Sport
International

Russland: Ex-Fussball-Captain Igor Denissow ist gegen den Ukraine-Krieg

Russischer Ex-Captain positioniert sich gegen Putin: «Werde dafür vielleicht getötet»

Mit seinem Heimatland nahm Igor Denissow an einer Welt- und einer Europameisterschaft teil. Der Krieg in der Ukraine veränderte für ihn alles. Nun positioniert er sich öffentlich gegen den russischen Präsidenten.
16.06.2022, 05:1816.06.2022, 06:00
Ein Artikel von
t-online

Der frühere russische Fussball-Nationalspieler Igor Denissow (38) hat sich offen gegen Präsident Wladimir Putin und Russlands Angriffskrieg in der Ukraine positioniert. Den Überfall auf das Nachbarland bezeichnet der Ex-Profi im Gespräch mit Sportjournalist und Blogger Nobel Arustamyan als «Katastrophe».

>> aktuelle Entwicklungen in der Ukraine im Liveticker

Zu Beginn des Krieges habe er sogar eine Videobotschaft an Präsident Wladimir Putin aufgenommen mit der Bitte, den Krieg zu stoppen. «Ich bin bereit, vor Ihnen auf die Knie zu fallen», habe er darin gesagt. Doch russische Medien hätten die Botschaft nicht veröffentlichen wollen, sagte Denissow.

Igor Denisow nahm mit Russland an der WM 2014 teil.
Igor Denisow nahm mit Russland an der WM 2014 teil.bild: IMAGO / Xinhua

Denissow: Russisches Volk trägt Mitschuld am Krieg

Der ehemalige Kapitän des russischen Teams ist sich der Konsequenzen bewusst, die seine Aussagen in Russland nach sich ziehen könnten. «Ich weiss nicht, vielleicht werde ich für diese Worte eingesperrt oder getötet, aber ich sage es, wie es ist.»

Der 38-Jährige berichtet auch über seine Gefühlslage in der Zeit als der Krieg begann: «Meine Wahrnehmung von allem hat sich drastisch verändert. Ich habe nicht geschlafen. Ich habe wahrscheinlich vier Tage lang drei Stunden geschlafen. Ich war einfach schockiert.»

Igor Denissow hat kein Verständnis für den Angriffskrieg in der Ukraine.
Igor Denissow hat kein Verständnis für den Angriffskrieg in der Ukraine.bild: IMAGO / Russian Look

An dem Krieg trage die russische Bevölkerung eine Mitschuld, «denn wir schaffen es nicht, der Regierung unsere Sichtweise nahezubringen», sagte er.

Denissow: «Ich bin dagegen»

Den Einmarsch in die Ukraine hält Denissow für sinnlos: «Niemand kann es mir erklären. Vielleicht, weil ich nicht belesen bin, vielleicht, weil ich mich in Geschichte nicht gut auskenne, aber ich bin dagegen. Ich mag es nicht, wenn Menschen sterben. Ich kann dazu nicht mehr schweigen.»

Für Russlands Nationalteam bestritt Denisov zwischen 2008 und 2016 insgesamt 54 Länderspiele. Die meiste Zeit seiner Karriere verbrachte er bei Zenit St. Petersburg, gewann mit dem Klub 2008 die Europa League (damals noch Uefa Cup). Seine Laufbahn beendete er 2019 bei Lok Moskau.

Quellen:

((t-online,flv ))

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So sieht der neue «McDonald's» in Russland aus
1 / 10
So sieht der neue «McDonald's» in Russland aus
Menschen stehen im ehemaliges McDonald's-Restaurant in Moskau, an, um ihre Bestellung aufzugeben.
quelle: keystone / maxim shipenkov
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Russland witzelt über Atomkatastrophe Im eigenen Land
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Panne beim Ballon d'Or: Kane, Mbappé und Yamal zu Siegern gekürt
Am Montagabend wird die prestigeträchtige Fussballauszeichnung vergeben. Vor der offiziellen Bekanntgabe gibt es eine Panne. Ein Bayern-Star steht dabei im Fokus.
Die Fussballwelt blickt am Montagabend gespannt nach London. In Englands Hauptstadt findet die 70. Vergabe des Ballon d'Or, des besten Spielers der vergangenen Saison, statt. Der Gewinner des prestigeträchtigen Preises soll im Rahmen der Zeremonie im London Palladium Theatre verkündet werden. Schon Stunden zuvor verraten die Ausrichter den vermeintlichen Gewinner.
Zur Story