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Steffi Graf wird in der Tennisszene auch heute noch vermisst. Bei den French Open 2014 hängt ein Banner zu ihren Ehren.
Steffi Graf wird in der Tennisszene auch heute noch vermisst. Bei den French Open 2014 hängt ein Banner zu ihren Ehren.
Bild: STEPHANE MAHE/REUTERS
Unvergessen

Steffi Graf tritt zurück, obwohl sie zwei Monate zuvor noch im Wimbledon-Final stand

13. August 1999: In ihrer Heimat Heidelberg setzt Steffi Graf nach 17 erfolgreichen Jahren einen Schlussstrich unter ihre Sportkarriere. Kurz darauf kommt sie mit Andre Agassi zusammen. Die Ehe der beiden ehemaligen Tennis-Stars hält bis heute und hat zwei Kinder hervorgebracht.
13.08.2020, 00:0511.08.2020, 14:00

An einem Freitag den 13. stürzt Steffi Graf um genau 12.04 Uhr viele Tennis-Fans ins Unglück. Die 30-jährige Deutsche sagt mit leiser Stimme und Tränen in den Augen: «Ich werde heute meinen Rücktritt vom Tennis bekannt geben.»

Die Welt beschreibt die folgenden Szenen folgendermassen: Sie holt tief Luft, so wie es Menschen tun, die den Kloss im Hals spüren, ihn runterschlucken wollen, um einen Schluchzer zu vermeiden. Und sie sagt, was das Brodeln tief in ihrem Inneren zum Schweigen bringen soll: «Es ist eine Erleichterung».

Steffi Graf gibt im Heidelberger «Marriott»-Hotel ihren Rücktritt bekannt.
Steffi Graf gibt im Heidelberger «Marriott»-Hotel ihren Rücktritt bekannt.
Bild: Bongarts

Sie streift mit der linken Hand das offene Haar von der Schulter, bringt die Stimme noch einmal ins Lot und sagt: «Es waren nach Wimbledon keine einfachen Wochen, weil ich zum ersten Mal den Spass und die Freude am Tennis vermisst habe. Das war ein komisches Gefühl für mich, das ich so nie kannte.»

«Es ist schwer, loszulassen.»
Steffi Graf

Die Motivation schmolz dahin

In den Monaten davor nimmt «Fräulein Forehand» immer Schmerzmittel zu sich, um noch auf dem Court stehen zu können. Rund 70 Verletzungen und Krankheiten haben ihre Spuren hinterlassen. Einige Tage vor ihrem Rücktritt muss die Deutsche in der ersten Runde beim Turnier in San Diego wegen einer Zerrung im Oberschenkel aufgeben.

Die wahrscheinlich härteste Vorhand aller Zeiten im Frauentennis.
Die wahrscheinlich härteste Vorhand aller Zeiten im Frauentennis.
Bild: AP
Guildo Horn singt «Ich mag Steffi».

«Aber bereits auf dem Weg dorthin habe ich gemerkt, dass ich gar keine Lust hatte zu diesem Turnier zu fliegen. Auch dieses Gefühl kannte ich natürlich nicht. Als ich dann gespielt habe, war die Entscheidung unglaublich einfach, fast zu einfach», so Graf.

«Ich habe über meinen Rücktritt noch nicht entschieden. Das kann ich erst dann konkret tun, wenn ich es mit meinem Herzen fühle.»
Noch acht Tage vor dem Rücktritt gab sich Steffi Graf unentschlossen

Die Motivation nach dem Sieg in Paris und dem Final-Einzug in Wimbledon habe ihr wohl gefehlt. «Das, was ich dort erlebt habe, war so intensiv. Ich hatte danach vielleicht das Gefühl, dass nichts mehr kommen konnte, was ich noch erreichen kann», meint Graf. Deshalb entschied sich Steffi Graf laut der Rhein-Zeitung auch, nicht mehr an den US Open in ihrer Lieblingsstadt New York teilzunehmen.

Steffi Graf schlägt am 5. Juni 1999 Martina Hingis in drei Sätzen und holt sich ihren letzten Grand-Slam-Titel der Karriere.
Steffi Graf schlägt am 5. Juni 1999 Martina Hingis in drei Sätzen und holt sich ihren letzten Grand-Slam-Titel der Karriere.
Bild: AP

Ein richtungsweisendes Jahr

«Ich bin froh, dass ich jetzt Dinge tun kann, die Spass machen.»
Steffi Graf.

Auch privat tut sich einiges bei der 22-fachen Grand-Slam-Siegerin. Der Trainer von Tenniskollege Andre Agassi arrangiert auf dessen Wunsch ein gemeinsames Training mit ihr. Die Deutsche lehnt die Avancen des Amerikaners vorerst ab. Nach der Trennung von ihrem langjährigen Lebenspartner und Rennfahrer Michael Bartels ist der Weg für Agassi schliesslich frei.

Graf erliegt schliesslich dem beharrlichen Charme des einstigen Tennisrebells. Die beiden heiraten am 22. Oktober 2001, vier Tage danach kommt Sohn Jaden Gil zur Welt. Zwei Jahre später folgt Tochter Jaz Elle. Die Tennis-Familie ist bis heute glücklich.

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.
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