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Laurel Hubbard war Mann und startet als Transgender-Athletin bei Olympia

9th April 2018, Carrara Sports Arena, Gold Coast, Australia; Commonwealth Games day 5; Laurel Hubbard of New Zealand competes during the Women s +90 weight lifting final PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUN ...
Bei den Commonwealth Games 2018 musste Hubbard in Führung liegend wegen einer Verletzung aufgeben.Bild: imago sportfotodienst

Sie lebte als Mann und wird nun die erste Transgender-Athletin bei Olympia

06.05.2021, 11:3806.05.2021, 13:12

Die Neuseeländerin Laurel Hubbard dürfte die erste an Olympischen Spielen teilnehmende Transgender-Athletin werden. Die 43-Jährige war vor 2013 als männlicher Gewichtheber aktiv, ehe sie zur Frau wurde. 2017 gewann sie bereits WM-Silber.

Nun hat sich Hubbard in der Klasse über 87 kg einen Quotenplatz für die Spiele in Tokio erkämpft. Das Nationale Olympische Komitee Neuseelands (NZOC) bestätigte am Donnerstag, dass Hubbard sehr wahrscheinlich zum Zug kommen werde.

«Das neuseeländische Team hat eine starke Kultur von Manaaki* und Inklusion und Respekt für alle. Wir freuen uns darauf, alle Athleten, die für das neuseeländische Team in Tokio 2020 ausgewählt wurden, zu unterstützen», hiess es in einer Mitteilung des NZOC am Donnerstag.

* = Manaaki ist ein Maori-Ausdruck für Respekt, Grosszügigkeit und Fürsorge anderen gegenüber.

Hubbard sagte 2017 nach ihrem Gewinn der WM-Silbermedaille: «Ich denke, vor zehn Jahren war die Welt noch nicht bereit für eine Athletin wie mich – und vielleicht ist sie es auch jetzt noch nicht.»

Diskussionen über Chancengleichheit

Die Sportlerin weist ausreichend niedrige Testosteronwerte auf, um als Frau antreten zu können. Wissenschaftler hatten diese Regelung kritisiert und gemeint, dass das nichts daran ändere, dass als Männer geborene Transgender-Athleten Vorteile in Bezug auf Knochen- und Muskeldichte haben.

Hubbards Titelgewinn bei den Pazifik-Spielen 2019 hatte auch Diskussionen in diese Richtung ausgelöst. Samoas Premierminister Tuilaepa Sailele Malielegaoi sagte damals: «Diesem fa'afafine* oder Mann hätte es niemals erlaubt werden dürfen, mit den Frauen zu heben. Ich war schockiert, als ich das erste Mal davon hörte. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das ist ein Mann.»

* = Fa'afafine bezeichnet in Polynesien eine männliche Person, die als Frau erzogen wurde und als solche betrachtet wird.

Für die Commonwealth Games 2018 war ein letztlich nicht umgesetzter Ausschluss Hubbards geplant gewesen. «Das gab uns einen guten Einblick in die Diskussionspunkte und wie polarisierend die Angelegenheit sein kann», sagte Trainer Simon Kent zu «Radio New Zealand». «Es ist gut, dass darüber gesprochen wird, denn es ist nichts, das mit Schweigen einfach verschwinden würde. Laurel ist Mitglied unseres Verbands, sie erfüllt alle Regeln und geltenden Vorschriften, deshalb gehen wir entsprechend vor.»

Schwieriger Umgang mit nonbinären Menschen

Die Debatte erinnert an jene, welche durch Leichtathletin Caster Semenya weltweit losgetreten wurde. Auch da tat und tut sich die Sportwelt schwer im Umgang mit Menschen, die nicht eindeutig dem Geschlecht Frau oder Mann zugeordnet werden können. Semenya wurde 2012 und 2016 Olympiasiegerin sowie drei Mal Weltmeisterin über 800 Meter. Der Körper der Südafrikanerin produziert für eine Frau überdurchschnittlich viel Testosteron, was sich positiv auf ihre Leistung auswirkt.

Einen jahrelangen Rechtsstreit um eine Regel des internationalen Leichtathletikverbands, der eine Testosteron-Obergrenze einführte, verlor Semenya im vergangenen August vor dem Schweizer Bundesgericht. Ende Februar kündigte sie an, gegen diesen Entscheid vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage einzureichen. (ram/sda/apa/reu)

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