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Andy Roddick mit der Siegertrophäe, David Nalbandian hat das Nachsehen.
Andy Roddick mit der Siegertrophäe, David Nalbandian hat das Nachsehen.
Bild: Getty Images North America
Unvergessen

Andy Roddick ist für einen Sommer der beste Tennisspieler der Welt – dann kommt Federer

10. August 2003: Andy Roddick gewinnt in Montreal seinen ersten Masters-1000-Titel. Auf dem Weg dazu schlägt er – noch eine Premiere – Roger Federer. Doch es ist nur ein Strohfeuer gegen die langsam beginnende Herrschaft des Schweizers.
10.08.2021, 06:22

Die Tennis-Jahre 2002 und 2003 sind Übergangsjahre. Acht Grand Slams, acht verschiedene Sieger: Kein Tennisspieler hat damals zwei grosse Titel in einer Saison gewinnen können. Doch nach dem Ende der Ära um Pete Sampras und André Agassi deutet im Spätsommer 2003 einiges darauf hin, dass ein weiterer Amerikaner für längere Zeit den Tennisthron erklimmen könnte: Andy Roddick.

Der Aufschlag ist Roddicks gefährlichste Waffe.
Der Aufschlag ist Roddicks gefährlichste Waffe.
Bild: Getty Images North America

Der damals 21-jährige Hardhitter verpflichtet nach dem French Open Brad Gilbert als neuen Trainer. Unter dem ehemaligen Agassi-Coach stellt sich der Erfolg sofort ein. Roddick gewinnt das Rasenturnier von Queens und scheitert in Wimbledon erst im Halbfinal am späteren Sieger Roger Federer, der endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel feiern kann.

Die vierte Niederlage im vierten Duell gegen Federer wird als Ausrutscher abgetan. Tatsächlich geht der Höhenflug des US-Amerikaners zu Beginn der US-Hartplatzsaison unentwegt weiter. Der 1,88-Meter-Schlaks gewinnt in Indianapolis und reist mit dem zehnten Turniersieg seiner Karriere im Gepäck voller Selbstvertrauen nach Montreal.

Erster Sieg gegen Federer als Weckruf

Roddick spielt sich beim Rogers Cup wie im Rausch in den Halbfinal, wo wieder einmal Roger Federer wartet. Und im fünften Anlauf holt er endlich den ersten Sieg: «A-Rod» gewinnt 6:4, 3:6, 7:6 und scheint sein Federer-Trauma endgültig abgelegt zu haben. Im Final lässt Roddick dann dank seines brachialen Aufschlags David Nalbandian nicht den Hauch einer Chance und feiert seinen ersten Masters-1000-Titel.

Die Highlights von Roddicks erstem Sieg gegen Federer.

Als Roddick auch in Cincinnati triumphiert, ist die amerikanische Tenniswelt im Vorfeld des US Open schon komplett aus dem Häuschen. In Flushing Meadows soll der Newcomer endlich in die grossen Fussstapfen von Agassi und Sampras, der zu Turnierbeginn seinen grossen Abschied aus dem Tenniszirkus feiert, treten.

Roddick und Kournikova.
Roddick und Kournikova.
Bild: Getty Images

Zusammen mit Anna Kournikova und André Agassi tritt Roddick vor Turnierbeginn bei einem Charity-Event auf. Alle wollen etwas von ihm, die Erwartungen und der Druck an den 21-Jährigen sind riesig. Doch Roddick lässt sich nichts anmerken. Der Reihe nach räumt er Tim Henman, Ivan Ljubicic, Flavio Saretta, Xavier Malisse und Sjeng Schalken mühelos aus dem Weg, ehe er im Halbfinal gegen Nalbandian plötzlich mit 0:2 Sätzen zurückliegt.

Als Roddick im Tiebreak des dritten Satzes 0:3 zurückliegt, scheint der Traum vom ersten Grand-Slam-Titel schon fast geplatzt. Doch der Shooting-Star zeigt eines der besten Comebacks der Tennisgeschichte. Roddick wehrt einen Matchball ab, gewinnt das Tiebreak und siegt schliesslich hochverdient 6:7, 3:6, 7:6, 6:1, 6:3.

Gut festhalten, Andy! Es wird deine einzige Grand-Slam-Trophäe bleiben.
Gut festhalten, Andy! Es wird deine einzige Grand-Slam-Trophäe bleiben.
Bild: EPA

Der fatale Irrtum von Brad Gilbert

Der Final gegen Juan Carlos Ferrero wird dann zu einer sehr einseitigen Angelegenheit. Mit seinen Assen Nummer 21, 22 und 23 – die Geschwindigkeitsmessung zeigt jedesmal 217 bis 225 km/h an – beendet Roddick die Partie nach nur 1:42 Stunden. 23'000 Fans im ausverkauften Arthur-Ashe-Stadium bejubeln den ersten Major-Titel ihres neuen Lieblings und hoffen, dass sie Zeuge des Beginns einer neuen Ära geworden sind.

«Ich glaube, das ist nur der Beginn. Viele weitere grosse Titel werden folgen.»
Brad Gilbert, Ex-Coach von Andy Roddick

Roddick versucht die Erwartungen zu dämpfen: «Ich habe ein Grand-Slam-Turnier gewonnen und bin ein ganz guter Tennisspieler. Aber ich bin nicht Tiger Woods.» Doch sein Trainer Brad Gilbert sieht keinen Grund zur Zurückhaltung: «Ich glaube, das ist nur der Beginn. Viele weitere grosse Titel werden folgen. Andy ist unglaublich talentiert. Er ist erst vor acht Tagen 21 Jahre alt geworden. Es gibt nichts, was er nicht verbessern könnte.»

Federer steht Roddick immer wieder vor der Sonne

Doch Roddick wird den Vorschusslorbeeren nicht gerecht. Zwar wird er im November 2003 die nach Lleyton Hewitt zweitjüngste Nummer eins der Welt. Aber nach nur 13 Wochen muss er die Tenniskrone bereits wieder abgeben. Und zwar für immer. Nach seinem Australian-Open-Titel 2004 übernimmt Roger Federer die Führung in der Weltrangliste und wird sie für 237 Wochen nicht mehr abgeben. Nach ihm schaffen es nur noch Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray nach ganz oben.

Und Federer wird später zum grossen Trauma in Roddicks Karriere. Nach seinem Sieg in Montreal verliert er elf Mal in Folge gegen den Maestro, ehe er in Miami 2008 endlich wieder einmal gewinnt. Am Ende seiner Karriere steht es im Head-to-Head gegen den Rekord-Grand-Slam-Gewinner 3:21. Roddick verliert vier Grand-Slam-Finals gegen den Schweizer: 2004, 2005, 2009 in Wimbledon und 2006 beim US Open.

2009 im Wimbledon-Final zieht Roddick gegen Federer zum vierten Mal in einem Grand-Slam-Final den Kürzeren.
2009 im Wimbledon-Final zieht Roddick gegen Federer zum vierten Mal in einem Grand-Slam-Final den Kürzeren.
Bild: reuters

2013 tritt Andy Roddick zurück. Der Sieg beim US Open 2003 sollte der einzige Major-Titel seiner Karriere bleiben. Aber immerhin kann er seinen Enkelkindern einmal erzählen, dass er während Roger Federers Karriere einen ganzen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten war.

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