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ZUM 85. GEBURTSTAG DES EHEMALIGEN SCHWEIZER MOTORRADRENNFAHRERS LUIGI TAVERI AM FREITAG, 19. SEPTEMBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - TV-Sportreporter Karl Erb waehrend einem Interview mit dem mehrfachen Motorradweltmeister Luigi Taveri auf seiner Honda im November 1973. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Luigi Taveri 1973 im Interview bei Sportreporter Karl Erb. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Luigi Taveri – der letzte Gentleman

Luigi Taveri ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Er war viel mehr als der erfolgreichste Schweizer Motorradpilot aller Zeiten. Mit ihm hat der Rennsport eine der grössten und beliebtesten Persönlichkeiten, den letzten Gentleman verloren.



Wir werden Luigi Taveri mit der Aufzählung seiner Erfolge nicht gerecht. Er ist im Laufe seiner Karriere durch seine zurückhaltende, bescheidene und freundliche Art zu einer weltweit verehrten Rennsportlegende geworden. Ja, er war auf eine ganz besondere Art und Weise der letzte Gentleman dieses so rauen Sportes. Der letzte seiner Art. Eine Begebenheit mag zeigen, welchen Respekt er genossen hat.

Im Frühjahr 1966 trat Luigi Taveri nach seinem dritten WM-Titel zurück. Honda hatte ihm eine hochdotierte Vertragsverlängerung angeboten. Er bedankte sich schriftlich für diese Offerte und bedauerte, dass er Honda nicht mehr dienen könne. Es sei für ihn Zeit, aufzuhören.

ZUM 85. GEBURTSTAG DES EHEMALIGEN SCHWEIZER MOTORRADRENNFAHRERS LUIGI TAVERI AM FREITAG, 19. SEPTEMBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Der Schweizer Motorradfahrer Luigi Taveri bei der Siegerehrung zu seinem Sieg im Grand Prix der Tschechoslowakei am 26. August 1962. Taveri wurde 1963, 1964 und 1966 Weltmeister in der 125ccm Klasse. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Luigi Taveri ist am 1. März im Alter von 88 Jahren an den Folgen eines Gehirnschlages verstorben. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Firmen-Gründer Soichiro Honda, mit dem Schweizer in persönlicher Freundschaft verbunden, ordnete an, den offerierten Betrag trotzdem auszahlen. Und zudem stellte ihm Honda eine Rennmaschine kostenlos zur Verfügung. Falls er doch noch Lust auf ein paar Rennen haben sollte.

Die Erfolge von Luigi Taveri

Luigi Taveri ist Schweizer Rekordhalter.
1962, 1964 und 1966 hat er für Honda die 125er-WM gewonnen. Bei 143 GP-Starts holte er auf MV Agusta und Honda zwischen 1956 und 1966 30 Siege und 89 Podestplätze in den Klassen 50, 125, 250 und 350 ccm. Er ist der einzige Fahrer, der in allen zu seiner Zeit gefahrenen Klassen WM-Punkte holte – einschliesslich bei den Seitenwagen als Beifahrer von Hans Haldemann 1954 mit einem sechsten Platz beim letzten GP von Bern.

Ein Jahr nach dem Rücktritt lud Soichiro Honda seinen Freund und dessen Familie zu einer grossen Abschiedsfeier ein. Ein würdiges Bild musste die Festivitäten bezeugen. Der Gründer des weltgrössten Motorradherstellers bat Luigi Taveri in einen thronartigen Sessel, setzte sich selber bescheiden auf die Armlehne. Die Familie Taveri – Ehefrau Tilde, Taveri junior und Tochter Blanca gruppierten sich um den Sessel. Luigi Taveri war 1961 zu Honda gekommen. Nicht zuletzt dank seiner Gattin Tilde. Sie war auch seine Managerin und hatte Soichiro Honda per Luftpost-Brief die Dienste ihres talentierten Gatten anempfohlen.

UNITED KINGDOM  :  Swiss rider Taveri at the start of the 250 cc race.  (Photo by SSPL/Getty Images)

Bild: SSPL

Als Boxenluder noch feine Ladys waren

Der Horgener hat seine Karriere nie glorifiziert. Es wäre ihm peinlich gewesen, sich selber zu rühmen. Wenn er erzählte, hielt er manchmal inne. Und sagte fast entschuldigend: «Das Leben findet in der Gegenwart statt, nicht in der Vergangenheit.»

Aber er sprach gerne über die alten Zeiten. Er war ein wunderbarer Erzähler und konnte die guten alten Zeiten aufleben lassen, als jedes Boxenluder eine feine Lady und jeder Fahrer ein Held und ein echter Gentleman war. Und es blitzte in seinen Augen, wenn er sich erinnerte, wie er seine Karriere Anfang der 1950er-Jahre in Locarno in einem «Hausecken-Rennen» begann.

Als «Nobody» gelang es ihm, den eigentlich unbesiegbaren italienischen Titanen und MV Agusta-Werkfahrer Nello Pagani, den Valentino Rossi seiner Zeit, zu besiegen. Zusammen mit seinen Mechanikern musste der Star bei seinem Arbeitgeber Graf Domenico Agusta zum Rapport antreten und über diese ungeheuerliche «Schmach von Locarno» berichten. Bald darauf war Luigi Taveri Werksfahrer für MV Agusta.

Er erzählte auch von den dunklen Seiten der «Belle Epoque». Vom mörderischen Rennen auf der Isle of Man, das erst 1977 aus dem GP-Kalender gestrichen wurde und wo heute ohne WM-Status gestorben wird.

ZUM 85. GEBURTSTAG DES EHEMALIGEN SCHWEIZER MOTORRADRENNFAHRERS LUIGI TAVERI AM FREITAG, 19. SEPTEMBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Der Schweizer Motorradfahrer Luigi Taveri faehrt an der Tourist Trophy auf der Isle of Man, auf einer 125er Honda aus einer Kurve bei der Quarter Bridge, aufgenommen am 12. Juni 1961. Er belegte den zweiten Platz. Taveri wurde 1962, 1964 und 1966 Weltmeister in der 125ccm Klasse. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Luigi Taveri 1961 auf der Isle of Man im Einsatz. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

An einem Montag im Jahre 1962 sei sein Freund Tom Phillis tödlich verunglückt, am Dienstag auf dem Friedhof gleich neben dem Start begraben worden und am Mittwoch sei man zum nächsten Rennen angetreten. Es war die Zeit, als es aus den lokalen Gärtnereien jeden Tag Kränze gab. Mal für die Sieger, mal für die Toten. Und auch dort, auf der Isle of Man, ist er als Legende verehrt worden. Er hat das gefährlichste Rennen der Welt dreimal gewonnen. Als einziger Nicht-Brite durfte er den Klub der Rennfahrer der Isle of Man präsidieren.

Kein Recht, auch nur einen Tag missmutig zu sein

Luigi Taveri war einer der komplettesten Rennfahrer seiner Epoche. Er brachte alle Voraussetzungen mit: eine ideale Jockey-Figur (162 cm/58 kg), Leidenschaft, eine eiserne Disziplin und technisches Verständnis.

ZUM 85. GEBURTSTAG DES EHEMALIGEN SCHWEIZER MOTORRADRENNFAHRERS LUIGI TAVERI AM FREITAG, 19. SEPTEMBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Der Schweizer Luigi Taveri, links, dreifacher Motorrad-Weltmeister gibt an einer, vom Sportreporter Sepp Renggli moderierten Pressekonferenz am 6. November 1967 in Zuerich, seinen Ruecktritt als Motorradrennfahrer bekannt. Taveri wurde 1962, 1964 und 1966  Weltmeister in der 125ccm Klasse. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Krebs)

Luigi Taveri 1967 bei der Bekanntgabe seines Rücktritts als Motorradrennfahrer mit Sportreporter Sepp Renggli.  Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Er war für Honda nicht nur ein erfolgreicher Rennfahrer, sondern auch der wichtigste Testpilot. Sein Anteil an den ersten 18 WM-Titeln, die Honda nach dem Einstieg ins GP-Geschäft im Jahre 1959 zwischen 1961 und 1967 feiern durfte, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Luigi Taveri hat seinen Traum gelebt und war immer von einer tiefen Dankbarkeit erfüllt. Er war nach seinem Rücktritt auch beruflich mit der Gründung einer Karosserie-Werkstatt in Wädenswil erfolgreich. Sie existiert noch heute unter seinem Namen.

ZUM 85. GEBURTSTAG DES EHEMALIGEN SCHWEIZER MOTORRADRENNFAHRERS LUIGI TAVERI AM FREITAG, 19. SEPTEMBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Luigi Taveri, ehemaliger Schweizer Motorrad-Weltmeister in der 125 ccm-Klasse 1962, 1964 und 1966 auf Honda, posiert am 3. November 2005 in seiner Werkstatt in Waedenswil auf seiner damaligen Weltmeistermaschine im Motorrad-Kombi. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Taveri 2005 in seiner Werkstatt in Wädenswil. Bild: KEYSTONE

Er lebte nie in Saus und Braus, blieb bescheiden, investierte das Geld klug, das er mit dem Rennsport verdient hatte und blieb mit beiden Beinen auf dem Boden. Seit 1968 lebte er mit seiner Familie in Samstagern. 2015 konnte er mit seiner Frau den 60. Hochzeitstag feiern. Oft hat er gesagt: «Ich habe soviel Glück gehabt, dass ich in 20 Jahren Rennsport von schweren Verletzungen verschont geblieben bin. Ich habe nicht das Recht, auch nur einen Tag missmutig zu sein.»

2006 hat er im Alter von 77 Jahren in zwei Wochen mit dem Mountainbike, begleitet von seiner Frau und Tochter Blanca, die 936 Kilometer des Jakobsweges von der französisch-spanischen Grenze nach Santiago de Compostela zurückgelegt. «Aus Dankbarkeit für das Leben, das ich erfahren durfte.»

Luigi Taveri ist am 1. März im Alter von 88 Jahren an den Folgen eines Gehirnschlages verstorben.

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