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Formel-1-Pilot Romain Grosjean schildert bei «Gredig direkt» ausführlich, wie er seinen Unfall erlebt hat. bild: screenshot srf

Grosjean über Feuer-Unfall: «Ich war im Frieden mit mir selbst und bereit zu sterben»



Die Bilder gingen um die Welt: Beim GP von Bahrain am 29. November 2020 krachte Formel-1-Pilot Romain Grosjean mit seinem Haas frontal in eine Leitplanke. Erst nach 28 langen Sekunden entkam der 34-jährige Franzose dem Flammen-Inferno. In der SRF-Sendung «Gredig direkt» erzählte der Wahl-Genfer am Donnerstag ausführlich, wie er im brennenden Cockpit schon mit dem Leben abgeschlossen hatte, warum er sich doch noch retten konnte und wie es ihm heute geht.

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Der Unfall von Romain Grosjean bei GP von Bahrain. Video: YouTube/FORMULA 1

Romain Grosjean ...

... über den Moment des Unfalls:

«Es war ein massiver Aufprall. Meine Beschleunigungssensoren haben 59G im rechten Ohr und 57G im linken registriert. Ich weiss bis heute nicht, warum ich nicht das Bewusstsein verloren habe. Das hat mir das Leben gerettet, sonst wäre ich wahrscheinlich verbrannt.»

... über seine erste Gedanken:

«Nach dem Aufprall habe ich den Sicherheitsgurt gelöst und wollte aus dem Auto springen. Doch da wurde mir bewusst, dass ich feststecke. Ich hatte keine Ahnung, wo oben und unten ist. Es war dunkel. Also dachte ich, ich warte einfach, bis jemand zu Hilfe kommt. Und dann sah ich plötzlich all das Orange und Gelb um mich herum. Ich dachte: ‹Okay, ich brenne, ich habe keine Zeit zu warten.›»

... was ihm dann durch den Kopf ging:

«Ich dachte, ich darf nicht wie Niki Lauda enden, der 1976 ja auch im Feuer gefangen war. Ich versuchte ein letztes Mal, mich zu befreien, aber erfolglos. Dann kam der Moment, als ich ruhig wurde. Ich sagte mir: ‹Das war's.› Ich dachte, ich werde sterben. Ich war bereit dafür. Ich war im Frieden mit mir selbst und wirklich bereit zu sterben. Ich fragte mich sogar, wo ich zuerst brennen würde. Doch dann dachte ich an meine drei Kinder und sagte mir: ‹Nein, sie sollen nicht ohne ihren Vater leben.›»

... wie er sich befreien konnte:

«Ich versuchte meinen Kopf nach links zu drehen und meinen Körper durch die Rotation frei zu bekommen. Doch mein Fuss war noch eingeklemmt. Ich musste also noch einmal zurück und schaffte es schliesslich, den Fuss aus den Pedalen zu befreien. So konnte ich dann rausspringen. Ich wusste, dass meine Hände brannten, ich konnte den Schmerz fühlen. Aber das war alles unwichtig.»

... wo er sich die Hände verbrannte:

«Es war, als ich aus dem Auto stieg. Meine roten Handschuhe waren plötzlich schwarz. Da weisst du, dass sie brennen.»

... wie es ihm heute geht:

«Mir geht es sehr gut. Der Körper erholt sich sehr gut, wenn man bedenkt, was er durchgemacht hat. An drei Prozent meiner Haut gab es kleinere und grössere Verbrennungen. Betroffen war vor allem die linke Hand. Zunächst sah es so aus, als ob man Haut von einem anderen Körperteil transplantieren muss, aber dazu kam es zum Glück nicht. Das Leben ist in meine eigene Haut zurückgekehrt.»

... wie es weitergeht:

«Ich habe noch viel Aufbauarbeit vor mir. Wenn ich am Morgen aufwache, ist es jeweils nicht einfach, meine Hände und Finger zu bewegen. Die Schmerzmittel habe ich abgesetzt, das ist für mich ein wichtiger psychologischer Schritt. Ich brauche keine Medizin mehr. Ich bewege meine Finger sicher 3000 Mal am Tag, um die Beweglichkeit zurück zu erlangen. Denn etwas ist für mich klar: Ich habe mit dem Motorsport noch lange nicht abgeschlossen.»

«Gredig direkt» – das komplette Gespräch mit Romain Grosjean. Video: SRF

... wie er heute über den Unfall denkt:

«Ich kann problemlos über den Unfall sprechen und ich habe keine Albträume. Er wird zwar immer Teil meines Lebens bleiben und auch die Narben an den Händen bleiben, aber damit hat es sich. Was mir am meisten zu schaffen machte, war, wie meine Frau vor dem Fernseher sass und dachte: ‹Wie sage ich es den Kindern bloss, wenn ihr Papa jetzt stirbt?›»

... über seine nächsten Ziele:

«Ich denke das Kapitel Formel 1 ist endgültig abgeschlossen. Ich habe das jetzt zehn Jahre gemacht und hatte viel Spass. Ich würde nichts ändern. Aber einfach nur mitzufahren und keine Chance auf den Sieg zu haben, weil man nicht das beste Auto hat, interessiert mich nicht. Doch es gibt noch viele andere spannende Optionen. Zum Beispiel das 24-Stunden-Rennen in Le Mans und auch die Dakar-Rallye ist noch auf meiner Liste.»

(pre)

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