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Roger Federer, left, of Switzerland, greets Tommy Haas, of Germany, after Haas announced his retirement following Federer's quarterfinal match against Chung Hyeon at the BNP Paribas Open tennis tournament Thursday, March 15, 2018, in Indian Wells, Calif. (AP Photo/Mark J. Terrill)

2018 in Indian Wells erklärte Haas (rechts) seinen Rücktritt als Profi. Bild: AP

Interview

Federer-Freund Tommy Haas: «Jeder der drei Grossen will den Grand-Slam-Rekord»

Tommy Haas spielte einst gegen Roger Federer, heute sind sie Freunde. Wie der Deutsche Federers Chancen auf den Wimbledon-Titel einschätzt.

Simon Häring, Wimbledon / CH Media



Sie sind einer von nur drei Spielern, die Roger Federer auf Rasen zweimal besiegt haben. 2017 gewannen Sie gegen Federer auch Ihr letztes Spiel als Profi. Was ist das für ein Gefühl?
Tommy Haas:
Es ist ein schöner Zufall. Ich wäre ja auch sein erster Gegner gewesen, als er 1998 in Gstaad sein erstes ATP-Turnier spielte. Aber ich war am Tag vor dem Match erkrankt und musste mich die ganze Nacht hindurch übergeben. Rückblickend ist es schade, dass ich nicht antreten konnte. Dass ich fast zwanzig Jahre später meinen letzten Sieg gegen ihn feiern konnte, ist unglaublich. An diesem Tag passte nochmals alleszusammen. Einen Tag vorher kam meine Tochter an, die ich länger nicht mehr gesehen hatte. Diese Erinnerung kann mir keiner nehmen.

Inzwischen sind Sie und Roger Federer Freunde geworden. Wie kam es dazu?
Wir lernten uns besser kennen, weil Rogers Manager Tony Godsick früher auch mein Manager gewesen ist. Dann haben sich unsere Frauen sehr gut verstanden, und nun sind wir beide Familienväter. Die Kinder verstehen sich gut, wir unternehmen ab und zu etwas. Es gab immer mehr Gründe, sich zu treffen, die Freundschaft wurde enger.

epa01748216 Roger Federer of Switzerland (L) at the net with Tommy Haas of Germany whom he defeated in their fourth round match for the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 01 June 2009.  EPA/HORACIO VILLALOBOS

Ein Jahrzehnt ist's her: Federer schlägt Haas an den French Open 2009 und gewinnt später das Turnier. Bild: EPA

Was schätzen Sie an Roger Federer als Mensch?
Roger ist immer gut drauf. Man erwischt ihn nie in einem Moment, in dem er schlecht gelaunt ist. Zudem ist er sehr ausgeglichen. Generell ist er ein phänomenaler Typ. Da kann man nur den Hut ziehen. Viele könnten sich eine grosse Scheibe davon abschneiden.

Sie kennen selber auch, wie es ist, ständig im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Wie geht man damit um?
Bei Roger ist das noch einmal eine andere Dimension. Er ist ein Weltstar, einer der grössten Sportler, die es auf diesem Planeten gibt. Die Zeiten, in denen er einfach entspannt zum Nachtessen in die Stadt gehen konnte, sind vorbei. Dennoch ist er völlig normal geblieben. Ein Schweizer Junge, der keine Allüren hat. Wie er damit umgeht, ist für mich schon bewundernswert.

Die Viertelfinals

Auf dem Centre Court beginnt's um 14 Uhr mit Novak Djokovic – David Goffin. Im Anschluss spielt Roger Federer gegen Kei Nishikori.

Auf Court 1 duellieren sich Guido Pella und Roberto Bautista-Agut, ehe Rafael Nadal auf Sam Querrey trifft.

Federer wird im August 38 Jahre alt. Hätten Sie es für möglich gehalten, dass er in diesem Alter noch auf so hohem Niveau spielt?
Wenn Sie mich das vor zehn Jahren gefragt hätten, wahrscheinlich nicht. Aber wenn man ihn die letzten Jahreverfolgt hat, überrascht es mich nicht. Roger macht alles richtig. Der Körper hält, er ist mental in guter Verfassung. Er liebt dieses Leben, die Reisen und diese Momente. Roger ist diesbezüglich ein Phänomen.

Sie selber hatten oft mit Verletzungen zu kämpfen. Haben Sie sich nie gefragt, was möglich gewesen wäre?
Ich bin kein Neider. Es bringt nichts, zu viel darüber nachzudenken, was hätte sein können. Klar, hätte ich die eine oder andere Verletzung weniger gehabt, hätte ich die Chance gehabt, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, davon träumt man als Bub. Es hat nicht gereicht, und damit kann ich ganz gut leben.

Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic kamen ohne Probleme in die Viertelfinals. Überrascht Sie das?
Überhaupt nicht. Es sieht ganz danach aus, als dass wir wieder einen schönen Halbfinal zwischen Federer und Nadal erleben. Das will die Tenniswelt und die Sportwelt sehen. Und ich denke auch, dass Novak Djokovic dann im Final auf einen der beiden wartet. Es spricht nichts dagegen.

Auf wen würden Sie hier Ihr Geld setzen?
Verdammt schwer zu sagen. Ich würde es Roger natürlich von Herzen gönnen, wenn er hier noch einmal die Trophäe hochhalten könnte. Für mich ist aber Djokovic so etwas wie der Favorit. Auch Rafa spielt im Moment wieder sehr, sehr gutes Tennis. Gerade mit den Konditionen in diesem Jahr. Er hat hier eine gute Chance. Im Halbfinal würde ich allerdings Roger favorisieren.

Bild

Federer gestern im Training auf einem Nebenplatz. bild: atp tour

Wer hat am Ende der Karriere am meisten Grand-Slam-Titel: Federer, Nadal, oder Djokovic?
Djokovic ist 32 und körperlich sehr fit. Nadal hatte hie und da mit Verletzungen zu kämpfen, hat bei den French Open aber immer Chancen. Diese drei sind sehr ehrgeizig, und tief im Innern wollen sie am Ende der Karriere sagen können: ‹Ich habe die meisten Grand-Slam-Titel gewonnen.› Gerade für Roger ist es sehr wichtig, er wird 38 und hat nicht mehr so viele Chancen. Die anderen sind erheblich jünger und haben noch drei, vier gute Jahre und noch eine Menge Zeit, noch ein paar Major-Titel zu gewinnen. Es steht viel auf dem Spiel.

Denken Sie, Federer wird die Emotionen, die er auf dem Platz erlebt, vermissen, wenn er einmal zurücktritt?
Dieser Nervenkitzel, diese Nervosität, die Höhen und Tiefen, die man durchmacht, das Gefühl des Gewinnens. Das fehlt jedem Sportler nach der Karriere und ist für jeden schwierig. Bei Roger wird es nicht anders sein. Aber er hat auch neben dem Platz vieles, das ihm wichtig ist – wie seine Stiftung und zwei mal Zwillinge. Er wird das Leben auch nach dem Tennis geniessen.

Die besten Bilder aus Wimbledon

Ich will da keinen Strassenbanden-Groove haben

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