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Mit weit aufgerissenen Augen blickt Gross seinen Star Yakin an.
Mit weit aufgerissenen Augen blickt Gross seinen Star Yakin an.bild: srf
Unvergessen

Christian Gross motiviert Hakaaaan bis in die Zehenspitzen und wir dürfen zuschauen

9. Mai 2002: Das Schweizer Fernsehen strahlt einen Dok-Film über den FC Basel aus, der auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Neuzeit ist. In Erinnerung bleibt besonders eine Pausenansprache von Trainer Christian Gross.
09.05.2022, 00:0106.05.2022, 15:49

Acht Meistertitel in Folge zwischen 2010 und 2017 – bis YB zu seinem Höhenflug ansetzte, war der FC Basel das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Dabei liegen die Zeiten, als Rot-Blau selber zu den Habenichtsen gehörte, noch gar nicht weit zurück.

Erst 2002 holt der FCB den ersten Titel der Neuzeit und aus dieser Zeit stammt auch ein köstliches Video. Es zeigt die Halbzeit-Ansprache von Trainer Christian Gross im Rückspiel des UI-Cup-Finals bei Aston Villa im August 2001, die bei seinem Star Hakan Yakin auf wenig Begeisterung stösst:

«Hakan, nöd so egoistisch! Mit em George hettet Sie no chönne de Doppelpass spiele!»Video: YouTube/Storyfilter

Doch die Pausenschelte für Yakin und das Lob für die anderen nützt nichts. Im Gegenteil: Aus der 1:0-Führung im Villa Park wird noch ein 1:4 und der FCB muss sich die Qualifikation für den UEFA-Cup abschminken.

Der lange Weg nach oben

FCB-Erfolge sind damals rar gesät: Seit 1980 muss der FC Basel auf einen Meistertitel warten. Triste Jahre verbringt der Klub in der Nationalliga B; Champions-League-Auftritte gegen Liverpool, Barcelona und Bayern München sind weit, weit entfernt. Die Realität heisst Urania Genf, Etoile Carouge oder FC Bulle.

Längst vergangene NLB-Zeiten: Basel spielt im alten Joggeli gegen Chur.
Längst vergangene NLB-Zeiten: Basel spielt im alten Joggeli gegen Chur.Bild: KEYSTONE

Nach der Rückkehr in die NLA 1994 sind drei Personalien und eine Immobilie massgeblich daran beteiligt, dass der FC Basel lange die unangefochtene Nummer 1 im Land war:

  • Im November 1996 wird René C. Jäggi zum Präsidenten gewählt.
  • Im Sommer 1999 wird Christian Gross als Trainer verpflichtet.
  • Im Oktober 1999 wird Milliardärin Gigi Oeri in den Vorstand geholt.
  • 2001 bezieht der FC Basel den neu gebauten St.Jakob-Park.
Ein Gedanke am Rande
Wieso kommt eigentlich kaum je ein Bericht über Christian Gross ohne die Bemerkung aus, dass er ein «Polizistensohn aus Höngg» ist? Von keinem anderen Fussballer weiss man, womit der Vater sein Geld verdiente, sofern er nicht auch schon Profi war.

Unternehmer Jäggi verzettelt sich zunächst zwar mit der Verpflichtung mehrerer Bundesliga-Spieler wie Franco Foda, Markus Schupp oder Maurizio Gaudino, nur Oliver Kreuzer schlägt ein. Er schafft aber noch rechtzeitig den Turnaround.

Gross' Verpflichtung ist der Schlüssel zum Erfolg. Der Zürcher führte GC 1995 als ersten Schweizer Klub in die Champions League, was ihm in der Folge ein Engagement bei Tottenham Hotspur brachte. Und weil es Jäggi gelingt, Milliardärin Oeri ins Boot zu holen, braucht sich der FCB um Geld keine Sorgen mehr zu machen.

Erfolgsduo mit Meisterpokal: Gross und Oeri feiern den Titelgewinn 2005.
Erfolgsduo mit Meisterpokal: Gross und Oeri feiern den Titelgewinn 2005.Bild: KEYSTONE

Die erfolgreichste Ära im Schweizer Fussball

Während in der Saison 1999/2000 der sensationelle FC St.Gallen zu stark ist und im Jahr darauf die Grasshoppers Meister werden, schlägt 2002 die erste grosse Stunde des «neuen» FC Basel. Überlegen holt sich Rotblau den Titel, mit zehn Punkten Vorsprung auf GC.

Das Meister-Team 2002
Tor: Pascal Zuberbühler, Miroslav König, Romain Crevoisier.
Abwehr: Thimothée Atouba, Massimo Ceccaroni, Philippe Cravero, Philipp Degen, Oliver Kreuzer, Alexandre Quennoz, Murat Yakin, Marco Zwyssig.
Mittelfeld: Yao Aziawonou, Sébastien Barberis, Mario Cantaluppi, Scott Chipperfield, Ivan Ergic, Benjamin Huggel, Nenad Savic, Carlos Varela, Hakan Yakin.
Sturm: Christian Gimenez, George Koumantarakis, Edmond N'Tiamoah, Hervé Tum.

Es ist der Beginn der erfolgreichsten Ära im Schweizer Fussball. Der FC Basel liess seither elf weitere Meistertitel folgen, gewann siebenmal den Cup, begeisterte regelmässig in der Champions League und stiess 2013 bis in den Halbfinal der Europa League vor.

Die Entscheidung: Der FC Basel siegt bei YB und wird nach 22 Jahren erstmals wieder Schweizer Meister.Video: YouTube/SRF Archiv

Gross wieder glücklich

Auch Christian Gross hatte später wieder Erfolg. Nachdem er einige Jahre unten durch musste – 2009 wird er in Basel entlassen, beim VfB Stuttgart und bei YB floppt er – war er ab 2014 dreimal für den saudischen Spitzenklub Al-Ahli tätig.

Gross feiert 2015 mit der Trophäe des Kronprinzen-Pokals in Saudi-Arabien.
Gross feiert 2015 mit der Trophäe des Kronprinzen-Pokals in Saudi-Arabien.Bild: EPA/EPA

Gross – neun Mal Trainer des Jahres in der Schweiz – gewinnt in der ersten Saison den Cup und in der zweiten holt er den Meistertitel. Wie einst beim FCB geht auch bei Al-Ahli eine lange Zeit des Wartens vorbei: Für den Klub ist es der erste Meistertitel nach 32 Jahren. Mittlerweile ist Gross aber ohne Trainerjob. Sein letztes Engagement bei Schalke war nur ein kurzes, von wenig Erfolg geprägtes Intermezzo.

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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JonSerious
09.05.2019 10:23registriert Februar 2015
"Hakaaaan!"
Jap, das ist wirklich unvergessen. In unserem Freundeskreis fällt noch sehr oft ein "Als Aregig, Hakan, doch nöd als Kritik!" wenn es in die Situation passt. 🤩

"Nöd. so. egoistisch. Hakan. Deet eimal, hätted sii chönne mitem Georg e Doppelpass spile. Mitem Georg!"😁
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giandalf the grey
09.05.2019 08:12registriert August 2015
Der Polizistensohn aus Höngg und der Mann aus Sursee... Kommentatoren und Journalisten legen sich halt Synonyme zu, damit sie nicht immer den gleichen Namen sagen/schreiben müssen.
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sansibar
09.05.2020 09:44registriert März 2014
Und inwiefern soll das den Hakan motiviert haben, wenn sie in der zweiten Halbzeit mit 0:4 untergingen? Oder steh ich da auf dem Schlauch? Falls ja, kann mich jemand schubsen 😂😂
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