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Leichtathletik-EM: Kälin ist so stark wie noch nie und möchte Gold

Annik Kaelin from Switzerland competes in the long jump event at the International Athletics Meeting in Lucerne, Switzerland, Thursday, July 16, 2026. (Gian Ehrenzeller/Keystone via AP)
Annik Kaelin
Annik Kälin gehört im Siebenkampf zu den Medaillenkandidatinnen.Bild: keystone

Ähnlichkeiten zu Ehammer und konstant: Kälin ist so stark wie noch nie und möchte Gold

Annik Kälin geht am Freitagmorgen an der EM in Birmingham als Topfavoritin im Siebenkampf an den Start. Die Schweizerin ist so stark wie noch nie und liebäugelt mit der magischen Marke von 7000 Punkten.
14.08.2026, 07:2914.08.2026, 09:46

Die Schweizer Top-Mehrkämpfer Annik Kälin und Simon Ehammer haben sozusagen das gleiche Profil: Beide sind extrem explosiv und entsprechend schnell, gehören sowohl im Mehrkampf als auch im Weitsprung zur Weltspitze und überzeugen zudem mit starken Leistungen im Hürdensprint. Kälin weist über 100 m Hürden in diesem Jahr mit 12,60 Sekunden gar eine bessere Bestzeit auf als Weltmeisterin Ditaji Kambundji (12,62). Die EM-Goldmedaille auf dieser Strecke ging am Dienstagabend in 12,67 Sekunden weg.

Allerdings stand für Kälin im Gegensatz zu Ehammer ausser Frage, dass sie in Birmingham im Siebenkampf an den Start geht, auch wenn die 26-jährige Bündnerin in der Halle im vergangenen Jahr an der WM und EM im Weitsprung Silber geholt hatte. Im Siebenkampf wurde sie an der EM vor vier Jahren in München ebenfalls Zweite. Es ist ihr bisher einziger Podestplatz im Freien an einem Grossanlass bei der Elite.

Von links: Jil Sanchez (TSV Steinen), Annik Kaelin (AJ TV Landquart) und Larissa Bertenyi (LC Bruehl Leichtathletik) im Final der 100 Meter Huerden der Frauen, an den Schweizer Leichtathletik Meisters ...
Über die Hürden zeigte Kälin in diesem Jahr sehr starke Leistungen.Bild: keystone

So gut wie noch nie

In Englands zweitgrösster Stadt tritt Kälin als Topfavoritin an. Obwohl sie sich im vergangenen November einer Fussoperation unterziehen musste, ist sie in diesem Jahr im Siebenkampf so gut wie noch nie. Ende Mai beim Sieg am prestigeträchtigen Mehrkampf-Meeting in Götzis steigerte sie ihren Schweizer Rekord, aufgestellt beim 4. Rang an den Olympischen Spielen 2024 in Paris, um 87 auf 6726 Punkte. Knapp einen Monat später in Ratingen erreichte sie dann gar 6819 Punkte. Von den gemeldeten Konkurrentinnen in Birmingham kommt ihr in diesem Jahr die Niederländerin Emma Oosterwegel mit 6705 Punkten am nächsten.

Kälins Erfolgsrezept tönt simpel: «Ich war gesund und hatte einfach Freude an den Wettkämpfen im Mehrkampf.» Zum Schweizer Rekord in Götzis sagt sie gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass sie vorher keine Wettkämpfe bestritten und dies schon noch ein bisschen gemerkt habe. Die Sicherheit in den Disziplinen habe sie natürlich noch nicht gehabt und habe nicht gewusst, ob der Körper die Strapazen über die zwei Tage vertrage.

Switzerland's third placed Annik Kaelin poses after the Women's Heptathlon at the 2022 European Championships Munich at the Olympiastadion in Munich, Germany, on Thursday, August 18, 2022. ( ...
In München gewann Kälin vor vier Jahren die Bronzemedaille.Bild: keystone

Das unterstreicht, auf welchem Niveau sich Kälin mittlerweile befindet. Sie führt dies auf ihre kontinuierliche Entwicklung zurück. «Betreffend Schnelligkeit habe ich mich in diesem Jahr nochmals gesteigert – und die Schnelligkeit ist zentral im Siebenkampf», sagt Kälin. «Zudem ist im Mehrkampf die Konstanz extrem wichtig. Die Ausreisser nach oben nimmt man natürlich gerne. Ansonsten gilt es, auch an einem schlechten Tag wirklich gute Leistungen zeigen zu können.» Dabei hilft ihr, dass ihre Technik dermassen gut ausgereift ist, sodass «ich gut reagiere, wenn ich körperliche Fortschritte erziele».

Ist ihr Aufbau mehr oder weniger stets derselbe? «Das Ziel ist immer, alle Disziplinen gut zu trainieren und sich dadurch sicher zu fühlen und die Routine zu behalten. Dann gibt es schon immer wieder Phasen, in denen man Schwerpunkte auf einzelne Disziplinen oder die Schnelligkeit legt.»

Kälin besitzt auch die Fähigkeit, gut mit Rückschlägen umzugehen. An der WM 2023 in Budapest musste sie den Siebenkampf nach zwei Disziplinen aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. An der letztjährigen WM in Tokio scheiterte sie im Weitsprung in der Qualifikation, nachdem eine einen Monat zuvor zugezogene Fussverletzung wieder aufgebrochen war. In der Folge musste sie auf den Siebenkampf verzichten – und es war dann wie erwähnt eine Operation notwendig. «Wenn etwas wirklich definitiv ist, kann ich rasch abschalten, versuche ich sogleich einen Plan zu machen und nach vorne zu schauen, woraus ich dann wieder Motivation schöpfe.»

Annik Kaelin of Switzerland reacts during the women's long jump competition as she suffers from pain in the ankle during day one of the World Athletics Championships Tokyo 2025 at the National St ...
Die WM in Tokio verlief enttäuschend.Bild: keystone

Zugute kommt Kälin dabei ihr Umfeld. Sie wird von ihrem Vater trainiert, der einen Hintergrund aus der Medizin mit physiotherapeutischem Wissen hat. Das Trainingswissen haben sie aufgebaut. «Es ist extrem wertvoll, wie wir miteinander kommunizieren, miteinander alles entscheiden. Das ist sicher zu einem grossen Teil ein Grund, dass es so gut funktioniert.» Eine bewusste Trennung von Sport und Privatem gibt es bei den beiden nicht. «Wir haben beide so Freude daran. Es ist ein Verschmelzen miteinander. Das ist unser aktuelles Leben. Es ist einfach schön, das als Vater und Tochter in diesem Alter erleben zu dürfen.»

Kälin greift nach 7000 Punkten

Im Siebenkampf sind 7000 Punkte eine magische Marke. Diese haben bisher erst fünf Athletinnen übertroffen, der Weltrekord der Amerikanerin Jackie Joyner-Kersee steht bei 7291 Punkten. Auf Platz 2 der ewigen Bestenliste liegt die Schwedin Carolina Klüft (7032) Bald ebenfalls diesem «Klub» anzugehören traut sich Kälin zu. «Man muss gross träumen. Ich sehe in vielen Disziplinen noch Potenzial. Zudem bin ich jetzt schon nah bei 7000 Punkten, wenn alles zusammenkommt. Wichtig ist, dass ich gesund bleibe.»

Und nun für die EM ist Gold das Ziel? «Im Siebenkampf kann sehr viel passieren. Das Niveau ist gerade europaweit extrem hoch im Moment. Deshalb unterschätze ich keine Athletin, die am Start ist. Aber ich mache sicher alles dafür, dass ich um Gold kämpfen kann.» Ihr «Pendant» Ehammer hat mit Silber im Weitsprung schon einmal zugeschlagen. Womöglich ein gutes Omen. (riz/sda)

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