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France's Thibaut Pinot celebrates as he crosses the finish line to win the fourteenth stage of the Tour de France cycling race over 117.5 kilometers (73 miles) with start in Tarbes and finish at the Tourmalet pass, France, Saturday, July 20, 2019. (AP Photo/ Thibault Camus)

Der Höhepunkt seiner Tour: Pinot gewinnt auf dem Col de Tourmalet. Bild: AP

TV-Doku zeigt den bitteren Moment nach Thibaut Pinots Aufgabe an der Tour de France



Die Tour de France 2019 ist vorbei, der Kolumbianer Egan Bernal ist ihr Sieger. Die Rundfahrt schrieb noch viele weitere, spektakuläre Geschichten, etwa jene von Thibaut Pinot. Er war angetreten, um als erster Franzose seit 1985 die Tour zu gewinnen. Dabei wurde er von einem TV-Team auf Schritt und Tritt verfolgt.

Die Filmer von France 2 hatten – aus dramaturgischer Sicht – ein sehr gutes Näschen. Pinots Tour war geprägt von Höhen und Tiefen, ein stetes Auf und Ab. Mit der Aufgabe wegen einer Verletzung kurz vor dem Ende.

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«Vom Traum zum Alptraum» (43 Min., französisch). Video: YouTube/Sport à la TV

Die stärksten Momente hat der Film in den dunklen Stunden. Etwa im Bus, als Pinot mit dem Schicksal hadert, nachdem er wegen einer Windkante 1:40 Minuten verloren hat. «Es ist nicht vorbei», macht Teamchef Marc Madiot seinen Fahrern noch Mut. Pinot scheint schon nicht mehr daran zu glauben.

Der 29-Jährige aus der Franche-Comté, unweit der Schweiz, findet die Zuversicht wieder, fährt ein starkes Zeitfahren und macht wieder Zeit gut auf andere Mitfavoriten. Endgültig zurück ist Pinots gute Laune einen Tag später, als er auf dem legendären Col du Tourmalet einen Solosieg feiert. Die Doku zeigt ihn, wie er vor dem Start noch mit den beiden Schweizer Teamkollegen Stefan Küng und Sébastien Reichenbach scherzt. Und sie zeigt Pinot, wie er im Fernsehen seinem Boss Madiot dabei zuschaut, wie der sich heiser brüllt.

Die Tour de France ist immer noch in den Pyrenäen, da greift Pinot ein weiteres Mal an. Er verbessert sich in der Gesamtwertung auf Rang vier, nur noch 15 Sekunden fehlen auf Vorjahressieger Geraint Thomas. Das wird mit einem Bierchen im Mannschafts-Bus gefeiert, am Tag darauf ist Ruhetag.

Doch dann nimmt das Drama seinen Lauf. Nach der ersten schweren Alpenetappe klagt Pinot über Schmerzen im linken Oberschenkel. Er hinkt, kann kaum die Treppe hinuntersteigen. Vielleicht spürt er da schon, dass alles vorbei ist. Später wird das Team bekanntgeben, dass er sich eine Muskelverletzung zugezogen hatte, als er bei einem Ausweichmanöver gegen den eigenen Lenker prallte.

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Mit einer dicken Eispackung wird die Blessur gekühlt. bild: france 2

Am Morgen vor dem Start der legendären «Hagel-Etappe» wird Pinot nochmals ausgiebig behandelt. Er versucht, an den anderen dran zu bleiben, aber die Schmerzen werden zu gross. Er kann kaum pedalen, fällt zurück, sieht den grossen Traum vom Gesamtsieg entschwinden. Als Teamkollege William Bonnet ihm den Arm um den Hals legt und einige Worte mit ihm wechselt, sieht Thibaut Pinot die Ausweglosigkeit seiner Situation ein. Er steigt vom Velo und ins Begleitauto. Die Tour de France 2019 ist für den grossen Hoffnungsträger der Einheimischen vorbei.

Tränen bei Pinot, dem die Filmemacher auch in einer seiner schwersten Momente als Rennfahrer ins Hotelzimmer folgen dürfen. Teamchef Madiot versucht, seinen Fahrer zu trösten, der am Boden zerstört ist. Pinot will alles hinschmeissen. «Was habe ich gemacht, dass ich so etwas verdient habe?», fragt er. «Du hast das nicht verdient», antwortet Madiot mit ruhiger Stimme, «aber so etwas kann passieren.»

«Es ist immer das Gleiche», hadert Pinot mit dem Schicksal. Beim Giro d'Italia 2017 fiel er am letzten Tag im Zeitfahren noch vom Podest. Ein Jahr später war er in Italien erneut auf Podestkurs, ehe ihn eine Lungenentzündung zwei Tage vor dem Ende zur Aufgabe zwang. Insgesamt hat er sechs von zwölf Grand Tours nicht beendet.

«Du hast alles richtig gemacht», betont Madiot, «es hat einfach nicht sein sollen in diesem Jahr.» «Das war's, ich höre auf», entfährt es Pinot. Madiot, der seit einem Jahrzehnt sein Chef ist: «Sag das nicht. Sag nicht heute etwas, das du morgen bereuen wirst. Es wird schon wieder. Du bist ein Grosser. Ein Fahrer wie du gibt nicht einfach auf. Morgen ist wieder ein neuer Tag.»

«Das hast du mir letztes Jahr schon erzählt …», sagt der niedergeschlagene Pinot. «Und habe ich nicht recht gehabt?», fragt ihn Madiot. Er hat: Pinot gewann nach der Enttäuschung im Giro im Herbst zwei Etappen der Vuelta und die Lombardei-Rundfahrt.

First placed, France's Thibaut Pinot celebrates as he crosses the finish line of the Giro di Lombardia cycling race in Como, Italy, Saturday, Oct. 13, 2018. (Daniel dal Zennaro/ANSA via AP)

Mit Italien versöhnt: Ein halbes Jahr nach der Giro-Aufgabe gewinnt Pinot die Lombardei-Rundfahrt. Bild: AP/ANSA

Tags darauf ringt Pinot gegenüber dem Dok-Filmer zunächst um Worte. Er findet dann doch noch welche. Pinot kündigt an, zur Tour zurückzukehren. Denn sie sei es, die ihn antreibe.

Dann verabschiedet sich Pinot von seiner Equipe. Paris erreicht sie ohne ihren Leader. Frankreich wartet weiter auf den ersten Gesamtsieger seit Bernard Hinault 1985. Im nächsten Sommer ist wieder eine Chance. Thibaut Pinot will sie endlich packen.

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Der passende Soundtrack wäre wohl Stephan Eichers «Des hauts, des bas». Video: YouTube/Universal Music France

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