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Sport
Unvergessen

30.9.2009: Der FC Zürich siegt dank Hannu Tihinen gegen die AC Milan

Zurich defender Hannu Tihinen, right in blue shorts, of Finland, scores a goal during the Champions League, group C, soccer match between AC Milan and FC Zurich at the San Siro stadium in Milan, Italy ...
Der Ball zappelt im Netz. FCZ-Captain Hannu Tihinen hat ihn soeben per Hacke versenkt.Bild: AP
Unvergessen

Dank Tihinens Hackentrick schafft der FCZ im San Siro die grosse Sensation

30. September 2009: Der Sieg des FC Zürich bei der grossen AC Milan in der Champions League schreibt Schweizer Fussballgeschichte. Auch der italienische Kult-Moderator Tiziano Crudeli kann es kaum glauben.
30.09.2022, 00:0127.09.2022, 10:19

Der allererste Champions-League-Auftritt des FC Zürich misslingt gründlich: Zuhause im Letzigrund verliert das Team von Bernard Challandes gegen Cristiano Ronaldos Real Madrid zum Auftakt der Gruppenphase mit 2:5. Vor dem Gastspiel im Mailänder San Siro sind die Erwartungen an den Schweizer Meister auf ein Minimum gesunken.

Doch vor 32'439 Zuschauern im spärlich besetzten Giuseppe-Meazza-Stadion folgt bereits nach zehn Minuten der erste Paukenschlag. Der finnische Abwehrchef Hannu Tihinen, nicht gerade als filigraner Techniker bekannt, steht nach einem Eckball von Milan Gajic goldrichtig und überwindet wunderschön mit der Hacke Milan-Keeper Marco Storari.

Tihinen schiesst die AC Milan ab.Video: streamable

Ausgerechnet Tihinen! Der Teamsenior stand in den Tagen zuvor als Sinnbild für die langsame und schwerfällige Defensive der Zürcher. Und jetzt packt er dieses feine Trickli aus.

«Kein schlechtes Tor für einen Senior mit schlechter Technik, oder?»
Hannu Tihinen

Es bleibt der einzige Treffer: Der FCZ schafft die grosse Sensation. «Das ist ein mega Gefühl, eine super Erleichterung nach diesen 90 Minuten Kampf. Das war ein super Erlebnis, eigentlich unbeschreiblich», beschreibt Verteidiger Heinz Barmettler im Bauch des Stadions seine Gefühlslage, während die Milan-Stars wortlos an der Presse vorbeiziehen.

Die «Gazzetta dello Sport» lobt das Husarenstück und glaubt, dass selbst der grosse Hacken- und Kung-Fu-Trick-Spezialist Zlatan Ibrahimovic auf dieses Meisterwerk neidisch wäre.

Beim finnischen Volkstanz abgeschaut

Torschütze Tihinen selbst lacht nach der Partie: «Ja, mein Treffer gegen Milan war ein schönes Tor, ich habe den Trick aus einem finnischen Volkstanz geklaut.» Eigenlob war nie die grosse Stärke des bekennenden Fans des Schweizer ÖVs, der 33-jährige Abwehrchef nimmt sich zurück und erklärt: «Das war nicht so schlecht. Für den FCZ ist dieser Sieg eine grosse Sache.» Immerhin gesteht der kühle Finne, dass er «noch nie ein solches Tor gemacht habe».

epa01881376 Zurigo Hannu Tihinen (C) jubilates after scoring against Ac Milan during the Champions League soccer match, Ac Milan vs FC Zurich, at Meazza stadium in Milan, Italy on 30 September 2009. E ...
Hannu Tihinens Jubel nach dem goldenen Tor.Bild: EPA

Einen Seitenhieb Richtung Medien, welche ihn in den Tagen zuvor kritisiert hatten, landet er ebenfalls noch: «Kein schlechtes Tor für einen Senior mit schlechter Technik, oder?» Der «Blick» schreibt darauf mit einem Augenzwinkern, dass sich der Direktor des Zürcher Ballets um ein Engagement des Ballartisten aus dem hohen Norden bemühe.

Crudeli am Boden zerstört

TV-Moderator Tiziano Crudeli, seit Geburt fanatischer Anhänger der «Rossoneri», befindet sich natürlich am anderen Ende der Gefühlsskala und schlägt beim Tor des Aussenseiters nur ungläubig die Hände über den Kopf.

«No, no, no, no!!!»
Milan-Kommentator Tiziano Crudeli beim Tor

«Nein, nein, nein, nein, ein solcher Fehler, nein. Ihr dürft solch einen Fehler nicht machen», schreit der italienische Kultmoderator mit gefühlten 130 Dezibel im Fernsehstudio herum.

Fünf Minuten italienisches Ärgernis ;)

Crudeli lässt seiner Unzufriedenheit freien Lauf.Video: YouTube/crozzopizzo

Crudeli mit mehr Leidenschaft als sein Team

Neutralität gibt's bei Crudeli im Gegensatz zu seinen «normalen» Berufskollegen nicht. 1987 kommentiert der Tifoso seinen ersten Milan-Match, damals noch im Radio.

Früher war der aus der Provinz Emilia-Romagna stammende Sport-Journalist im Tennis heimisch, dann wechselte er zum Fussball. Doch Crudeli gibt sich so leicht nicht geschlagen und peitscht seine Jungs an: «Forza Ragazzi! Aufwachen!»

The result on the display after the UEFA Champions League soccer match between AC Milan and FC Zuerich, in the San Siro stadium in Milan, Italy, Wednesday, September 30, 2009. (KEYSTONE/Karl Mathis)
Der Spielstand, den im San Siro niemand erwartet hatte.Bild: KEYSTONE

Doch die grosse AC Milan, welche zwei Jahre zuvor noch Siegerin der Königsklasse geworden ist, wirkt trotz des Gegentreffers noch immer nicht wirklich wach. Crudeli muss eingestehen: «Es ist Zürich, welches das Spiel macht. Zürich ist besser als Milan», erzürnt sich Crudeli. «Aufwachen!»

Viele Stars, doch der FCZ wehrt sich tapfer

Das sieht auch Milan-Trainer Leonardo so, der erst vor wenigen Monaten den langjährigen Erfolgscoach Carlo Ancelotti ersetzt hat. Darum bringt er nach der Pause Ronaldinho für den unauffälligen Clarence Seedorf. Dabei stehen beim Heimteam schon berühmte Namen wie Alessandro Nesta, Andrea Pirlo, Alexandre Pato oder Filippo Inzaghi auf dem Platz.

epa01881459 Brazilian Ronaldinho of Ac Milan reacts during the Champions League soccer match, Ac Milan vs FC Zurich, at Meazza stadium in Milan, Italy on 30 September 2009. EPA/DANIEL DAL ZENNARO
Ronaldinho bringt ab der zweiten Halbzeit Schwung in die Partie.Bild: EPA

In der zweiten Hälfte erhöht Milan den Rhythmus, kommt zu einigen guten Chancen. Vor allem Stürmer Inzaghi scheitert immer wieder am glänzenden FCZ-Goalie Johnny Leoni. Doch die Zürcher wehren sich tapfer, die Angriffe der Mailänder nehmen wieder ab.

In der Nachspielzeit kommt beim Favoriten auch noch Pech dazu. Crudeli ist noch im Schimpfmodus, als Verteidiger Gianluca Zambrotta seinen Schuss am Pfosten abklatschen sieht. «Pfosten, Pfosten, nein, Pfosten von Zambrotta», jault der enttäuschte Moderator verzweifelt in die Runde.

Zurich players celebrate after winning the Champions League, group C, soccer match between AC Milan and FC Zurich at the San Siro stadium in Milan, Italy, Wednesday, Sept. 30, 2009. Zurich won 1-0. (A ...
Der FCZ darf sich in Mailand nach dem Husarenstück von seinen Anhängern feiern lassen.Bild: AP

Danach dürfen sich FCZ-Trainer Bernard Challandes und sein Team feiern lassen. Zürich ist für einmal DIE Sportstadt der Schweiz. Nur 24 Stunden zuvor haben nämlich die ZSC Lions mit den Chicago Blackhawks ein NHL-Team im Kampf um den Victoria Cup bezwungen.

Der Hackentrick als Bild

Doch auch die grösste Stadt der Schweiz kann es in Sachen Leidenschaft nicht mit Crudeli aufnehmen. So liefert sich der Milan-Fan hie und da auch handgreifliche Diskussionen mit Erzrivale Elio Corno, der dummerweise Inter-Fan ist.

Milans Kultkommentator Tiziano Crudeli gerät sich auch mal mit Inter-Anhänger Elio Corno in die Haare. Video: YouTube/crozzopizzo

An diesem Abend siegt jedoch die kühle Mentalität des sympathischen Skandinaviers Tihinen über diejenige der temperamentvollen Südländer. Das Siegestor von Tihinen gegen Milan wird später sogar von FCZ-Präsident Ancillo Canepa in Öl gemalt und dem Finnen als Erinnerung an seinen grossen Abend überreicht

Tihinen machte FCZ-Präsident Ancillo Canepa mit dem Tor, dieser ihm mit dem Bild eine grosse Freude.
Tihinen machte FCZ-Präsident Ancillo Canepa mit dem Tor, dieser ihm mit dem Bild eine grosse Freude.Screenshot: youtube/FCZTVChannel
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Die Trainer des FC Zürich seit dem Jahr 1991

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Die Trainer des FC Zürich seit dem Jahr 1991
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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Pümpernüssler
30.09.2019 07:59registriert Juli 2018
Das waren noch Zeiten... 😭
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Noob
30.09.2019 08:58registriert Januar 2015
Was für ein Abend! Nach der 93' Minute wohl das geilste was ich erleben durfte! Danke Hannu!
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Dubliner
30.09.2019 08:56registriert März 2014
Ein grosser Abend im San Siro. Herrlich wars. Tja, wenns nicht läuft, bleibt immerhin die Vergangenheit😅
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«Dummi huere Ruederer» und «Schiiss-Ponys» machten Hans Jucker zur TV-Legende
30. Januar 2011: Nach mehr als 40 Jahren beim Staatssender geht Sportreporter Hans Jucker in Pension. Er hat der TV-Nation unvergessene Momente beschert und lebt dank YouTube ewig weiter.


Ein Mann, viele Worte. Als Hans Jucker am 30. Januar 2011 seinen letzten Arbeitstag beim Schweizer Fernsehen hat, geht eine Ära zu Ende. Der rotblonde Säuliämtler war die Allzweckwaffe der Sportabteilung, stets zu Diensten, wenn es wieder einmal über eine Sportart zu berichten galt, die in der Redaktion keiner kannte oder niemand mochte.

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