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Der EHC Arosa wird 1982 zum neunten und letzten Mal Schweizer Meister
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Unvergessen

Vier Jahre vor dem grossen Desaster wird der EHC Arosa ein letztes Mal Meister

23. Februar 1982: Der Titel 1980 kam überraschend, der 2. Rang 1981 war dann die Bestätigung und mit der neunten Schweizer Meisterschaft meldet sich Arosa definitiv im Konzert der ganz Grossen zurück. Der Klub wird als gesundes, erfolgreiches Unternehmen gelobt – doch vier Jahre später folgt der überraschende Abschied aus dem Profisport.
23.02.2022, 00:0521.02.2022, 11:19
Reto Fehr
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Die Poltera-Brüder hatten den EHC Arosa in den 1950er Jahren berühmt gemacht. Von 1951 bis 1957 spielten Ueli und Gebi Poltera, Hansmartin Trepp und ihre Teamkollegen die Gegner schwindlig. In der Nationalmannschaft war der «Aroser Sturm» legendär. Die Schweiz holte 1948 Olympia- und 1950 und 1951 WM-Bronze. Im Klub konnte sie niemand stoppen. Sieben Meistertitel in Serie, die Dominanz war erdrückend. Die Sturmlinie eine der besten Europas.

Zwei Filme über den EHC Arosa
Die Geschichte und Erfolge des EHC Arosa gibt es auch in Filmen zu bestaunen. 2008 kam der Dok-Film «Arosa isch besser», 2010 wagte sich Marco Rima mit der Komodie «Champions» an den Eishockey-Verein.

Verletzungen beendeten die Übermacht. 1960 stieg Arosa in die Nationalliga B ab, 1962 gar bis in die Niederungen der 1. Liga. Der Traditionsverein dümpelte in den nächsten Jahren zwischen den beiden Spielklassen hin und her. Niemand rechnete mehr damit, dass die Aroser irgendwann noch einmal an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen könnten.

Dok-Film «Arosa isch besser» von 2008. Markus Lindemann erklärte den Erfolg so: «Dank dem Teamgeist sind wir Schweizer Meister geworden. Da sind wir alle zusammen mal was trinken gegangen, hatten es lustig. Das ist das A und O. Heute dürfen die Spieler ja nirgends mehr fort.»Video: YouTube/jacquesdelarue

Doch der Zufall wollte es, dass in den 1970er Jahren eine Gruppe Dorfjugendlicher mit überaus viel Talent ausgestattet war und so kehrte der Verein aus dem hockeyverrückten Kurort 1977 zurück in die höchste Spielklasse. Drei Jahre später feierten Guido und Markus Lindemann, Jöri Mattli, Heini Staub, Beni Neininger und Co. überraschend den achten Meistertitel der Klubgeschichte für den Verein mit den blauen Shirts und der lachenden Sonne.

Lukrative Meisterprämien gab es damals noch keine. Ein kleiner Zustupf in die Mannschaftskasse musste genügen. In der nächsten Saison bestätigte Arosa mit Rang 2 den Coup und zur Saison 1981/82 werden die Bündner zusammen mit dem EHC Biel als Favoriten auf den Titel gehandelt.

Die Schlusstabelle der Saison 1981/82.
Die Schlusstabelle der Saison 1981/82.

Während die Seeländer aber nie an ihr Leistungsniveau herankommen, läuft die Meisterschaft für Arosa nach Startschwierigkeiten sehr gut. Während zwei Dritteln der Saison liegt man auf Rang 1. Die Hauptrunde gewinnen die Bündner souverän und auch in der Finalrunde der besten sechs Teams mit den halbierten Punkten der «Regular Season» scheint alles gut zu laufen.

Ein kleines Tief rund um den Jahreswechsel sorgt allerdings dafür, dass die Meisterschaft auch zwei Runden vor Schluss noch nicht entschieden ist. Arosa führt drei Punkte vor dem HC Davos – und ausgerechnet jetzt steht das Kantonsderby im Landwassertal an. Davos hat zuvor vier der fünf Begegnungen mit den Schanfiggern gewonnen.

Die NZZ bleibt aufgrund der Ausgangslage in ihrer Vorschau jedoch gelassen, titelt mit «Kehrausstimmung in fast allen Stadien der Nationalliga» und erklärt:

«Zwar steht im Landwassertal das Bündner Kantonsrivalenderby auf dem Programm, aber selbst im Falle eines durchaus möglichen Erfolges des HCD – die Davoser gewannen vier von bis jetzt fünf Begegnungen mit Arosa – und der Verringerung des Rückstandes auf den Leader auf nur mehr einen Punkt wäre es eine Überraschung, wenn nach 38 Matches plötzlich Davos noch vor Arosa placiert wäre.»

Das Blatt unterstellt Arosa gar, dass sie sich in der drittletzten Runde nicht mit allen Kräften gegen die Niederlage in Kloten aufstemmen werden, um in Davos Meister werden zu können.

Tatsächlich überfahren der «Blitz» Lindemann und seine Teamkollegen den HCD an diesem 23. Februar, führen vor 7000 Zuschauern nach 20 Minuten 4:1 und lassen sich nach dem 7:2-Erfolg auf dem Eis des Erzrivalen als Meister feiern.

Arosa feiert seinen neunten und bis heute letzten Meistertitel.
Arosa feiert seinen neunten und bis heute letzten Meistertitel.Bild: KEYSTONE

Die letzte Partie zuhause gegen Fribourg wird zum Volksfest. 7260 Zuschauer lassen das Stadion Obersee im 2800-Seelen-Dorf aus allen Nähten platzen. Der frischgebackene Meister siegt mühelos 7:3 und ein Chronist schreibt, er sei ziemlich sicher, dass viele Fans nicht wegen des Spiels, sondern wegen der anschliessenden Freinacht die kurvenreiche Anfahrt auf sich nahmen. Nebenbei sei hier erwähnt: Die zwei Absteiger 1982 sind – der Zürcher SC und der SC Bern.

Guggenmusik und Partystimmung: Arosa feiert seinen 9. Meistertitel im letzten Saisonspiel.Video: YouTube/swissNLAfanBackUp

Die Gründe für den neunten Meistertitel sind schnell gefunden:

  • Das Team besteht aus überdurchschnittlich guten Spielern und die Ausnahmekönner lassen sich ins Team integrieren. Zudem ist die Equipe keine zusammengekaufte Truppe, sondern der Kern aus einheimischen Spielern tritt nicht nur für sich auf, sondern auch für den Ort Arosa.
  • Der schwedische Trainer Lasse Lilja kann das Team begeistern und bringt es zum richtigen Moment in Bestform. Er zeigt der Mannschaft, dass ohne Drecksarbeit und konsequentes Backchecking kein Blumentopf zu gewinnen ist.
  • Der in Bülach wohnhafte Präsident Peter Bossert hat die solide Basis gelegt. Die Geldmittel sorgen für ein gesundes und erfolgreiches Unternehmen.

Eine einfachere Erklärung lieferte Spieler Markus Lindemann 2008 im Dok-Film «Arosa isch besser»: «Dank dem Teamgeist sind wir Schweizer Meister geworden. Da sind wir alle zusammen mal was trinken gegangen, hatten es lustig. Das ist das A und O. Heute geht da nichts mehr. Was die verdienen in der Nati A. Die dürfen ja nirgends mehr fort. Nichts. Das konnten wir noch.»

Meisterinterview von Beni Thurnheer mit Trainer Lasse Lilja auf dem Eis bei Erzfeind Davos.
Meisterinterview von Beni Thurnheer mit Trainer Lasse Lilja auf dem Eis bei Erzfeind Davos.Bild: KEYSTONE

Damals scheint es, als könnte Arosa die Liga noch eine Weile dominieren. In den nächsten drei Jahren reicht es allerdings «nur» noch zu den Plätzen 3 und zweimal 2. Es zeichnet sich immer mehr ab: Der Zenit ist überschritten.

Das Meisterkader 1982
Torhüter: Andy Jörns (Jahrgang 1951),
Josef Mattli (56), Fritz Meisser (63).
Verteidiger:
Andrea Caduff (64), Ueli Hofmann (53), Ruedi Kramer
(54), Guido Pfösi (65), Andreas Rüsch (61), Andreas
Schwerzmann (62), Heini Staub (57), Reto Sturzenegger
(59).
Stürmer: Pietro Cunti (62), Guy
Charron (Kanada/49), Jack DeHeer (Holland/53),
Reto Dekumbis (56), Richard Grenier (Kanada/52),
Marco Koller (57), Guido Lindemann (55), Markus
Lindemann (53), Jöri Mattli (54), Steve Metzger (61),
Bernhard Neininger (55), Mario Patt (65), Georg Poltera
(63), Peter Schranz (56), Rene Stampfli (54).
Trainer: Lasse Lilja (SWE)

Dann beginnt die verhängnisvolle Saison 1985/86. Der Zuschauerschnitt in Arosa sinkt kontinuierlich, die Professionalisierung des Eishockeys macht auch vor dem Bündner Tal nicht halt, die geografische Lage wird immer mehr zum Nachteil und die Ausgaben steigen.

Mehr erinnerungswürdige Sportgeschichten

Arosa beendet die Saison auf Rang 8 von zehn Teams. Doch der Schock kommt am 13. März. Präsident Peter Bossert gibt an einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz den freiwilligen Abstieg aus «strukturellen Gründen» in die 1. Liga bekannt. Rund eine halbe Million Verlust kann der Bergklub nicht verkraften. Bossert sagt, ein «Ende mit Schrecken» sei ihm lieber als ein «Schrecken ohne Ende».

Es ist das Ende für einen der traditionsreichsten Schweizer Eishockeyklubs und der «Bund» schreibt schon damals: «Der freiwillige Abstieg des EHC Arosa zeigt aber auch mit aller Deutlichkeit auf, wo die Problematik in unserem Land im Eishockey (auch im Fussball) liegt. Geld regiert die (Sport-) Welt. Kaum ein Verein kann seine Mannschaft in der Nationalliga allein aus den Zuschauereinnahmen finanzieren; sämtliche Klubs sind auf die Unterstützung Aussenstehender angewiesen, welche die fehlenden Summen Ende Saison regelmässig auf den Tisch blättern.»

Die Schlagzeile im «Blick» zum Abstieg des EHC Arosa.
Die Schlagzeile im «Blick» zum Abstieg des EHC Arosa.bild: screenshot

Es hätte drei Szenarien gegeben:

  1. Verbilligung des Kaders in der Nati A – was den Abstieg wohl nur verzögert hätte.
  2. Abstieg in die Nati B – hätte wenig gebracht, da die Saläre der Spieler sich eh schon auf B-Niveau bewegten.
  3. Abstieg in die 1. Liga – der einzige Weg ohne finanzielles Risiko.

Die Spieler erfahren vom Rückzug übrigens nicht direkt. Guido Lindemann ist beispielsweise beim Skifahren, als ihm plötzlich jemand den Entscheid vom Radio mitteilt. Andere sitzen am Abend nach dem Training noch am Stammtisch, als sie in den 18-Uhr-Nachrichten von ihrer Zukunft erfahren.

Nach diversen Wechseln zwischen 1. und 2. Liga spielt Arosa ab der Saison 2005/06 langekonstant in der 1. Liga, das Stadion fasst noch 2200 Zuschauer. 2019 gelingt die Rückkehr auf die nationale Eishockey-Landkarte: Arosa steigt in die dritthöchste Spielklasse, die MySports League auf und träumt von der Rückkehr in die Nati B.

Unvergessen
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19 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bajazzo
24.02.2020 15:29registriert Februar 2020
Das war damals noch eine geile Party!
Danach die ganze Nacht Freibier im ganzen Dorf.
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N. Y. P.
23.02.2019 08:31registriert August 2018
Toller Bericht.

7260 Zuschauer faste das Stadion Obersee im 2800-Seelen-Dorf.
Wieso fasst es heute nur noch 2200 Zuschauer ? Da stehe ich gerade ein wenig auf dem Schlauch.

Arosa im A. Da würde jedes Hockey - Herz höher schlagen.
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na ja
23.02.2019 12:36registriert März 2016
"Nur" 630 000.- Schulden... und steigen freiwillig ab, weil man es realustisch sieht. Andere Clubs sind viel mehr im Minus und klotzen munter weiter, ja es gibt sogar immer wieder eine neue Lizenz zum weiter wursteln.
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