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Mbappés Spitzname «Mobutu» sorgt gerade für Furore

KI-Bild von Kylian Mbappé in Offiziersuniform.
KI-Bild von Kylian Mbappé in Offiziersuniform.image: screenshot

Mbappés Spitzname «Mobutu» sorgt gerade für Furore

Weil er sich wie ein Anführer verhält und diese Rolle offenbar geniesst, wird Kylian Mbappé in den sozialen Netzwerken mit dem Spitznamen «Mobutu» bedacht – eine Anspielung auf den afrikanischen Diktator. Ist das bloss eine Herabwürdigung? Nicht nur.
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01.07.2026, 18:5401.07.2026, 23:27
Antoine Menusier

Das Offiziersfoto von Mbappé ist deutlich weniger stilvoll als das Cover von «Time France» dieser Woche. Dafür ist es lustiger. Auf der einen Seite Kylian Mbappé alias «Der Profi» im Dior-Anzug, auf der anderen Kylian Mbappé alias «Mobutu» in der Uniform eines Diktator-Marschalls. Wer regelmässig in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, ist womöglich auf ein Meme gestossen, das auf seine Weise die Führungsrolle der Nummer 10 der Bleus würdigt.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Die aktuelle Titelseite von Time France.
Die aktuelle Titelseite von Time France.bild: screenshot

Marschall Mobutu Sese Seko

Mobutu? Der Vergleich verweist auf eine der prägendsten, aber auch grausamsten und korruptesten Figuren des postkolonialen Afrikas: Mobutu Sese Seko. Er erhob sich 1982 selbst in den Rang eines Marschalls und war an seiner Leopardenmütze zu erkennen. 1971 gab er seinem riesigen Land, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, sechs Jahre nach dem Staatsstreich, der ihn an die Macht gebracht hatte, den «authentischeren» Namen Zaïre – um mit der belgischen Kolonialmacht zu brechen. Zaïre bedeutet Fluss.

In dieser Zeit, die von der Rückbesinnung auf die Wurzeln Schwarzer Völker geprägt war, fand am 30. Oktober 1974 in Kinshasa, der Hauptstadt Zaïres, der legendär gewordene Boxkampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman statt. Mobutu war damals einer der wichtigsten Anführer der Dritten Welt.

Blick auf eine Szene des Weltmeisterschaftskampfes am 30. Oktober 1974 in Kinshasa (Zaire); George Foreman (rechts) schlaegt seine Linke auf Muhammad Ali. Ali holt sich mit einem sensationellen K.O.-S ...
Der Boxkampf am 30. Oktober 1974 in Kinshasa (Zaïre). George Foreman (rechts) und Muhammad Ali (links).Bild: AP

Auch wenn der Vergleich an sich nicht schmeichelhaft ist, verweist er hinter Spott oder Ärger doch auf eine Form von Respekt, vielleicht sogar Bewunderung und Anerkennung für Mbappé als Anführer seiner selbst und anderer. Seine Art und sein Anspruch, überall bis zur Karikatur die Rolle des Chefs zu verkörpern, haben die Verbindung Mbappé-Mobutu hervorgebracht. Dazu kommt seine unerschrockene Seite, die ihn gegen den Rassemblement National Stellung beziehen lässt. Kein Kunststück zwar, aber auch eine Art, sich als Leader zu positionieren. Diesmal als Meinungsführer.

Libération, das den Vergleich mit Mobutu als «geschmacklos» bewertet, datiert dessen Ursprung mindestens auf das Jahr 2023. Wen wundert's: Es war das Jahr, in dem er sich die Captainbinde der französischen Nationalmannschaft sicherte. Der arme Antoine Griezmann, der sie ebenso verdient gehabt hätte, hatte keine Chance. Didier Deschamps stimmt zu – und fügt sich zugleich. Sein Kylian ist eben etwas Besonderes. Torschütze mit 19 Jahren im gewonnenen WM-Final 2018, vier Jahre später Doppel-Torschütze im verlorenen Final gegen Argentinien. Sein Torjubel im Stil des Haka, des Ritualtanzes der neuseeländischen Rugbyspieler – die Arme vor der Brust verschränkt, die Stollen fest in den Rasen gerammt –, den er 2017 bei der AS Monaco einführte und inzwischen als Marke schützen liess, kündigte diese Figur bereits an.

Regen und Sonnenschein

Kylian Mbappé gilt als eigensinnig. Sein Vater wurde in Kamerun geboren, seine Mutter hat algerische Wurzeln. Er selbst scheint aber von keinem Identitätsdilemma betroffen zu sein und spricht von Frankreich als «mein Land». Mbappé hebt sich gern von der Masse ab. Seine Kritiker, die den Vergleich mit Diktator Mobutu nicht ungern aufgreifen, erinnern sich gut an jenen Tag, als die Nummer 10 von Real in seiner ersten Saison bei den Blancos seinem Trainer Xabi Alonso nicht gehorchte. Dieser hatte seine Spieler aufgefordert, für die Tagessieger des FC Barcelona Spalier zu stehen, wie die Website von TV5 Monde berichtet.

France forward Kylian Mbappé (10) waves as he warms-up during the international friendly soccer match between Colombia and France in Landover, Md., Sunday, March 29, 2026. (AP Photo/Nick Wass)
Kylian  ...
Bild: keystone

Erteilt er dem Schiedsrichter Anweisungen?

Nun zur WM 2026. Rund um Mbappé-Mobutu kursieren zahlreiche bearbeitete Bilder und KI-Kompositionen. Der französische Star liefert dafür reichlich Material. Sieh selbst:

  • Mbappé-Mobutu zeigt den Platzwarten, wo sie während des Unterbruchs des Spiels Frankreich – Irak die Wasserabzieher einsetzen sollen.
  • Mbappé-Mobutu weist den Schiedsrichter von Frankreich – Norwegen an, seine Captainbinde Aurélien Tchouaméni zu übergeben. Diktatorisch war daran nichts: Der Captain wollte möglichst schnell handeln, damit Frankreich nicht wegen zu langsamen Verlassens des Spielfelds bestraft wird – eine neue Regel, die bei dieser WM für Spielerwechsel eingeführt wurde.

«Mobutu» ist inzwischen bei einigen Anhängern des Captains der Bleus zu einem Jubelruf geworden, wenn er trifft. TV5 Monde zeigt sich besorgt und erinnert die «jungen Generationen» an das brutale Profil des echten Mobutu.

KI-Baby-Videos

Auf Social Media kursieren KI-Videos, in denen Kylian Mbappé von seinen Kollegen Dembélé und Barcola «Mobutu» genannt wird. Sie ziehen ihn in KI-Videos des Instagram-Accounts @mhamed_allaya auf, in denen die Figuren sprechende Babys sind. Während sie bei PSG glücklich sind, wartet Mbappé schon lange auf den Champions-League-Titel bei Real. Hier ein Beispielvideo:

Wird «Mobutu» «Kyky» endgültig ausstechen? Oder wird diese Figur wieder verschwinden? Sie ist in Mode, seit der französische Star den Ruf eines Egoisten mit sich herumträgt – vor allem seit seinem Wechsel zu Real Madrid, wo sein «Diva»-Status dem prestigeträchtigen spanischen Klub keinen Titel eingebracht hat. Doch nun zeigt sich an der WM ein anderer Mbappé: ein engagierter Captain, ein verteidigender Captain, ein Wasserträger-Captain, ein selbstloser Captain. Im Sechzehntelfinal führte er Frankreich mit zwei Toren zum 3:0-Sieg gegen Schweden, nach seinem ersten Treffer salutierte er gar – womöglich als Reaktion auf seinen Spitznamen.

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Die beliebtesten Kommentare
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Nihil fit sine causa
01.07.2026 19:26registriert Februar 2022
Wie kann man denken, dass ein Vergleich mit einem solchen Diktator im entferntesten schmeichelhaft sein kann? Wer sich mit Mobutos Biografie beschäftigt hat, versteht was ich meine.
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Chluisi
01.07.2026 19:05registriert August 2024
Ist einfach insofern völlig schwach, als es selten eine Fussballdiva gab, die bescheidener und umgänglicher als Mbappe war. Man denke da insbesondere an Figuren wie Messi, CR oder Matthäus.
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