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Sprintet Lea Sprunger heute über 400m Hürden zu einer WM-Medaille?
Sprintet Lea Sprunger heute über 400m Hürden zu einer WM-Medaille?Bild: KEYSTONE

Nach Kambundji will auch Sprunger eine Medaille – ewige Zweifel als Erfolgsrezept

Lea Sprunger glaubt im Final über 400 Meter Hürden an eine Medaille – weil der Trainer sagt, dass es möglich ist.
04.10.2019, 10:5804.10.2019, 13:24
rainer sommerhalder / ch media

Laurent Meuwly ist nicht zu beneiden. Denn der Trainer von Hürden-Europameisterin Lea Sprunger findet sich oft genug in der Rolle des Seelenmasseurs wieder. Seine Athletin ist anspruchsvoll, was die eigenen Erwartungen betrifft. Und die 29-Jährige ist äusserst ungeduldig, wenn sie diese Erwartungen nicht schnell genug erfüllt.

Etwa in dieser Saison, die aus Sprungers Sicht so harzig beginnt. Die Rückenschmerzen im Frühling dämpfen die Stimmungslage zusätzlich. Anstatt Fortschritte zu erzielen, müht sie sich mit Leistungen ab, die nicht ihren Ansprüchen entsprechen. Erst im WM-Vorlauf fällt die 55-Sekunden-Marke. Dabei möchte Sprunger in jedem Wettkampf schneller sein. Seit zwei Jahren nimmt sie nun Anlauf am Schweizer Rekord von Anita Protti. Bis vier Hundertstelsekunden ist die Waadtländerin vor zwei Jahren an die von Protti an der WM 1991 in Tokio gelaufenen 54,25 herangekommen. Aber eben, die Marke steht noch heute.

Bis vor drei Tagen hatte Sprunger ganz andere Dinge als diesen Rekord im Kopf. Sie musste ihre Zweifel überwinden, die zehn Hürden im vorgesehenen Rhythmus zu nehmen. Noch im Vorlauf verspürte sie unterwegs «Angst vor dieser Aufgabe».

«In den ersten sechs Trainingswochen nach dem EM-Titel schob ich richtig die Krise.»
Lea Sprunger

Inzwischen ist das Kopfkino überwunden, der Weg frei für das volle Risiko im Final. Selbst wenn Sprunger für eine Medaille eine Zeit auf die WM-Bahn zaubern muss, die sie noch nie gelaufen ist. Sie glaubt nun daran – auch dank Trainer Meuwly.

Vielleicht sind genau diese Selbstzweifel ein Erfolgsrezept von Lea Sprunger. Denn das schlimmste Tief erlebte die 29-Jährige ausgerechnet im Anschluss an ihren grössten Erfolg. Nach EM-Gold kam im vergangenen Jahr der Winter-Blues. «In den ersten sechs Trainingswochen schob ich richtig die Krise. Ich fragte mich, wieso ich das überhaupt mache, was meine Ziele sind.» Sie musste sich auf die Suche nach einer neuen Motivation machen, «raus aus der Komfortzone kommen».

Gelandet ist sie bei den Zweifeln, die Anzahl Schritte zwischen den Hürden nicht zu schaffen. Auch mit dem Gefühl, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein, kann man diese Zone verlassen.

In Richtung Olympische Spiele in Tokio will Sprunger einiges ändern, denn der Wechsel von Laurent Meuwly als Trainer ins Leistungszentrum der Niederländer hat einiges verändert. «Im nächsten Jahr leiste ich mir eine feste Wohnung», sagt sie. «Immer wieder neu eine Unterkunft zu suchen und immer alles ein- und auspacken bedeutete viel Stress.» Ein wenig Komfort gönnt sich selbst Lea Sprunger.

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