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Swiss Tom Luethi celebrates after his second place at the Moto2 Catalunya Motorcycle Grand Prix at the Barcelona Catalunya racetrack in Montmelo, near Barcelona, Spain, on Sunday June 16, 2019. (AP Photo/Joan Monfort)

Lüthi läuft's – er führt die Moto2-WM an. Bild: AP

Die Statistik sagt, dass Tom Lüthi zum zweiten Mal Weltmeister wird

Tom Lüthis goldener Karriereherbst ist eines der erstaunlichsten Comebacks der gesamten GP-Geschichte. Und die Aussichten sind rosig.

Klaus Zaugg, Sachsenring



Ein Schweizer wird in einer offiziellen Zeremonie auf dem Sachsenring in Deutschland ganz offiziell zur Töff-Legende gekürt. Und einer ist drauf und dran, eine Legende zu werden.

Stefan Dörflinger (70) wird am Freitag als erster Schweizer in die «Hall of Fame» aufgenommen. Er hat zwischen 1982 und 1985 vier Mal hintereinander die damals kleinste WM-Klasse (50 bzw. 80 ccm) gewonnen.

Töff-Legende Stefan Dörflinger

Bis zur einer solchen Ehrung muss sich Tom Lüthi noch ein paar Jahrzehnte gedulden. Seine Chancen stehen gut, dass er dereinst als zweiter Schweizer offiziell zur Legende erklärt wird.

Aber eigentlich hat er diesen Adelsstand schon erreicht. Wer Assen als WM-Leader verlassen hat, ist seit der Einführung der Moto2-WM (2010) mit einer Ausnahme (2013 Scott Redding wegen Sturzverletzungen) auch Weltmeister geworden.

Der Stand in der Moto2-WM nach dem GP von Assen:

Bild

Tom Lüthi ist vor einer Woche also als WM-Leader aus Holland abgereist, damit statistisch WM-Favorit und versucht am Sonntag auf dem Sachsenring, seine Spitzenposition zu verteidigen.

Fahrende Legende

Ganz unabhängig davon, ob es ihm schliesslich gelingen wird, zum zweiten Mal nach 2005 (125 ccm) Weltmeister zu werden: Sein goldener Karriereherbst ist schon jetzt so oder so eines der erstaunlichsten Comebacks in der gesamten GP-Geschichte (seit 1949) und macht ihn zur fahrenden Legende.

Lüthis Karriere beginnt so richtig am 13. Juni 2003 mit dem ersten Podestplatz (2./125 ccm) in Barcelona. Dieser Blick zurück ist aufschlussreich. Von den insgesamt 84 Piloten, die damals in den drei Klassen ihre Höllenmaschinen an den Start gerollt haben, sind heute nur noch fünf aktiv: Valentino Rossi (40), Jorge Lorenzo (32), Andrea Dovizioso (33), Simone Corsi (32) und eben Tom Lüthi (32).

Der knapp 16-jaehrige Motorradrennfahrer Thomas Luethi beim Spiel mit der Playstation in seinem Zimmer in Linden im Emmental, aufgenommen am 3. September 2002. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) : Film]

Da ist er noch ein Bub: Lüthi in seinen Anfangsjahren in der Töff-WM. Bild: KEYSTONE

Eine Rolle im Titelkampf spielen diese Saison nur noch Dovizioso (WM-2. MotoGP) und Lüthi. Rossi und Lorenzo stecken in der grössten Krise ihrer Laufbahn und Corsi (WM-21.) ist in der Moto2-WM nur noch ein Hinterherfahrer.

Der goldene Karriereherbst von Tom Lüthi ist auch deshalb erstaunlich, weil er in seiner Karriere arg gelitten und sich seit dem GP-Debüt 2002 auf dem Sachsenring (26./125 ccm) so ziemlich jede Verletzung zugezogen hat, die einem Rennfahrer blühen: Unter anderem Becken-, Ellenbogen-, Hand- und Beine- und mehrere Male das Schlüsselbein gebrochen.

Von der Leidenschaft getrieben

Aber er denkt nicht an Rücktritt. Er sagt, das Alter spiele keine Rolle: «Entscheidend ist die Leidenschaft für den Rennsport. Und die ist bei mir so gross wie am Anfang.» Das mag banal tönen. Aber genau das ist es: Alle Grossen in allen Sportarten werden von einer Leidenschaft für ihre Sache getrieben.

Inzwischen zeigt sich: Das völlig missglückte MotoGP-Abenteuer der letzten Saison – kein WM-Punkt - hat seine Karriere neu lanciert. Diese Schmach hat ihn tief im Stolz getroffen. Jetzt hat er eine Mission: Die Rehabilitation.

epa07651746 Spanish Moto2 rider of Estrella Galicia 0'0 Kalex Alex Marquez (R) in action ahead of Swiss rider of Dynavolt Intac GP Kalex team Thomas Luethi (L) during the Motorcycling Grand Prix of Catalunya at the Circuit de Barcelona-Catalunya in Montmelo, near Barcelona, Spain, 16 June 2019.  EPA/ALEJANDRO GARCIA

Lüthi vor seinem schärfsten Rivalen, dem Spanier Alex Marquez. Bild: EPA/EFE

Sie ist ihm bisher eindrücklich gelungen. Die Mischung aus Erfahrung (er ist neun und mehr Jahre älter als alle anderen Moto2-Titelanwärter) und Leidenschaft ist perfekt.

Ein Erfolg am Sonntag auf dem Sachsenring (wo er noch ohne Sieg ist) hätte einen ganz besonderen Wert: Er käme dann auch auf 18 Siege. Auf genau gleich viele wie Stefan Dörflinger.

Alle Schweizer Töff-GP-Sieger

Diese Idee sorgt für Zündstoff

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