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«Dürfen wir sagen, dass ihre Freundin mit ihrem Dressurpferd besser zurechtkommt als Sie mit der Suter-Maschine?»

Bei Tom Lüthi ist der Wurm drin. 
Bei Tom Lüthi ist der Wurm drin. Bild: Lukasz Swiderek/freshfocus
Interview mit Tom Lüthi

«Dürfen wir sagen, dass ihre Freundin mit ihrem Dressurpferd besser zurechtkommt als Sie mit der Suter-Maschine?»

Tom Lüthi spricht im Interview über seinen Unfall in Mugello und die schwierigste Situation seiner Karriere. 
01.06.2014, 22:0702.06.2014, 09:23
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Was ist genau passiert?
Tom Lüthi:
Ich fuhr eingeklemmt zwischen Viñales und Nakagami. Viñales ist ins Heck meiner Maschine gefahren und ich bin gestürzt. 

Wie schlimm ist die Verletzung? 
Ich bin mit dem rechten Ringfinger irgendwie unter dem Motorrad hängen geblieben. Im ersten Moment spürte ich nichts, ich war noch voller Adrenalin. Aber dann ist das Blut aus dem Handschuh gelaufen. Der rechte Ringfinger ist vorne zweimal gebrochen und der Fingernagel wurde abgerissen. 

Können Sie mit dieser Verletzung in zwei Wochen in Barcelona fahren? 
Nach der ersten Diagnose meiner Ärzte sollte es gehen. Aber ich kann die so wichtigen Testfahrten am Dienstag hier in Mugello nicht machen. Dabei hätten wir die jetzt nötiger denn je. Nun fahre ich halt am Dienstag nach Hause. 

Sie fahren nach Hause? Mit diesem gebrochenen Finger? 
Ja, das geht schon. Ich habe schmerzstillende Spritzen bekommen und die fahrende Klinik bleibt ja noch hier für die Tests.

Aber es sind doch um die 600 Kilometer von hier bis nach Oberdiessbach.
Das ist kein Problem. Ich habe ein Auto mit Automatikschaltung. 

Der Sturz war heftig, aber in Barcelona sollte Lüthi wieder am Start stehen.
Der Sturz war heftig, aber in Barcelona sollte Lüthi wieder am Start stehen.Bild: David Goldman/freshfocus

Ist denn niemand da, um Sie heimzufahren? 
Wenn nötig schon. Aber es geht und ich fahre ganz gerne alleine nach Hause. So kann ich Musik hören und meinen Gedanken nachhängen. 

Sie sind zwar durch Fremdeinwirkung gestürzt. Aber Sie sollten eben auch nicht aus der dritten Startreihe losfahren. Sie haben so weit hinten im Feld gar nichts verloren. 
Das ist richtig. Ich habe nach dem Start alles versucht um sofort weiter nach vorne zu kommen. Aber es ging einfach nicht. Ich konnte nicht überholen. 

Erlauben Sie mir eine sarkastische Bemerkung? 
Nur zu. 

Wir dürfen sagen, dass Ihre Freundin Fabienne Kropf mit ihrem Dressurpferd Fürst Louie wesentlich besser zurechtkommt als Sie mit der Suter-Maschine.
Das dürfen Sie so sagen. Fabiennes Leistungen im Dressurreiten sind wirklich erstaunlich. Sie hat dieses Pferd ausgebildet. 

Fabienne Kropf beherrscht ihr Dressurpferd besser, als Freund Tom Lüthi seine Maschine.
Fabienne Kropf beherrscht ihr Dressurpferd besser, als Freund Tom Lüthi seine Maschine.Bild: KEYSTONE

Aber Sie kommen mit der Suter nicht zurecht. Warum nicht? 
Ich weiss es nicht. Wenn ich es wüsste, würden wir nicht in dieser Situation stecken. 

Die Computer zeichnen ja die leiseste Bewegung Ihrer Maschine auf. Nichts bleibt verborgen. Dann müsste es doch möglich sein, die Daten auf den Tisch zu legen und daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. 
So ist es tatsächlich. Aber wir finden die Lösung nicht. Ich kann einfach nicht schneller fahren. 

Sie wirken ratlos. 
Ja, ich bin ratlos.  

Tom Lüthi ist ratlos.
Tom Lüthi ist ratlos.Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Müssten Sie die Marke wechseln. Von Suter auf die Kalex. 
Nein, das ist kein Thema. Jetzt kommen viele und schimpfen über die Suter. Aber Sie haben von mir noch nie ein schlechtes Wort über die Suter gehört. Die Zusammenarbeit mit Eskil Suter und seinen Technikern ist sehr gut. Wenn wir etwas brauchen, dann bekommen wir es. Gemeinsam kommen wir aus dieser Krise heraus und deshalb ist es doppelt schade, dass wir hier am Dienstag nicht testen können. 

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, einige Leute im Team auszuwechseln? 
Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage. Wir vertrauen uns gegenseitig und wir arbeiten seit 2010 sehr gut zusammen. 

Steckten Sie im Laufe Ihrer Karriere schon mal in einer so schwierigen Situation? 
Nein, noch nie. Und Sie hören ja aus meinen Antworten heraus, dass ich wirklich ratlos bin. 

Der Schritt von Ratlosigkeit zu Verunsicherung ist nicht weit. In einem Beruf, in dem Sie jeden Tag Ihre Gesundheit aufs Spiel setzen ist Verunsicherung gefährlich. 
Ja, das stimmt. Ich bin zwar ratlos. Aber ich bin nicht verunsichert. Ich kann im Training ans Limit gehen, ich spüre was mit dem Motorrad passiert und kann die entsprechenden Informationen an meine Techniker weiter geben. Dieses Selbstvertrauen ist das, woran ich mich jetzt festhalte. Ich habe das Fahren nicht verlernt. 

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