperren.

Daniel Carr schlägt Gaëtan Haas nieder.Video: extern/National League/MySports

Eine Übersicht über die Gerichtspraxis in unserem Hockey zeigt: Biels Forderung ist verständlich. Es handelt sich um einen schweren Fall, der in die III. und schwerste Kategorie fällt.

Kategorie I

  • Leichtere Fälle
  • 1 bis 2 Spielsperren
  • Fahrlässige Fouls mit eher geringer Wucht oder geringem Gefährdungspotenzial.

Kategorie II

  • Mittelschwere Fälle
  • 3 bis 5 Spielsperren
  • Aktionen mit erhöhter Fahrlässigkeit, grosser Rücksichtslosigkeit, grösserer Wucht oder erhöhtem Gefährdungspotenzial. In neueren Entscheiden kann Kategorie II für bestimmte Tatbestände auch mit einem Strafrahmen von 2–4 Spielen beschrieben werden.

Kategorie III

  • Schwere Fälle
  • 6 bis 10 Spielsperren oder mehr
  • Grobfahrlässige oder absichtliche Vergehen mit potenziell oder tatsächlich gravierenden Verletzungsfolgen.

Die Fälle werden nach folgenden Kriterien beurteilt:

  • Art des Vergehens: Ein gefährlicher Check, ein Stockschlag oder ein Angriff auf einen Schiedsrichter.
  • Gefährlichkeit: Entscheidend ist unter anderem, wie gefährlich die Aktion für den Gegner war.
  • Verschulden: Absicht, Rücksichtslosigkeit und die konkrete Ausführung können für die Beurteilung wichtig sein.
  • Folgen: Verletzungen können im konkreten Fall eine Rolle spielen; eine schwere Verletzung führt aber nicht automatisch zu einer bestimmten Sperre.
  • Vorgeschichte: Frühere Vergehen können die Sanktion verschärfen, insbesondere bei Wiederholungstaten innerhalb von fünf Jahren.
  • Mildernde Umstände: Beispielsweise kann eine Provokation berücksichtigt werden.

Im «Fall Haas» haben wir es mit einer gefährlichen Aktion der Kategorie III zu tun, die mit besonderer Rücksichtslosigkeit und wuchtig ausgeführt worden ist und schwere Folgen hat: Gaëtan Haas fiel bereits einmal praktisch eine ganze Saison (2024/25) wegen einer Gehirnerschütterung aus, hat nun durch Daniel Carrs Faustschlag erneut eine Gehirnerschütterung erlitten.

Gaetan Haas (EHCB) verlaesst angeschlagen das Eis im Spiel der Eishockey National League zwischen EHC Biel-Bienne, EHCB, und HC Ajoie, HCA, vom Freitag, 16. Oktober 2026 in Tissot Arena in Biel. (KEYS ...
Haas hat eine Gehirnerschütterung erlitten.Bild: keystone

Es ist offen, wie lange er nicht mehr spielen kann. Wobei die Schwere der Verletzung nicht automatisch das Strafmass bestimmt. Entscheidend ist die Gefährlichkeit der Aktion. Mildernde Umstände gibt es allerdings auch zwei. Erstens: Daniel Carr hat keine entsprechende Vorgeschichte, die strafverschärfend wirken müsste (kein Wiederholungstäter). Zweitens gibt es durchaus den Faktor Provokation: Die Aktion erfolgte im Rahmen einer im Eishockey keineswegs unüblichen Massenschlägerei und Gaëtan Haas hat sich freiwillig an dieser Schlägerei mit dem Duell gegen Ajoies Kanadier beteiligt. In der «Hitze des Gefechtes» verständlich, aber eben auch riskant.

Bei der Strafzumessung hilft ein Vergleich mit Urteilen aus der Vergangenheit. Dabei fällt auf, dass fünf Spielsperren für Daniel Carr eigentlich zu wenig sind. Und interessant ist auch, dass 2004 das Strafmass für einen Stockschlag des heutigen Biel-Trainers Christian Dubé (damals Stürmer beim SCB) ohne Verletzungsfolgen im Rahmen eines Rekurses von fünf auf zehn Spielsperren erhöht worden ist. Eine völlig unangemessene Erhöhung im Vergleich zu späteren Urteilen.

Was auch auffällt: Der Wiederholungstäter Fabrice Herzog, der mit einem fürchterlichen Check gegen den Kopf die Karriere von Berns Eric Blum beendet hat, ist mit 8 Sperren davongekommen. Zu beachten ist auch, dass Vergehen gegen Schiedsrichter richtigerweise die am härtesten bestraften Vergehen sind. Die Unparteiischen sind nicht durch eine entsprechende Ausrüstung geschützt. Sie sind, weil sie sich auf das allgemeine Spielgeschehen und nicht auf mögliche Gegenspieler konzentrierten, praktisch schutzlos, müssen nicht mit einem Angriff rechnen und gelten richtigerweise als «unberührbar».

Berns Eric Blum liegt nach einem Check von Davos' Fabrice Herzog, nicht im Bild, auf dem Eis, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und HC Davos, am Sonntag, 1 ...
Eric Blum beendete nach einem üblen Check von Fabrice Herzog seine Karriere.Bild: keystone

Alles in allem wäre also eine Erhöhung des Strafmasses gegen Daniel Carr eigentlich angemessen, eine Verdoppelung auf zehn Spielsperren vertretbar, aber nicht zwingend erforderlich.

Was auch zu beachten ist: In einem Fall (Kevin Miller) ist es zu einem Gerichtsverfahren der staatlichen Justiz gekommen, das für den Täter Folgen hatte: Das Opfer Andrew McKim (er musste seine Karriere beenden) reichte gegen Kevin Miller Strafanzeige ein. Es kam zu einer rechtskräftigen bedingten dreimonatigen Gefängnisstrafe wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung, die einen Zivilprozess in den USA (Millers Heimat) nach sich zog, der mit der Verurteilung zu rund einer Million Schadenersatz führte.

Strafanzeige kann nur der Geschädigte (in diesem Fall Gaëtan Haas) einreichen. Eric Blum hat damals beispielsweise auf eine Strafanzeige gegen Fabrice Herzog verzichtet. Eine Verurteilung nach einer Strafanzeige, die unter anderem auch versicherungstechnische Folgen haben kann, ist möglich, aber nicht zwingend zu erwarten: Wer an einem Eishockeyspiel teilnimmt, setzt sich einem Risiko aus und die alles entscheidende Frage ist, ob jemand den Schaden in einer Aktion erleidet, mit der er nicht rechnen musste und die weit über die in diesem Spiel üblichen Regeln hinausgeht. Mit einer Schlägerei bzw. einem Boxkampf (an dem er freiwillig teilnimmt) muss ein Spieler rechnen.

Die bisher mit mindestens fünf Spielsperren belegten Spieler (in Klammer der Klub, bei dem er die Tat begangen hat).
Marco Maurer (Biel), 2016: 11 Spielsperren, Rempler gegen einen Schiedsrichter.
Christian Dubé (Bern), 2004: 10 Spielsperren, Stockschlag gegen Jeff Shantz.
Kevin Miller (Davos), 2000: 8 Spielsperren, Check gegen Andrew McKim (Karrierenende).
Josh Holden (Zug), 2013: 8 Spielsperren, Check gegen den Kopf von Julien Vauclair.
Mark Barberio (Lausanne), 2021: 8 Spielsperren, Check gegen Garrett Roe mit Kieferbruch.
Fabrice Herzog (Davos), 2021: 8 Spielsperren, Check gegen den Kopf von Eric Blum (Karrierenende).
Yannick Blaser (Zug), 2013: 7 Spielsperren, Check gegen den Kopf von Andres Ambühl.
Romain Loeffel (Servette), 2014: 7 Spielsperren, Stockeinsatz gegen einen Linienrichter.
Tim Traber (Servette), 2014: 7 Spielsperren, Check gegen den Kopf von Marco Maurer.
Fabrice Herzog (Zug), 2015: 7 Spielsperren, Zusammenstoss mit Schiedsrichter Andreas Koch.
Mike Künzle (Zug), 2025: 7 Spielsperren, Crosscheck in den Nacken von Adam Tambellini.
Josh Holden (Zug), 2015: 5 Spielsperren, Stockschlag gegen Tommi Santala.
Tristan Scherwey (Bern), 2015: 5 Spielsperren, Check gegen den Kopf von Gaëtan Augsburger.
Fabrice Herzog (Zug) , 2021: 5 Spielsperren, Crosscheck gegen Mauro Dufner.
Riccardo Werder (Lugano), 2022: 5 Spielsperren, unerlaubter Körperangriff gegen Oskars Lapinski.
Martin Frk (Lakers), 2023: 5 Spielsperren, Tritt mit dem Schlittschuh gegen Lawrence Pilut.
Cody Almond (Lausanne), 2024: 5 Spielsperren, Check gegen den Kopf von Davyd Barandun.
Sakari Manninen (Servette), 2025: 5 Spielsperren, Crosscheck gegen einen Linienrichter.
Tim Muggli (Zug), 2025: 5 Spielsperren, Faustschlag gegen einen Schiedsrichter.
Patrik Nemeth (Gottéron), 2026: 5 Spielsperren, Crosscheck gegen Jonas Taibel.
Daniel Carr (Ajoie), 2026: 5 Spielsperren, Faustschlag gegen Gaëtan Haas.
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