Carrick vor dem Aus – holt Manchester United jetzt Nagelsmann?
In der Trainer-Tombola hat Manchester United die nächste Niete gezogen. Nach David Moyes, Louis van Gaal, José Mourinho, Ole Gunnar Solskjaer, Ralf Rangnick, Erik ten Hag, Ruud van Nistelrooy und Ruben Amorim ist auch Michael Carrick gescheitert. Seit dem Abgang von Sir Alex Ferguson vor mittlerweile 13 Jahren wartet ManUtd auf einen Erlöser.
Carrick war als Spieler 464 Mal für United aufgelaufen und hatte im Januar interimistisch übernommen. Er führte das Team auf Rang 3 und in die Champions League, was die Hoffnung nährte, dass im Old Trafford endlich wieder erfolgreichere Zeiten einkehren. Carrick wurde mit einem Vertrag bis 2028 ausgestattet – und gewann in dieser Saison bloss zwei Spiele, gegen Sabah aus Aserbaidschan in der Champions League und gegen Aufsteiger Ipswich in der Liga.
Mittlerweile liegen diese beiden Siege schon sechs Wochen zurück. Acht Spiele wartet Manchester United nun schon auf den nächsten Dreier. Zuletzt kassierte es eine 1:4-Niederlage in Como und am Sonntag leistete es sich die Peinlichkeit einer 0:3-Heimpleite gegen Bournemouth. Das stolze Manchester United hat gerade mal einen Punkt Vorsprung auf die Abstiegsränge.
Howe? Nagelsmann? Conte?
Es wirkte wie ein Griff nach dem letzten Strohhalm, dass Carrick am Sonntag seinen Star auf die Bank verbannte, womöglich mit der Hoffnung verbunden, sein Team aufzurütteln. Captain Bruno Fernandes hatte nach der Niederlage am Comersee öffentlich Kritik an der Taktik geäussert. Die Verzweiflungstat des Trainers erwies sich als Schuss in den Ofen. Die Leistung gegen Bournemouth war haarsträubend.
Natürlich will Michael Carrick nicht aufgeben. Aber es ist schwierig, sich vorzustellen, dass er Trainer bleiben darf. Wohl kaum jemand rechnet damit, ihn am Samstag bei Chelsea noch einmal auf der Bank zu sehen.
Und so dreht bei ManUtd wieder einmal das Kandidatenkarussell. Genannt werden in erster Linie Trainer, die sofort verfügbar sind. Eddie Howe hörte im Sommer bei Newcastle auf und sagte, er benötige eine Pause. Laut «Sky» soll er aber interessiert sein. Howes Vorteil ist, dass er die Liga kennt.
Julian Nagelsmann, nach Deutschlands WM-Desaster im Sommer als Bundestrainer entlassen, tut das nicht. Doch auch er gilt als möglicher Carrick-Nachfolger. Nagelsmanns Fürsprecher könnte Christopher Vivell sein, der Chef-Scout von Manchester United. Das Duo arbeitete einst zusammen in Leipzig. Auch der Name von Antonio Conte, einst Meister und Cupsieger mit Chelsea sowie bei Tottenham, geistert durch die Medien.
Besitzer verärgern Fans
Mittlerweile dürfte aber wohl dem Hintersten und Letzten klar sein, dass die Dauerkrise bei Manchester United nicht grundsätzlich ein Trainerproblem ist. Wenn derart viele namhafte Coaches scheitern, scheinen die Probleme grundlegender Natur zu sein.
Viele Fans geben die Schuld an der Misere den Besitzern. Malcolm Glazer gehört der Klub seit nun schon mehr als zwei Jahrzehnten. Er finanzierte den Kauf damals mit einer dreisten Masche: Glazer nahm einen Kredit auf und wälzte ihn grösstenteils auf den Klub, der zuvor schuldenfrei war, ab. Mittlerweile hat Manchester United angeblich Schulden von rund 1,15 Milliarden Pfund (1,27 Milliarden Franken) und kann bei Transfers deshalb nicht aus dem Vollen schöpfen.
Manchester United ist nur noch in der Erinnerung ein Grossklub, aber nicht mehr in der Aktualität. Der Einstieg von Sir Jim Ratcliffe als Miteigentümer brachte auch keine Wende zum Guten. Statt in Stars zu investieren, beabsichtigt der Klub einen Stadionneubau, der rund 2 Milliarden Pfund kosten soll.
Längst ist es bei Manchester United wie beim Leiterlispiel: Meist zeigt der Würfel nur eine tiefe Augenzahl und geht es dann doch mal voran, trifft das Team zuverlässig ein Feld, das es wieder nach unten schickt. Mit der Entlassung von Michael Carrick vor Augen heisst es für Manchester United ein weiteres Mal: Zurück auf Start.
