Lag nach einem umstrittenen Kampf sieben Monate im Koma: Boxer Prichard Colon ist tot
Mit 33 Jahren ist der einstige Profiboxer Prichard Colon verstorben. Dies teilte sein Vater und ehemaliger Trainer über die sozialen Medien mit: «Ich bedaure, euch das Ableben meines Sohnes Prichard mitzuteilen. Nun ist er an einem besseren Ort.»
Colon war vor über zehn Jahren ein grosses aufstrebendes Boxtalent. Die ersten 16 Profikämpfe in seiner Karriere entschied der Puerto-Ricaner für sich, bevor es zu einem fatalen Zwischenfall kam. Colon nahm kurzfristig einen Ersatzkampf an und traf am 17. Oktober 2015 auf Terrel Williams. Ein Kampf, der sein Leben für immer veränderte.
Colon dominierte von Beginn an, aber Williams wehrte sich mit regelwidrigen Schlägen. Colon meldete dem Ringrichter, dass ihm wiederholt auf den Hinterkopf geschlagen wurde. Erst in der siebten Runde wurde seinem Gegner ein Punkt abgezogen. Sogenannte «Rabbit Punches» sind im Boxen wegen der grossen Verletzungsgefahr für die Halswirbelsäule und den Hirnstamm nicht erlaubt.
Colon ging in der neunten Runde erstmals in seiner Karriere zu Boden – kämpfte aber noch weiter, bevor er erneut auf die Bretter geschickt wurde. Obwohl der Puerto-Ricaner einem Arzt sagte, dass ihm schwindelig ist, durfte er weiterkämpfen. Colons Ecke ging nach der neunten Runde davon aus, dass der Kampf beendet war, und zog ihm die Handschuhe aus. Colon wurde disqualifiziert, aber dies wurde schnell zur Nebensache.
Der Boxer fing in der Garderobe an zu erbrechen und verlor sein Bewusstsein. Er wurde direkt in ein Spital gefahren. Die Ärzte stellten eine Hirnblutung fest und Colon musste notoperiert werden. Da ein lebensbedrohlicher Druck auf seinem Gehirn lastete, musste der Schädel geöffnet werden, um diesen zu lindern. Insgesamt lag Colon über sieben Monate im Koma. Als er wieder erwachte, war er in einem vegetativen Zustand. Er konnte sich nicht mehr bewegen und auch nicht sprechen.
Colon startete zwar eine Reha, blieb aber sein Leben lang auf die Rundumbetreuung seiner Eltern angewiesen. Diese reichten eine Klage gegen den Ringarzt und die Veranstalter der Gala ein und forderten in dieser über 50 Millionen Dollar Schadenersatz. Bis heute kam es zu keinem Gerichtsprozess.
Sein damaliger Gegner Williams lebt mittlerweile zurückgezogen von der Öffentlichkeit und hat bis zu seinem Karriereende im Jahr 2019 nur noch wenige Kämpfe bestritten. Mehrmals betonte der US-Amerikaner, dass er Colon nicht vorsätzlich verletzt habe. (riz)
