Schon wieder ein Westschweizer: Athekame scheint ein grosses Nati-Problem zu lösen
Hat die Schweizer Nationalmannschaft auf der Position des rechten Verteidigers eine langfristige Lösung gefunden? Seit der 108-fache Nationalspieler Stephan Lichtsteiner seinen Rücktritt vor über sieben Jahren erklärte, sucht die Nati einen Nachfolger auf ähnlichem Niveau.
Silvan Widmer übernahm die Rolle, konnte aber nicht immer mit Konstanz glänzen und verlor zuletzt das Vertrauen von Nati-Trainer Murat Yakin. Denis Zakaria, der die Position während der WM übernahm und gute Leistungen zeigte, fällt immer wieder verletzt aus und fühlt sich im Mittelfeld eigentlich wohler.
Endlich läuft was auf der rechten Seite
Hoffnung macht nun ein Spieler, der erst am letzten Samstag sein Nati-Debüt gegeben hat. Zachary Athekame überzeugte gleich in seinem ersten Spiel für die Schweiz und bereitete gegen Nordmazedonien zwei Treffer vor. Auch gegen die Schotten zeigte der 21-Jährige eine gute Leistung und sorgte auf der rechten Seite immer wieder mit seinen offensiven Angriffen für Furore.
Dies fällt auch Nati-Trainer Murat Yakin auf. «Er hat einen Offensivdrang, ist sehr lauffreudig. Man sieht, dass er im Rhythmus ist und das Spiel mit hohem Selbstvertrauen angegangen ist», wurde der Genfer von Yakin nach dem Spiel in Nordmazedonien gelobt. Der Spieler selbst sagte zu seinem starken Debüt ganz bescheiden: «Ich wollte einfach zeigen, was ich kann.»
Dass Athekame eines Tages für die Nationalmannschaft auflaufen werde, war lange Zeit nicht absehbar. Als Junior konnte er sich bei Servette in den Nachwuchsteams nicht durchsetzen und musste die Grenats verlassen. Über den Meyrin FC und die Nachwuchsabteilung von Xamax schaffte es Athekame auch durch ein wenig Glück in die Challenge League.
Weil gleich mehrere Spieler wegen Verletzungen und Sperren ausfielen, musste der damalige Trainer Jeff Saibene improvisieren und setzte den 17-jährigen Athekame als rechten Verteidiger ein. Rasch gehörte der Westschweizer zur Stammelf und im Sommer 2024 folgte der Wechsel zu YB. Ohne Anlaufschwierigkeiten fügte sich der damals 19-Jährige bei den Bernern ein und kam nicht nur in der Meisterschaft regelmässig zum Einsatz, sondern stand auch in acht Champions-League-Partien auf dem Platz.
Bei Lyon direkt wohlgefühlt
Es ging nicht lange und auch internationale Vereine wurden auf die Zukunftshoffnung aufmerksam. So wechselte Athekame im Sommer 2025 zur AC Milan. Bei den Italienern kam er aber meist nur als Ergänzungsspieler zum Einsatz, weshalb sich Athekame für einen weiteren Wechsel entschied. Milan lieh den Verteidiger an Olympique Lyon aus und dies scheint ihm in seiner Karriere einen weiteren Boost zu geben. «Ich wollte zu einem Klub, bei dem ich jedes Wochenende meine feste Rolle habe», erklärte Athekame und hat diese bei Lyon bereits gefunden. In fünf Liga-Einsätzen erzielte er zwei Treffer und bereitete zwei weitere vor. Vor der Nati-Pause sammelte der Lyon-Neuzugang zwei Skorer.
Genfer-Fraktion in der Nati wächst
Der Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers verstärkt in der Nati die Genfer Sektion. Mit Zeki Amdouni, Winsley Boteli und Johan Manzambi sind noch drei weitere gebürtige Genfer dabei. Besonders mit Manzambi versteht sich Athekame sehr gut, ihn bezeichnet er als «Best Buddy».
Negative Gefühle gegenüber seinem Jugendverein Servette hat er keine, auch wenn dort nicht auf ihn gesetzt wurde. «Ich habe sicher nichts gegen den Klub.» Aus seiner Sicht gehören solche Entscheidungen zum Profisport dazu.
Bereits vor einem Jahr stand Athekame erstmals im Nati-Kader im WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien, blieb aber ohne Einsatz. Dies wird am Samstag mit ziemlicher Sicherheit anders sein, wenn die Schweizer Nati erneut auf die Slowenen trifft – und Athekame auf der rechten Seite wieder für Furore sorgen könnte.
