Yakin über Manzambi: «Die Schiedsrichter sollten ihn schützen»
Es läuft die 88. Minute, als ein leicht nervöses Getuschel durch das Stadion in Luzern geht. Johan Manzambi geht in den Zweikampf und bleibt danach offensichtlich mit Schmerzen liegen. Mehrere Sekunden vergehen, und dem einen oder anderen Fan dürfte bereits ein unschönes Bild von der WM im Sommer vor dem geistigen Auge aufgeflackert sein: Manzambi und sein dick einbandagiertes Knie.
Doch dieses Mal kann der Genfer, der am 14. Oktober 21 Jahre alt wird, schnell Entwarnung geben. Mit dem Knie sei zum Glück alles in Ordnung, sagt Manzambi, der rasch sein bekanntes Lächeln wiederfindet. Er fühle sich nicht eingeschränkt und könne auch härtere Zweikämpfe gut wegstecken. «Ich kann ohne Schmerzen spielen, und das ist das Wichtigste.» An die Verletzung vom Sommer denke er kaum noch.
Dabei ist er erst vor gut einem Monat wieder voll ins Training eingestiegen. Mit Aston Villa hatte er zwei Teileinsätze und nur einmal von Beginn an gespielt, ehe er ins Nationalteam eingerückt ist. Dort hat Manzambi allerdings bewiesen, dass er fit und der Belastung gewachsen ist. Denn er musste einstecken wie kaum einer seiner Teamkollegen.
Pfiffe in Glasgow
Es scheint, als ob sein nach der WM noch grösserer Bekanntheitsgrad auch dazu geführt hat, dass er auf dem Spielfeld besonders eng bewacht oder hart angegangen wird. Ob gegen Nordmazedonien, Schottland oder Slowenien: Manzambi gehörte immer zu den am häufigsten gefoulten Spielern.
Dem Romand ist bewusst, dass er die Fouls mit seiner Spielweise – auch in der Dribblingstatistik ist Manzambi immer weit vorne – teilweise selbst anzieht. Gleichzeitig ist er ein sehr physischer Spieler, der sich nicht scheut, sein Bein hinzuhalten, um den Ball abzuschirmen. «Damit muss ich umgehen können», sagt Manzambi auf die Härte gegen ihn angesprochen. «Das Wichtigste ist, weiterzuspielen und sich nicht aufzuregen.»
Dass er dabei auch einmal länger am Boden liegen bleibt, um auf eine Intervention gegen ihn aufmerksam zu machen, kam in Glasgow allerdings nicht gut an. Von den schottischen Fans wurde Manzambi nach einer gewissen Zeit stets mit Pfiffen eingedeckt, wenn er an den Ball kam.
Yakin kündigt Wechsel an
Auf Manzambi angesprochen, kommt Murat Yakin an der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Slowenien einmal mehr ins Schwärmen:
Auf die Frage, ob Manzambi noch lernen müsse, sich selbst etwas besser zu schützen, sagt der Schweizer Nationaltrainer: «Ich denke eher, dass er von den Schiedsrichtern geschützt werden muss.» Weil er dies aber nicht oder nur begrenzt beeinflussen kann, ergänzt Yakin:
Möglich ist auch, dass Manzambi nach den intensiven Tagen im kommenden Spiel am Dienstag geschont wird. Yakin kündigte an, nach dem optimalen Start mit drei Siegen in Serie den einen oder anderen Wechsel vorzunehmen. «Auch um die Belastung zu steuern.»
Im Vorfeld hatte der 52-Jährige Manzambis Klubleitung als gentlemanlike bezeichnet, weil diese den Spieler trotz erst kürzlicher Genesung für die Nations-League-Partien freigegeben hatte. Dreimal hat er Manzambi von Beginn an eingesetzt, nun könnte Yakin den Birminghamern den Gefallen erwidern und dem 20-Jährigen eine Pause gönnen.
Ein Tor fehlt noch
Etwas, wonach Manzambi selbst wohl kaum je fragen würde. In Luzern war ihm die Spiellust erneut anzusehen – trotz der schlechten Rasenverhältnisse. Der Zehner war fast überall auf dem Platz anzutreffen, verteilte die Bälle oder kreierte selbst Chancen. Einzig der Torerfolg ist ihm in den drei Nations-League-Spielen bisher verwehrt geblieben. Darüber könne er jedoch locker hinwegschauen, wenn sein Team gewinne, sagt Manzambi, der in bisher 19 Länderspielen sechsmal getroffen hat.
Ob mit Manzambi oder ohne ihn: Am Dienstag könnte es bereits zu einer Aufstiegsfeier kommen. Einen Heimsieg gegen Nordmazedonien und ein Unentschieden zwischen Schottland und Slowenien: Das brauchen die Schweizer, um Platz 1 in der Gruppe und damit die Rückkehr in die Liga A der Nations League frühzeitig zu sichern.
Grosse Ankündigungen im Hinblick aufs nächste Duell macht Manzambi keine, das wäre nicht seine Art. «Wir fühlen uns gut», sagt er schlicht. Das Knie hält, das Team siegt: Was will man mehr? (hkl/sda)
