Saisonkartenbesitzer bei ManUnited verunsichert: «Sie wollen uns loswerden»
Saisonkartenbesitzer von Manchester United sind aktuell sehr verunsichert. Wie die BBC berichtet, seien die Accounts von tausenden Aboinhabern eingeschränkt worden mit einer Warnung, dass die Saisonkarte annulliert werden könnte.
Als offiziellen Grund gibt Manchester United das Vorgehen gegen den Ticket-Schwarzmarkt an. Physische Tickets gibt es in der Premier League nicht mehr, es läuft alles digital ab. Saisonkarteninhaber bei den Red Devils müssen 16 von 19 Heimspielen entweder selbst besuchen oder die Tickets an vom System zugelassene Familienmitglieder oder Freunde abtreten. Doch wie diverse Fans berichten, sollen auch Leute betroffen sein, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen und seit Jahrzehnten Abobesitzer sind.
«Ich bin wütend. Sie wollen uns einfach loswerden», klagt ein Fan namens Andy gegenüber der BBC. Er habe seit über 35 Jahren eine Saisonkarte und am Montagabend sei sein Account eingeschränkt worden. Sein Vater habe gar seit 1974 eine Saisonkarte und sie würden die Spiele immer gemeinsam besuchen. Das Problem: Der Klub verlangt von den Fans eine Erklärung für angeblich verdächtiges Verhalten auf dem Account, allerdings ohne irgendwelche Informationen zu geben, was damit genau gemeint sein könnte. Es fühle sich so an, als warte der Klub darauf, dass sich die Fans selbst belasten, klagt der United-Fan.
«Sie wollen keine Fans mehr, sondern Kunden», ist sich Andy sicher. Beim Manchester United Supporters Trust, der offiziellen Fan-Organisation der Red Devils, seien Tausende Meldungen von besorgten Anhängern eingegangen. Es bestehe die Befürchtung, dass der Klub Saisonkartenbesitzer rauswerfen will, um mehr Platz für Fussball-Touristen zu schaffen.
Manchester United dagegen verteidigt sein Vorgehen. Bei den betroffenen Accounts sei vom automatisierten System Fehlverhalten erkannt worden. Es bestehe der Verdacht, dass diese Accounts und die entsprechenden Tickets zentralisiert verwaltet und weitergegeben wurden – von einer Einzelperson oder einem Programm.
Fanklubs hingegen betonen, dass diese Anschuldigungen oft falsch seien. Sie glauben, dass langjährige Saisonkartenbesitzer einfach häufiger ihre Tickets an Familienmitglieder oder Bekannte abgeben oder ihr Login an Freunde abgeben, damit diese Tickets für Auswärtsspiele kaufen können. «Es fühlt sich so an, als dürfe man einem Freund nicht helfen. Aber das Ticket dem Klub zurückverkaufen, damit er es viel teurer noch einmal verkaufen kann, ist dann ok», klagt ein anonymer Fan der BBC.
Es ist nicht das erste Mal, dass Manchester United treue Fans verärgert oder mit finanziellen Massnahmen auffällt. Letzte Saison wurden die Plätze von 500 Saisonkarteninhabern verschoben, um Platz für zusätzliche Hospitality-Tickets (inklusive Getränke und Essen in speziellen Logenbereichen) zu schaffen. Seit 2024 und der Teilübernahme durch Ineos hat der Klub zudem immer wieder Sparmassnahmen getätigt. Im Sommer 2024 wurden 250 Leute entlassen – darunter auch im Ticketing. Im Februar 2025 wurde bekannt, dass Manchester United die kostenlosen Mittagessen für alle Mitarbeiter ausser den Spielern der ersten Mannschaft gestrichen hat. (abu)
