DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Panenka wird 2014 in Monaco mit dem «Golden Foot Award» geehrt.
Panenka wird 2014 in Monaco mit dem «Golden Foot Award» geehrt.Bild: Getty Images Europe
Unvergessen

Panenka wird zur Legende – und Hoeness hämmert den Ball in den Belgrader Nachthimmel

20. Juni 1976: Der EM-Final wird erstmals im Penaltyschiessen entschieden. Die Tschechoslowakei schlägt Deutschland, Uli Hoeness wird zum Depp und Antonin Panenka zum gefeierten Helden. Noch heute eifern Schützen dem frechen Schnauzträger nach.
20.06.2022, 00:0517.06.2022, 14:01

«Wenn es morgen einen Elfmeter gibt und du lupfst den Ball wie immer und verschiesst, bist du mein Freund gewesen.» Die Worte des tschechoslowakischen Natigoalies Ivo Viktor wirken einschüchternd. Aber nicht auf seinen Zimmerkollegen. Denn als es tags darauf im EM-Final 1976 zum Penaltyschiessen kommt, läuft Antonin Panenka zum letzten Versuch an und er lupft den Ball wie immer ins Tor.

Das Original: Panenka im EM-Final 1976.Video: YouTube/bracovcehorovce

Panenka ist frech und eiskalt – aber keineswegs ein Desperado. Denn seinen Schuss hat er über die Zeit perfektioniert, immer wieder geübt. «Ein Torhüter, der bereits auf dem Weg in eine Ecke ist, kann nicht mehr zurück. Das war die Basis meiner Philosophie», erklärt der heutige Fussball-Rentner. Zunächst habe er die Variante im Training ausprobiert, dann in Testspielen, schliesslich in der ersten Liga und als Höhepunkt im EM-Final.

Das Überraschungsmoment

Die Frage ist berechtigt: Wäre Panenka damit durchgekommen, wenn es 1976 schon YouTube gegeben hätte? Der deutsche Goalie Sepp Maier hätte in diesem Fall bestimmt gewusst, was sein Gegenüber drauf hat. So wurden die Torhüterlegende und die ganze Welt Zeuge des tschechoslowakischen Tricks.

«Ich hatte nie die Absicht, ihn lächerlich zu machen», beteuert Antonin Panenka, der heute Präsident seines Stammklubs Bohemians Prag ist. Er habe diesen Elfmeter gewählt, weil er davon überzeugt war, dass es der einfachste Weg sei, ein Tor zu erzielen. Aber es sei bestimmt ein Vorteil gewesen, dass Maier ihn noch nie vorher schiessen gesehen habe.

Wer einen Panenka versucht, muss auch immer damit rechnen, zu scheitern.Video: YouTube/Football View

Hoeness' Schuss in den Nachthimmel

Maier sagt, mittlerweile wecke dieser Moment nichts mehr in ihm. «Das ist schon so lange her», meint «die Katze von Anzing». Ohnehin habe er nur bewundert, wie cool Panenka in dieser Situation gewesen sei. «Ich glaube, er hat ganz schön mit seiner sportlichen Karriere gespielt. Denn wäre ich stehen geblieben und hätte den Ball gefangen, dann hätten alle in der Tschechoslowakei gesagt, dass Panenka doch blöd sei, einen so wichtigen Elfmeter so lasch zu schiessen.» Aber er habe ihm ja den Gefallen getan und den Schuss reingelassen, ergänzt der als Scherzkeks bekannte Maier, «also hat sich das Problem nicht aufgetan».

Das Telegramm
Tschechoslowakei – Bundesrepublik Deutschland 3:2 n.P.
Belgrad, Roter-Stern-Stadion, 30'800 Zuschauer. SR: Gonella (Ita).

Tore: 8. Svehlik 1:0. 25. Dobias 2:0. 28. Müller 2:1. 90. Hölzenbein 2:2.

Tschechoslowakei: Viktor; Ondrus; Pivarnik, Capkovic, Gogh; Dobias (93. Vesely), Moder, Panenka; Masny, Svehlik (80. Jurkemik), Nehoda.

Deutschland: Maier; Beckenbauer; Vogts, Schwarzenbeck, Dietz; Wimmer (46. Flohe), Bonhof, Beer (80. Bongartz); U. Hoeness, D. Müller, Hölzenbein.

Der Panenka-Penalty ist aber nur der eine berühmte Elfmeter in diesem Spiel. Denn einen Schuss vor dem entscheidenden Schützen vergibt Uli Hoeness. Der Bayern-Stürmer jagt den Ball in den Belgrader Nachthimmel. «Ulis Ball suchen sie wohl heute noch», gilt als einer von Franz Beckenbauers Lieblingswitzen.

Hoeness donnert den Ball über das Tor.Video: streamable

Als Bayern München 2007 bei Roter Stern Belgrad spielt, sorgt auch Hoeness für Lacher, als er sagt: «Den Ball hat man kürzlich bei den Aufräumarbeiten nach dem Balkankrieg wiedergefunden!»

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.​
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Grosse Fussballer, die nie an einer WM waren

1 / 16
Grosse Fussballer, die nie an einer WM waren
quelle: ap/pa / david davies
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4
GC schlägt Reipas Lahti 8:0 und sorgt für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg
29. September 1971: GC müht sich im Meistercup-Hinspiel auf dem Sandplatz von Reipas Lahti – trotz kurzfristig gekauften Not-Schuhen – zu einem mageren 1:1. Zwei Wochen später im Rückspiel feiern die Zürcher dann einen überragenden Sieg.

Die Auslosung meint es im Sommer 1971 gut mit den Grasshoppers. Der Schweizer Meister trifft in der ersten Runde des Meistercups (Vorgänger der Champions League) auf das unbekannte Reipas Lahden, später umbenannt in Reipas Lahti.

Zur Story