Sport
Fussball

Sportpsychologie: Weniger Zoff und mehr Tore durch Corona-Geisterspiele

epa08871005 Atletico Madrid's players during a training session in Salzburg, Austria, 08 December 2020. Atletico Madrid will face FC Red Bull Salzburg in the last group stage match of the UEFA Ch ...
Auch bei RB Salzburg bleiben die Tribünen derzeit leer.Bild: keystone

Weniger Zoff und mehr Tore – so wirken sich Corona-Geisterspiele auf den Fussball aus

26.01.2021, 02:0026.01.2021, 06:42

Emotionale Ausbrüche und Streit haben in den coronabedingten «Geisterspielen» bei Fussballern und Betreuern insgesamt messbar abgenommen. Das berichten Salzburger Forscher am Beispiel von Spielen des FC Red Bull Salzburg im Fachmagazin «Humanities & Social Sciences Communications».

Michael Leitner und Fabio Richlan von der Universität Salzburg sahen sich einige Effekte von Geisterspielen genauer an. Detailliert unter die Lupe nahmen die Sportpsychologen die zehn Meisterrunden-Spiele des FC Red Bull Salzburg in der «normalen» Saison 2018/19 und zehn Geisterspiele des Serienmeisters im vergangenen Corona-Jahr.

Dazu haben sie eigens ein «Analysesystem für emotionales Verhalten im Fussball» entwickelt, in dem das Gehabe der Beteiligten auf verschiedenen psychologischen Ebenen in Abhängigkeit von der jeweiligen Spielsituation interpretiert wird.

Weniger Auseinandersetzungen

So identifizierten die Forscher insgesamt um 19.5 Prozent weniger Situationen mit Auseinandersetzungen mit anderen Spielern oder dem Schiedsrichter in den Spielen ohne Publikum.

Die Referees sahen sich offenbar auch seltener dazu veranlasst, bei derartigem Verhalten einzuschreiten: In Matches mit Zuschauern involvierten sie sich in knapp 40 Prozent dieser «emotionalen Situationen», in den leeren Stadien war das nur bei rund einem Viertel der Fälle so.

epa08452957 A banner reading 'Ghost matches' in front of empty stands during the Austrian OEFB Cup Final soccer match between Red Bull Salzburg and Austria Lustenau in Klagenfurt, Austria, 2 ...
Den Fans gefallen die Geisterspiele definitiv nicht.Bild: keystone

Während moderater Protest etwas zunahm, war dies beim Fair-Play-Verhalten ebenso. Wortgefechte und Diskussionen gingen in Geisterspielen um rund fünf Prozent zurück. Insgesamt reduzierte sich auch die Zeit von fast 42 auf 27 Minuten, während der alle aktiv und passiv am Spiel Beteiligten mit Diskussionen und ähnlichem beschäftigt waren.

Mehr Tore ohne Zuschauer

Offenbar half das den Akteuren, sich auf das Spielziel zu konzentrieren – nämlich das Runde ins Eckige zu befördern: So schoss Red Bull Salzburg unter den Bedingungen der Geisterspiele mehr Tore. Auch gesamthaft verbuchte die Corona-Meisterrunde um 20 Prozent mehr Tore bei rund 13 Prozent weniger Verwarnungen oder Platzverweisen.

epa08463596 Salzburg's Salzburg's Noah Okafor (L) celebrates with his teammates Albert Vallci (M) and Jerome Onguene (R) after scoring on the goal for 2:0 during the Austrian first division  ...
In Salzburg wird mehr gejubelt als vor der Pandemie.Bild: keystone

Hinsichtlich der Foul- und Kartenstatistik waren die beiden untersuchten Saisons zwar etwas unterschiedlich, im Prinzip aber gut vergleichbar.

Insgesamt zeige sich, dass das Umfeld mit Zuschauern im Stadion sehr wohl einen «deutlichen Einfluss» auf das Verhalten der Akteure hat, so Leitner. Spieler, Betreuer und auch Schiedsrichter blieben offenbar in Abwesenheit der Fans ruhiger und lieferten sich weniger Wortgefechte. Nun müsse analysiert werden, ob sich die gleichen Effekte finden, wenn der Fokus stärker auf mehrere Mannschaften gelegt wird, so die Studienautoren. (pre/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Europas Rekordmeister im Fussball
1 / 28
Europas Rekordmeister im Fussball

Spanien: Real Madrid – 36 Titel, zuletzt 2023/24. Erster Verfolger: FC Barcelona – 28 Titel.

quelle: keystone / rodrigo jimenez
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Büne Huber: «Fussball ist doch ein Pussy-Sport!»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Basel hat den Ball, GC die Chancen – heute steigt das Duell der Krisenklubs
Der FC Basel empfängt am heutigen Sonntag (16.30 Uhr) im St. Jakob-Park den Grasshopper Club Zürich – beide Klubs haben dieselbe Ausgangslage: schwacher Saisonstart, neuer Trainer und noch kein Ligasieg unter diesem. Für Slavisa Jokanovic ist es das erste Heimspiel beim FCB.
Die beiden Vereine vereinen zusammen 48 Schweizer Meistertitel, doch aktuell geht es um anderes. Basel ist nach zehn Runden mit 13 Punkten und 17:20 Toren Siebter, GC steht mit acht Punkten und 13:26 Toren auf Platz elf. In den letzten sechs Ligaspielen holte Basel einen Sieg, ein Remis und vier Niederlagen, GC zwei Siege, ein Remis und drei Niederlagen. Beide haben zuletzt verloren: Basel 0:3 in Vaduz, GC 0:2 gegen YB.
Zur Story