DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Viel Einsatz, noch mehr Wasser: Hakan Yakin (oben) im Zweikampf mit dem Türken Hakan Balta. Im Hintergrund Tranquillo Barnetta.
Viel Einsatz, noch mehr Wasser: Hakan Yakin (oben) im Zweikampf mit dem Türken Hakan Balta. Im Hintergrund Tranquillo Barnetta.Bild: KEYSTONE
Unvergessen

Die Schweizer EM-Träume gehen 2008 in der Wasserschlacht von Basel baden

11. Juni 2008: An der Heim-EM erwarten die Schweizer viel – sehr viel sogar. Den Viertelfinal-Einzug soll es im Minimum geben. Doch stattdessen ist nach zwei Gruppenspielen bereits alles vorbei, nach einem denkwürdigen Spiel gegen die Türkei.
11.06.2022, 00:0111.06.2022, 15:40
Donat Roduner
Donat Roduner
Folgen

Die Ausgangslage für die Schweizer Nationalmannschaft könnte definitiv besser sein. Nach der ärgerlichen und enttäuschenden 0:1-Niederlage im Eröffnungsspiel gegen Tschechien heisst der Gegner im zweiten Gruppenspiel Türkei.

Weil die Türken ihr erstes Spiel gegen die Portugiesen verloren haben (0:2) und letztere im Nachmittagsspiel die Tschechen besiegten (3:1), ist für das Team von Trainer Köbi Kuhn klar: Verlieren verboten!

Vor dem Spiel ist die Anspannung bei den Schweizern gross. Und man beachte: Bei der Hymne war noch alles trocken.
Vor dem Spiel ist die Anspannung bei den Schweizern gross. Und man beachte: Bei der Hymne war noch alles trocken.Bild: EPA

Zum sportlichen Aspekt – der aus türkischer Sicht zudem eine Revanche für die WM-Barrage 2005 sein soll – gesellt sich an diesem Abend aber noch ein anderer gewichtiger Faktor. Pünktlich zum Spielbeginn öffnet Petrus über dem St.Jakob-Park sämtliche seiner Schleusen. Auch wenn sich auf dem Spielfeld bald Pfützen bilden, pfeift der slowakische Schiedsrichter Lubos Michel das Spiel pünktlich um 20.45 Uhr an.

Können verletzt nicht mittun: Alex Frei (links, Knie) und Marco Streller (Leiste).
Können verletzt nicht mittun: Alex Frei (links, Knie) und Marco Streller (Leiste).Bild: KEYSTONE

Lange Bälle der Schweizer sind das richtige Mittel

Da sowohl die Schweizer wie auch die Türken gewinnen wollen, ja müssen, entsteht trotz des vielen Wassers ein sehr animiertes Duell. Die beiden Teams schenken sich nichts, wobei sich die Einheimischen besser an die Umstände anpassen und vermehrt mit langen Bällen operieren, während sich die von der türkischen Trainer-Ikone Fatih Terim kommandierten Spieler vor allem auf ihre Technik verlassen, obwohl immer weniger an Technik zu denken ist.

Brisanterweise lasten die Schweizer EM-Hoffnungen ausgerechnet auf zwei «Türken». Hakan Yakin und Eren Derdiyok ersetzen in der Offensive die beiden verletzten Alex Frei und Marco Streller – alle vier sind übrigens Basler. Yakin und Derdiyok harmonieren gut.

In der 32. Minute wird Derdiyok mit einem weiten Ball lanciert, er lässt den türkischen Goalie Volkan Demirel aussteigen und passt parallel zur Grundlinie vors Tor. Obwohl der Ball in einer Pfütze stecken bleibt, ist Yakin zur Stelle. Er drückt den Ball über die Linie und erzielt das wichtige erste Schweizer Tor an der EM 2008.

Eren Derdiyok umspielt Volkan Demirel und passt zur Mitte auf ...
Eren Derdiyok umspielt Volkan Demirel und passt zur Mitte auf ...Bild: EPA
... Hakan Yakin, der zum 1:0 verwertet.
... Hakan Yakin, der zum 1:0 verwertet.Bild: KEYSTONE

Krisensitzung in der Pause

Aus Respekt vor seinen türkischen Wurzeln verzichtet Hakan Yakin auf den Jubel, wird von seinen überschwänglichen Kollegen allerdings trotzdem fast erdrückt. Nach dem Tor sind die Schweizer dem 2:0 nahe: Noch vor der Pause findet Derdiyok mit einer schönen Flanke wieder seinen Sturmpartner, doch Yakin verpasst die Grosschance drei Meter vor dem Tor.

Yakins Nicht-Jubel wird von Valon Behrami (rechts) kompensiert.
Yakins Nicht-Jubel wird von Valon Behrami (rechts) kompensiert.Bild: EPA

Auch wenn der Unterhaltungswert gross ist: Es ist in der ersten Halbzeit ein Spiel am Rande der Regularität. In der Pause wird eine Blitzkonferenz unter den Verantwortlichen einberufen, die vor allem wegen des nun nachlassenden Regens auf Fortführung der Partie entscheiden. Diese Entscheidung ist berechtigt, weil die Drainage im St.Jakob-Park gut funktioniert und weil der Match andernfalls am Folgetag gänzlich hätte nachgeholt werden müssen, was angesichts des gestaffelten Programms zu Komplikationen geführt hätte.

Turans Siegestor in der Nachspielzeit

Die Türken werden im zweiten Umgang bei den besseren Bedingungen tatsächlich stärker und erzielen in der 57. Minute durch Semih Sentürk das 1:1, welches bis in die Nachspielzeit Bestand hat. Auch weil Yakin in der 84. Minute einen verheissungsvollen Konter der Schweizer mit einem zu harmlosen Schuss abschliesst.

Die Wasserschlacht von Basel

1 / 21
Die Wasserschlacht von Basel (2008) in Bildern
quelle: epa / paulo cunha
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Im Stadion hat man sich mit dem Unentschieden, das die Situation der Schweizer nicht wesentlich verbessert, abgefunden. Doch in der 93. Minute kommt ein gewisser Arda Turan im Mittelfeld an den Ball. Das 21-jährige Talent von Galatasaray umspielt Stephan Lichtsteiner und zieht aus 20 Metern ab. Der Schuss – Patrick Müller fälscht ihn noch ab, Goalie Diego Benaglio hat keine Chance – trifft die Schweizer mitten ins Herz. 1:2, auf einen Schlag ist alles aus.

Um die Schmerzen in Grenzen zu halten: Die besten Szenen von Arda Turan in ziemlich verpixelter Form.Video: YouTube/OttomanEmpire40

Versöhnliches EM-Ende

«Für uns wäre es besser gewesen, wenn es weitergeregnet hätte», sagt ein enttäuschter Ludovic Magnin nach dem Spiel. Trainer Köbi Kuhn sieht es nach der Wasserschlacht weniger eng: «Das Leben geht weiter.» Tut es tatsächlich: Dank dem 2:0-Sieg (Doppeltorschütze Yakin) gegen Gruppensieger Portugal endet das Turnier für die Schweizer immerhin versöhnlich.

Die Türken überstehen nach dem glücklichen Sieg gegen die Eidgenossen nicht nur die Gruppenphase, sie schaffen es sogar in den Halbfinal. Dort unterliegen sie – Ironie des Schicksals – im «Joggeli» (ohne Wolkenbruch) in ähnlich dramatischer Weise Deutschland mit 2:3.

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die Rekordnationalspieler der 24 Nationen der EM 2020

1 / 27
Die Rekordnationalspieler der 24 EM-Nationen
quelle: ap / michael probst
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

11 Dinge, die bei deiner nächsten Wanderung schiefgehen können

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2
Kennst du alle Wimbledon-Champions der letzten 30 Jahre? (Es ist einfacher, als du denkst)
Am Montag geht das traditionsreichste Tennisturnier der Welt in Wimbledon los. Aber wie gut kennst du die Siegerinnen und Sieger der letzten 30 Jahre?

Ab Montagmittag wird wieder gekämpft auf dem heiligen Rasen von Wimbledon. Belinda Bencic will ihren ersten Grand-Slam-Titel holen. Bei den Männern gibt es Träume von Kalender-Grand-Slam und von der Titelverteidigung. Acht Schweizerinnen und Schweizer stehen im Hauptfeld – so viele wie noch nie zuvor.

Zur Story