Seit sechs Spielen ohne Sieg: Manchester United und der Druck auf Carrick
Die vergangene Woche begann für Manchester United mit einer 0:2-Niederlage bei Atletico Madrid in der Champions League. Danach kritisierte Verteidiger Lisandro Martinez die Klubführung offen. Er erwarte mehr Unterstützung, sagte er, und sprach eine Person explizit an: «Ich erwarte mehr von unserem Sportdirektor.» Gemeint war Jason Wilcox. ManUnited hatte im Sommer über 170 Millionen Euro ausgegeben. Trainer Michael Carrick nahm Martinez in Schutz: Er gebe sein Bestes auf dem Platz.
Lisandro Martínez did NOT hold back after United's loss to Atletico 😬👀 https://t.co/OGo25Pzd30
— Prime Video Sport UK (@primevideosport) October 13, 2026
Nach einem Gespräch mit Klubführung und Trainer entschuldigte sich Martinez dann. Laut Medienberichten wurde er mit einer Busse belegt, bestätigt ist das nicht. Carrick stellte vor dem Spiel in Leeds klar, dass das Thema abgehakt sei. Am gestrigen Sonntag stand Martinez dann auch wieder in der Startformation.
Der Trainer nominierte ihn als Teil der neuen Dreierkette, was aber nicht die einzige Veränderung war. Captain und Spielmacher Bruno Fernandes lief nämlich als falsche Neun auf. Zu Beginn schienen Carricks Kniffe zu greifen.
Historisch schlechter Saisonstart
ManUnited begann gut, ging mit einer knappen Führung in die Pause. Doch in der zweiten Halbzeit kam Leeds United nach einer Ecke früh zum Ausgleich. In der Folge waren die Gastgeber das deutlich bessere Team. ManUnited kam nur noch zu einem Torschuss und hatte am Ende 39 Prozent Ballbesitz aufzuweisen. Trotz der mangelnden Durchschlagskraft in der Offensive verzichtete Carrick darauf, einen Mittelstürmer zu bringen.
Innenverteidiger Harry Maguire forderte danach, dass sein Team mit dem Ball mehr Qualität zeigen müsse. Gary Neville, früher selbst United-Spieler und heute TV-Experte, sah im Remis trotzdem einen kleinen Fortschritt: «Der Standard ist derzeit gedrückt, die Erwartungen sind tief», sagte er. Das 1:1 könne sich für Carrick aber wie ein Zwischenschritt anfühlen.
Insgesamt ist die Krise von Manchester United schon fast historisch. Erstmals seit der Saison 1986/87 stehen die Red Devils nach sieben Partien mit nur einem Sieg da. Wettbewerbsübergreifend sind es in zehn Spielen nur zwei Erfolge. Carrick sei sich bewusst, dass es derzeit nicht gut aussehe, doch lobte er das Engagement und die Entschlossenheit des Teams. «Es hat sich angefühlt wie ein Neustart», gab sich Carrick hoffnungsvoll. Wenn die Spieler weiterhin die richtigen Dinge tun würden, «werden wir bekommen, was wir verdienen».
Trotz der guten Ansätze bleiben aber Probleme. So wartet Captain Bruno Fernandes, in der Vorsaison Spieler der Saison mit einem Rekord von 21 Assists, in den sechs sieglosen Spielen auf ein Tor oder einen Assist. Gegen Leeds spielte er in einer ungewohnten Position als falsche Neun, die aber auch auf den Flügel rausrückte. Neville sieht unter anderem darin, dass der beste Spieler nicht auf seiner bevorzugten Position spielen könne, ein Zeichen für die Probleme des Teams.
🗣️ "When you're moving your best player, you know that you're struggling." Gary Neville on Bruno Fernandes being moved out to a wide position for Manchester United. https://t.co/aj689LbTuU
— Sky Sports Premier League (@SkySportsPL) October 18, 2026
Wo liegt das Problem?
Mit einem breiteren Kader hätte Carrick mehr Optionen. Auf der linken Abwehrseite hat er keine feste Besetzung. In zehn Pflichtspielen kamen dort bisher fünf Spieler zum Einsatz. Dazu gehören neben Luke Shaw, Patrick Dorgu und Noussair Mazraoui, auch der gelernte Innenverteidiger Ayden Heaven und Diogo Dalot, der sonst rechts spielt.
Gegen Atletico fehlten Shaw, Dorgu und Mazraoui. In Leeds fehlten mit Shaw und Dorgu zwei der Optionen erneut. So muss Carrick jeweils experimentieren. Auch die fehlende Konstanz in der Startformation dürfte nicht gerade leistungsfördernd sein.
In den Augen der Kritiker führt eine Mischung aus all diesen Faktoren zur neusten Krise von Manchester United. Den Trainer, der seine Linie noch sucht, entlasten unter anderem ein Kader mit Lücken und eine Vereinsführung, die bei den Transfers trotz hoher Ausgaben nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen hat. Klar ist dennoch: Fürs Erste muss Carrick nun die Antwort auf dem Platz geben.
Als Nächstes hat United die schwierige Aufgabe am Mittwoch bei Como in der Champions League zu triumphieren und am Samstag folgt in der Premier League Bournemouth. (car)
