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Fussball Testspiel: Vfl Bochum gegen FC St. Gallen: Slimen Kchouk (St.Gallen) gegen Jordi Osei-Tutu (Bochum)  © Urs Bucher/TAGBLATT

Während Jordi Osei-Tutu (2. v. l.) aufgebracht wegläuft, versteht Slimen Kchouk die Welt nicht mehr. Bild: Urs Bucher / St.Galler Tagblatt

Rassismus-Vorwürfe gegen einen FCSG-Spieler – was geschah im Testspiel gegen Bochum?

Der Bochumer Leihspieler Jordi Osei-Tutu verlässt beim Testspiel des FC St.Gallen gegen den VfL Bochum am Dienstagabend unter Tränen das Spielfeld. Hat ihn ein St.Galler Gegenspieler rassistisch beleidigt? Die Indizien sprechen dafür, der FCSG hat mit dem betroffenen Spieler inzwischen das Gespräch gesucht.

luca ghiselli / ch media



Jordi Osei-Tutu läuft zum Mittelkreis, setzt sich auf den Boden und ist den Tränen nahe. Schiedsrichter Sandro Schärer unterbricht die Partie, vermutet eine Verletzung. Doch Rechtsverteidiger Osei-Tutu ist nicht verletzt, er ist wütend. Es sind skurrile Szenen, die sich in der 43. Minute des Testspiels zwischen dem FC St.Gallen und dem VfL Bochum am Dienstagabend in St.Margrethen abspielen.

Ausser sich steht die junge Leihgabe des FC Arsenal auf, zeigt auf einen St.Galler Spieler, zieht sich das Trikot über den Kopf und verlässt den Platz. Sowohl die Bochumer als auch die St.Galler Spieler versuchen, den 20-Jährigen zu beruhigen. Vergeblich. Osei-Tutu verlässt den Platz, kurz blendet die Regie sogar eine Rote Karte gegen ihn ein. Doch Jordi Osei-Tutu hat den Platz freiwillig verlassen.

Der FC St.Gallen will den Vorfall zuerst intern aufarbeiten

In den sozialen Medien macht noch während des Spiels das Gerücht die Runde, dass der Brite mit ghanaischen Wurzeln rassistisch von einem Gegenspieler beleidigt worden sei. Zahlreiche Twitter-User machen den St.Galler Linksverteidiger Slimen Kchouk als Schuldigen aus. Tatsächlich zeigen die Aufnahmen des Livestreams, dass Osei-Tutu kurz vor der Eskalation mit Kchouk in ein Wortgefecht verwickelt war. Aber was ist dran an dem Gerücht? Was hat Osei-Tutu gehört, dass er derart die Fassung verlor?

Diese Fragen sind zum jetzigen Zeitpunkt kaum zu beantworten. Wie Daniel Last, Mediensprecher des FC St.Gallen, auf Anfrage sagt, sei der Sachverhalt sehr unklar. «Deshalb wollen wir den Vorfall zunächst intern aufarbeiten.» Die Clubverantwortlichen werden am frühen Nachmittag das Gespräch mit den Spielern suchen, danach könne man mehr sagen. «Sollten die Vorwürfe aber zutreffen, würden wir das Geschehene aber nicht tolerieren – und wenn nötig, Konsequenzen ziehen.» Dafür sei es jetzt aber noch zu früh.

Bochum behält sich weitere Schritte vor

Jordi Osei-Tutu selbst liess noch am Dienstagabend durchblicken, dass die Rassismus-Vorwürfe in den sozialen Medien nicht aus der Luft gegriffen sind. So teilte er auf Instagram die Story des Arsenal-Fans und Youtubers «ArsenalEditor». Dort steht: «Anerkennung für JOT, er hat sich beruhigt und weitergespielt. Sag Nein zu Rassismus

Bild

screenshot instagram

Auch Osei-Tutus Verein, der VfL Bochum, meldet sich am Mittwochvormittag in den sozialen Medien zu Wort. Der Verein verurteile jegliche Form von Rassismus vehement, der Vorfall werde mit allen Beteiligten weiter aufgearbeitet und der Club behalte sich weitere Schritte vor.

FCSG-Vereinsführung hat das Gespräch gesucht

Am Mittwochnachmittag hat sich der FC St.Gallen über die sozialen Medien zur Angelegenheit geäussert. Auf Facebook schreibt der Verein:

«Der FC St.Gallen 1879 stellt klar, dass er jede Form von Rassismus und Diskriminierung aufs Schärfste verurteilt. Entsprechende Verfehlungen würden ohne jeden Toleranzspielraum sanktioniert.»

Und weiter: «Mit unseren Spielern aus verschiedenen Ländern und Kulturen sind wir ein Beispiel für gegenseitiges Verständnis und Toleranz.» Die Spieler des FC St.Gallen pflegten einen respektvollen Umgang untereinander, «völlig unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion», heisst es in dem Statement weiter.

Der betroffene Spieler (Anm. d. Red.: Der Klub verzichtet auf die Nennung des Namens) habe in einem klärenden Gespräch mit den Verantwortlichen glaubhaft versichert, sich auch gestern im Spiel gegen den VfL Bochum an diesen Vereinsgrundsatz gehalten zu haben.

Hüppi: «Bakayoko war in der Nähe und hat nichts Derartiges gehört»

Auch am Kickoff zur neuen Saison in der Brauerei Schützengarten hat sich die Vereinsführung um Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter hinter Slimen Kchouk gestellt. «Wir haben gemeinsam mit Trainer Peter Zeidler ein ernsthaftes Gespräch mit dem Spieler geführt», sagte Hüppi vor den Journalisten.

Dabei konnte dieser – wie der FCSG bereits im zuvor publizierten Statement bekräftigte – glaubhaft versichern, keine rassistischen Bemerkungen gemacht zu haben. «Axel Bakayoko und Musah Nuhu gehören zu den besten Freunden von Kchouk in dieser Mannschaft. Bakayoko, der sich während des vermeintlichen Vorfalls in der Nähe des Geschehens aufhielt, hat keine derartige Bemerkung gehört. Und er kann sich auch nicht vorstellen, dass das passiert sein soll», so Hüppi weiter.

Abschliessend hielt der FCSG-Präsident fest: «Wir nehmen solche Vorwürfe sehr ernst. Es geht aber nicht, dass jemand vorverurteilt wird.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • DerSeher 11.07.2019 06:40
    Highlight Highlight Ein Afrikaner beleidigt einen Afrikaner? Kann wohl nicht so wild gewesen sein. Im Eishockey (wo sich dann halt Europäer und Europäer oder Amerikaner und Amerikaner beleidigen) nennt man das schlicht Trash Talk....
  • Totof 11.07.2019 06:03
    Highlight Highlight Die Erklärung von Hüppi ist Ja schon fast ein Geständniss: er kann kein Rassist sein weil sein bester Teamkollege schwarz ist. Was für ein Unsinn. Man kann sogar mit einer schwarzen Person verheiratet sein und rassistisch sein!
  • Gleiser 10.07.2019 23:51
    Highlight Highlight Der FCSG hat übrigens auch noch dieses Statement gepostet.
    Benutzer Bild
  • Staedy 10.07.2019 23:06
    Highlight Highlight Ein Spieler von SG macht doch so was nicht. Sei e besten Kollegen haben auch eine andere Hautfarbe......hat er nicht nötig. So was machen doch nur solche von anderen Klubs.....Wer es glaubt wird selig.
  • Linus Luchs 10.07.2019 22:49
    Highlight Highlight Wenn Slimen Kchouk nichts Rassistisches gesagt haben sollte, warum hat Jordi Osei-Tutu so aufgebracht reagiert? Will jemand dem Bochumer Spieler unterstellen, er habe eine Show abgezogen? "Victim blaming" nennt sich das.
    Kchouk weiss, ausser Osei-Tutu hat niemand verstanden, was er gesagt hat. Es gibt keine Zeugen. Wie kann Kchouk "in einem klärenden Gespräch mit den Verantwortlichen GLAUBHAFT versichern", dass er nichts Schlechtes geäussert hat? Hat er als Beweis eine Tonaufnahme vorgelegt? Nein. Woran glauben demnach die FCSG-Verantwortlichen? Herr Sutter, bezichtigen Sie Osei-Tutu der Lüge?
    • Braveheart 11.07.2019 11:21
      Highlight Highlight bezichtigst Du also Kchouk der Lüge?
    • Linus Luchs 11.07.2019 12:37
      Highlight Highlight Braveheart, ja, Kchouk steht für mich unter dringendem Tatverdacht. Lies mal den unten verlinkten Artikel. Wenn sich hier einer GLAUBHAFT artikuliert hat, dann Osei-Tutu. Es bräuchte einen sehr guten Schauspieler, um diese Reaktion vorzutäuschen. Auf der anderen Seite ist es für Kchouk relativ einfach, den Ahnungslosen zu mimen. Die Argumente von Hüppi und Sutter sind sehr schwach (peinlich und dümmlich).

      https://www.reviersport.de/artikel/rassismus-vorfall-bei-bochum-test-das-sagen-die-verantwortlichen/
  • Scaros_2 10.07.2019 21:17
    Highlight Highlight Tl:dr

    Niemand kann sagen was gesagt wurde und die beteiligten sagen sie hätten nichts rasisstisches gesagt.

    Ok,...

    Warum kann man dann nicht den Wortlaut veröffentlichen?
    • MaryTheOne 10.07.2019 21:34
      Highlight Highlight weil man dann zwei verschiedene Versionen erhält? Der Bochumer wird als Wortlaut wohl was anderes angeben als Kchouk... es werden wohl nur die zwei wissen, was wirklich vorgefallen ist, zumal der "Zeuge" Bakayoko ja auch nichts gehört hat (oder gehört haben will)
  • Rupert The Bear 10.07.2019 21:05
    Highlight Highlight Rassismus gegenüber Schwarzen Menschen ist leider im Maghreb allgegenwärtig.
  • stanislav.petrov 10.07.2019 21:01
    Highlight Highlight rein objektiv gesehen kann man auch jemanden tum weinen bringen ohne das es auf rassismus gründet...

    ich meine ja nur, wenn meine mutter so eine gute hure war, wie die vielen gegner in der drittliga behauptet haben, dann müsste ich heute nocht mehr arbeiten...

    ((sollte der liebe slimen tatsächlich die rassismuskeule geschwungen haben: 🖕🏻))

    ((
  • Leon1 10.07.2019 21:01
    Highlight Highlight Was effektiv gesagt wurde und mit welchem Hintergrund wissen wohl nur die beteiligten Spieler. Fakt ist, dass viele Fussballer (und noch viel mehr Zuschauer) das Gefühl haben, sie müssen sich ständig gegenseitig mit Trash-Talk der übelsten Sorte eindecken.

    Finde es spannend, dass das üblicherweise hingenommen oder gar als Teil der Kultur angesehen wird, während diese Causa jetzt bis zur Bild-Zeitung durch die Medien fliegt.

    Bitte nicht falsch verstehen, sollte sich der Verdacht erhärten (Rückblickend schwierig, aber z.B. durch erneute Vorfälle) gehört der Spieler umgehend rausgeworfen.

    • dontknow 10.07.2019 22:35
      Highlight Highlight Zwischen Trashtalk und angeblichen rassistischen Äusserungen (die einen Spieler dann auch noch zu Tränen bringen) gibt es dann schon noch einen "kleinen" Unterschied...
    • Leon1 10.07.2019 22:55
      Highlight Highlight Nicht unbedingt - darauf will ich ja hinaus;

      "Nigger" z.B. ist wohl leider kein seltenes Schimpfwort auf dem Platz, aber wohl häufiger hört man, dass die Mutter oder Schwester oder Freundin dem horizontalen Gewerbe nachgehen würde, oder andere plumpe Schimpfwörter und persönliche Beleidigungen.

      Der eine lächelt das weg, den anderen trifft's. Das kommt auf die Persönlichkeit und auch die Situation an. Wo soll man also genau die Grenze ziehen?

      Ich würde ja gerne all das konsequent sanktioniert sehen. Die mehr oder weniger willkürliche Beschränkung auf die Hautfarbe verstehe ich aber nicht...
    • überflüssig 11.07.2019 09:29
      Highlight Highlight mann kann ja auch vom platz gehen, wenn seine mutter beleidigt wird.
      wenn es mann trifft.
      dann würde es ebenfalls thematisiert.
      weder das eine, noch das andere ist okey.

      wenn du den umgangston nicht okey findest, könntest du dich an dieser stelle auch solidarisieren, anstatt einfach zu fordern, dass das wegzustecken sei?

      ich persönlich finde, es braucht mehr „eier“ zu reagieren und vielleicht nützt es auch mehr?
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