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WM 26: Camila – kanadischer TV-Star ist der Nati auf den Fersen

Sie ist der Schweizer Nati auf den Fersen: Kanadischer TV-Star erklärt den Nati-Gegner

Ein Interview mit Latino-Superstar Bad Bunny verhalf Camila Gonzalez zur Karriere als bekannte Sportjournalistin. Die Kanadierin über die Euphorie in ihrer Heimat und warum Fussball in ihrer Familie lange ein Tabuthema war.
23.06.2026, 16:3923.06.2026, 16:39
Sebastian Wendel, San Diego / ch media

Wo die Nati ist, ist auch sie. Camila Gonzalez verfolgt die Schweizer Fussballer an der Weltmeisterschaft auf Schritt und Tritt. Bei jeder Pressekonferenz und jedem Training im Base-Camp in San Diego ist sie hautnah dabei. Ebenso an den Spielen in San Francisco, Los Angeles und am Mittwoch (21 Uhr Schweizer Zeit) in Vancouver. Doch in der kanadischen Küstenstadt wird ihre Reise mit der Schweizer Nati enden. Ein Grund für Gonzalez, wehmütig zu werden. Andererseits: «Ich habe keine Ahnung, wie es nach dem Spiel am Mittwoch weitergeht. Das macht es umso aufregender.»

TV-Reporterin Camila Gonzalez berichtet vom Training der Schweizer Nati nach Kanada.
TV-Reporterin Camila Gonzalez berichtet vom Training der Schweizer Nati nach Kanada.Bild: zvg

Camila Gonzalez ist kein Fan. Zumindest nicht von den Schweizer Fussballern, vom Fussballsport insgesamt schon. Obwohl die Beziehung lange schwierig war. Sie wurde im kolumbianischen Medellin geboren, mit drei wanderte die Familie nach Toronto aus. Wie für die allermeisten Menschen aus Südamerika stand auch für Camilas Eltern Fussball auf dem Tagesprogramm.

Bis der ehemalige YB-Spieler Andres Escobar an der WM 1994 ein Eigentor produzierte, welches Kolumbiens Gruppen-Out zur Folge hatte. Kurz nach der Rückkehr in die Heimat wurde der Verteidiger auf offener Strasse erschossen. «Meine Eltern waren danach lange angewidert vom Fussball. Von meinen kanadischen Mitmenschen interessierte sich praktisch niemand dafür. Nur mit Freunden aus Portugal und Italien war Fussball Gesprächsthema.»

Superstar Bad Bunny als Türöffner

Dass sie diesen Sommer als Sportjournalistin für den grössten kanadischen Sportsender TSN aus dem Nati-Camp berichtet, verdankt sie mitunter Bad Bunny. Dem gerade angesagtesten Latino-Rap-Sänger der Welt. Seine Songs hören monatlich über 100 Millionen Menschen, im März trat er auf in der Halbzeitshow des Super Bowl – quasi der Ritterschlag im Musikbusiness.

«Er gab vor einigen Jahren als noch nicht so bekannter Sänger in Toronto ein Konzert. Ich traf ihn für ein Radio-Interview und stellte ein Video davon ins Internet. Gerechnet habe ich mit maximal 4000 Klicks, am Ende waren es 4 Millionen. Weil Bad Bunny ausgerechnet in dieser Zeit zum Superstar wurde. Der CEO einer TV-Station in Kanada sah das Video und stellte mich ein. Und heute berichte ich von der Weltmeisterschaft.» Dank ihrer TV-Präsenz und einer fünfstelligen Anzahl Follower auf Social Media ist Camila Gonzalez in Kanada mittlerweile selber eine bekannte Persönlichkeit.

Dieses Interview mit Bad Bunny machte Camilla Gonzalez berühmtVideo: YouTube/Camila Gonzalez

In San Diego testet sie im Rahmen der täglichen Medienrunden die Englisch-Künste der Schweizer Nationalspieler, löchert sie mit Fragen über den Jetlag, die Stimmung im Team und die «World Cup Experience». Als Reporterin eines WM-Rechteinhabers müssen Xhaka und Co. nach den Spielen jeweils zu ihr zum Einzelinterview – worum sie die anwesende Schweizer Journalistenschar etwas beneidet.

Mehrere Live-Schaltungen pro Tag

Im Alltag berichtet sie aus dem TSN-Hauptstudio in Toronto. Ihren Sprachkenntnissen verdankt sie, während der WM das Büro gegen die prächtigen Stadien tauschen zu dürfen. «Ich war usprünglich für Italien eingeteilt, weil ich deren Sprache beherrsche. Als klar war, dass sie nicht dabei sind, schickte mich TSN nach San Diego», so Gonzalez – und fügt an: «Besser hätte es nicht laufen können. Ich kann über ein Team berichten, das auf der ganzen Welt grosse Wertschätzung erhält und als Geheimfavorit gilt. Die schöne Gegend hier toppt das Ganze zusätzlich.»

Mindestens einmal, meistens mehrmals pro Tag wird sie live ins fast 24-stündige WM-Programm von TSN zugeschalten, gefilmt von ihrem persönlichen Kameramann Freddie. In den Tagen vor dem Direktduell in Vancouver steigt die Kadenz – wie Gonzalez' Aufregung: «Bislang bekomme ich die WM-Euphorie in Kanada nur via Social Media und den Erzählungen meiner Freunde und Familie mit. Ich freue mich riesig darauf, Kanada im Fussballfieber zu erleben.»

Messi und Ronaldo jucken den Kanadier nicht

Das 6:0 gegen Katar, gleichbedeutend mit Kanadas erster Qualifikation für eine WM-K.o.-Phase überhaupt, hätten phasenweise fast 12 Millionen am TV verfolgt – mehr als jeder vierte Mensch in Kanada. Absoluter Ausnahmezustand im Land, in dem Eishockey über allem schwebt. Als sich Kanada-Stürmer Ismael Kone in jenem Spiel das Bein brach, erhielt Gonzalez etliche Nachrichten, wie sie den Verlust einschätze. Von Leuten, denen sie als erstes antwortete: «Woher zum Teufel weisst du, wer Ismael Kone ist?»

Jetzt, wo die Menschen realisiert hätten, dass Kanada konkurrenzfähig ist, seien alle Fans. Die Fussball-Community sei in den vergangenen Jahren zwar gewachsen, aber den Normalfall schildet Gonzalez so: «Wenn du einem nicht-fussballinteressierten Kanadier sagst, dass sein Land am gleichen Turnier wie Messi und Ronaldo mitspiele, juckt ihn das nicht. Er braucht erst den Reality-Check.» Als wichtigsten Moment für den Fussball-Wachstum bezeichnet sie denn auch nicht die Vergabe der WM nach Nordamerika. Sondern die auf sportlichem Weg erreichte Qualifikation fürs Turnier 2022: «Seither investieren Firmen in den Fussball, die sich vorher nur für Eishockey interessiert haben.»

epa13047878 Fans cheer for Canada prior to the FIFA World Cup 2026 group stage match Canada against Qatar, in Vancouver, Canada, 18 June 2026. EPA/BOB FRID
Im Co-Gastgeberland Kanada herrscht Fussball-Euphorie.Bild: keystone

Von welchem WM-Duell Camila Gonzalez träumt

Ein grosser Anteil an der Euphorie gebühre laut Gonzalez Kanadas Nationaltrainer Jesse Marsch, dem ersten US-Bürger auf diesem Posten. «Er hat nicht nur das Team taktisch auf ein neues Level gehoben, er ist auch ein sehr guter Redner. Er hat die Menschen überzeugt, unserem Nationalteam etwas zuzutrauen.»

Sie selber hofft auf den Einzug in die Achtelfinals. «Für uns wäre das wie für Brasilien, Frankreich oder Argentinien eine Finalteilnahme.» Ein Duell am 7. Juli in Vancouver gegen Kolumbien, die Heimat ihrer Eltern – für Camila Gonzalez wäre dies der absolute Höhepunkt.

Und würde bedeuten, dass die Schweiz das Spiel am Mittwoch in Vancouver nicht gewinnt. Sie lacht: «Dass beim letzten WM-Spiel in Kanada unser Nationalteam auf dem Platz steht, das mögt ihr Schweizer uns gönnen, oder? Vielleicht treffen wir uns ja später in der K.o-Runde wieder, je nachdem, an welche Spiele sie mich als Reporterin schicken …» (schweizheute.ch)

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