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So funktioniert eine Windkante, die an der Tour gerade Favoriten viel Zeit kostete

Eine auf dem Papier harmlos wirkende Flachetappe hat an der Tour de France einige Favoriten zurückgeworfen. Sie wurden Opfer einer gefürchteten Windkante.



«Das war ein Scheiss-Tag.» Mehr sagte Thibaut Pinot nicht, als er am Montagabend ins Ziel der 10. Etappe der Tour de France in Albi kam. Der Franzose vom Team Groupama-FDJ war zuvor stark gefahren und hatte die Hoffnungen auf den ersten einheimischen Gesamtsieg seit 1985 genährt. Doch dann verlor er auf der Flachetappe vor dem heutigen Ruhetag 1:40 Minuten auf die Konkurrenz. Pinot wurde wie einige weitere Mitfavoriten Opfer einer Windkante.

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Den Sieg holte sich im Massensprint Wout van Aert. Video: YouTube/Tour de France

Wie entsteht eine Windkante?

Im Normalfall ist das Feld relativ breit unterwegs, viele Fahrer pedalen nebeneinander, die Strassenbreite wird ausgenutzt. Wenn auf einer Ebene starker Wind von der Seite kommt, dann kann dieser jedoch zu einem Verbündeten gemacht werden.

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Ein gutes Erklärvideo (englisch). Video: YouTube/Eurosport

An der Spitze des Feldes platzieren sich die Fahrer einer Mannschaft so, dass nur noch ihre Teamkollegen von Windschatten profitieren können. Ihr hinterster Fahrer fährt auf der Kante, so dass die Gegner keinen Windschatten erhalten. Es wird gekreiselt, so dass jeder Fahrer nur ganz kurz an der Spitze ist, in diesen Sekunden aber das Maximum aus sich herausholt.

Vorne wird voll auf die Tube gedrückt, aber auch dahinter muss jeder Fahrer alles geben, um nicht abgehängt zu werden. Irgendwo geht früher oder später eine Lücke auf und das Feld teilt sich. Nun wird es für die hintere Gruppe enorm schwierig, noch einmal aufzuschliessen – denn vorne fahren sie immer noch im Krawallmodus. Schliesslich wollten sie diese Situation ja erzwingen, damit hinten Fahrer den Kontakt verlieren.

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Vorne kreiseln sie am Rand der Strasse, hinten geben sie alles, um dran zu bleiben – vergeblich. bild: eurosport

«Windkanten sind für mich das härteste überhaupt im Radsport», sagte der belgische Routinier Iljo Keisse einst. «Keiner kann sich verstecken, jeder muss Vollgas geben. Wer das nicht macht, verliert den Platz in der Gruppe. Und das ist das Schlimmste. Wer nur einen kurzen Moment nicht aufpasst oder müde wird, der sieht die anderen nie mehr. Der Geschwindigkeit-Unterschied ist wirklich riesig.»

Wie war es gestern?

Nach einer Tempoverschärfung rund 30 Kilometer vor dem Ziel verloren einige Favoriten den Kontakt zur Spitze. Neben Thibaut Pinot waren auch Richie Porte, Jakob Fuglsang, Rigoberto Uran und Mikel Landa im hinteren Teil des Feldes, als es zur Teilung kam.

Zwar versuchten sie alles, um die Lücke zu schliessen. Bis auf zehn Sekunden kamen Pinot und Co. heran, sie sahen die anderen also noch einmal aus der Nähe. Doch das Loch ging einfach nicht zu und als Pinots Helfer wie Stefan Küng nicht mehr konnten, nahm der Rückstand dramatisch zu.

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Die blauen Balken zeigen, wie nahe Pinot der Spitze nochmals kam und wie viel Zeit er letztlich verlor. grafik: letourdata

Was sagen die Beteiligten?

«Einfach bitter, enorm ärgerlich», kommentierte Stefan Küng die Situation im «Tages-Anzeiger». Der Helfer schaffte es nicht mehr, seinen Captain Thibaut Pinot nach vorne zu pilotieren. Er habe die ganze Etappe viel gearbeitet, irgendwann seien seine Batterien leer gewesen. Die Stimmung im Bus sei gewesen, «als wäre jemand gestorben.»

Küngs Teamkollege Matthieu Ladagnous glaubt, dass der Rückstand von eineinhalb Minuten auf die Ineos-Favoriten Geraint Thomas und Egan Bernal noch aufzuholen ist. «Das war dumm. Aber mit all den Bergen, die nun anstehen, ist noch gar nichts verloren.»

Kurz und bündig: Der Teamchef von EF Education First.

Zu den Geschlagenen gehörte auch Rigoberto Uran. Dessen Equipe EF Education First hatte als erste eine Windkante provoziert, doch das Tempo sackte nochmals ein wenig zusammen, das Feld kam wieder zusammen und bei der nächsten Attacke vom Team Ineos verlor Uran den Kontakt. «Alles geht in so einem Moment furchtbar schnell», erklärte der sportliche Leiter Charly Wegelius. «Sie gerieten, wie wir sagen, in die Waschmaschine und da will niemand sein. Aber das Rennen geht weiter, wir dürfen nun nicht den Kopf in den Sand stecken.»

epa07718942 Britain's Geraint Thomas of team Ineos in action with the pack of riders during the 10th stage of the 106th edition of the Tour de France cycling race over 217,5km between Saint-Flour and Albi, France, 15 July 2019.  EPA/GUILLAUME HORCAJUELO

Thomas führt die Gruppe während der Windkante an. Am linken oberen Bildrand sind die Verfolger zu sehen. Bild: EPA

Auf der anderen Seite der Gefühls-Skala befindet sich am Ruhetag das favorisierte Ineos-Team. Es war hauptverantwortlich dafür, dass sich das Feld letztlich teilte und mit Geraint Thomas und Egan Bernal profitierten ihre Captains. «Das war ein richtig guter Tag für uns», wusste Vorjahressieger Thomas. «Nun haben wir uns einen schönen Vorsprung erarbeitet an einem Tag, an dem wir das nicht erwartet hatten. Dass die anderen sich schlecht positioniert hatten, ist aus unserer Sicht natürlich grossartig.»

Die neuen Top Ten

So geht die Tour weiter

Nach dem Ruhetag geht es in Richtung Pyrenäen. Morgen ist noch einmal eine Gelegenheit für die Sprinter, ehe ab Donnerstag die Berg- und Klassementsfahrer im Fokus stehen. Am Donnerstag stehen mit dem Col de Peyresourde und dem Hourquette d'Anzican zwei Pässe der ersten Kategorie auf dem Programm, am Samstag steht eine Bergankunft auf dem Col du Tourmalet an. Entscheidende Konturen kann das Gesamtklassement auch dazwischen annehmen, denn am Freitag findet in Pau ein 27,5 Kilometer langes Einzelzeitfahren statt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Strawanzer 16.07.2019 18:08
    Highlight Highlight Interessanter Artikel. Toll!
  • Strawanzer 16.07.2019 18:00
    Highlight Highlight Was ich nicht ganz verstehe; die, die keinen Platz in der ersten Gruppe finden, weil die Strasse eine begrenzte Breite hat, können doch eine zweite Gruppe bilden usw. Die sind doch nicht durch die Bedingungen benachteiligt, oder?
    • Schreiberling 16.07.2019 18:21
      Highlight Highlight Ja und nein. Wenn eine Gruppe (meist ein Team) organisiert angreift, sind die anderen Teams meist nicht sofort richtig positioniert, um selbst mit der richtigen Formation gegenzuhalten.

      Und bei diesem Crosswind dauert es dann nicht lange, um eine Distanz zu schaffen, und es ist umso härter, die Lücke wieder zu schliessen
    • weah 16.07.2019 18:34
      Highlight Highlight Grundsätzlich nicht, nur geht es dann auch um die stärke der einzelnen Fahrer. Die 30 Fahrer vorne waren ausschliesslich starke Roller, Sprinter, Zeitfahrer und 3-4 Kletterer (Teamleader), welche dann übermässig aus dem Wind genommen wurden. Schlussendlich ist es auch eine Qualitätsfrage der einzelnen Exponenten
    • Shabaqa 16.07.2019 21:53
      Highlight Highlight Im Prinzip schon. Aber wenn vorne ein oder mehrere Teams, die ihre Leute zusammen haben, so richtig Tempo bolzen, wirds hinten schwierig. Wenn ein Team komplett den Postabgang verpasst hat, ist es vielleicht längst über mehrere Gruppen verteilt. Zudem haben hinten oft nicht alle ein Interesse aufzuschliessen. Angenommen ein Sprinter hats in die erste Gruppe geschafft, dann wird sein Helfer hinten kaum etwas tun. Dem sind die Favoriten aufs Gesamtklassement Wurst. So bleibt die Arbeit an (zu) wenigen hängen.
  • Mia_san_mia 16.07.2019 15:05
    Highlight Highlight Ich bin zwar kein Radsport-Fan, aber solche Artikel finde ich sehr interessant 👍🏻
  • Joe Smith 16.07.2019 13:36
    Highlight Highlight Eigentlich weiss ja schon jeder Junior, dass man bei Seitenwind nicht auf der Windkante sitzen bleibt sondern Staffeln bildet. Darum wunderte mich die gestrige Etappe schon ein bisschen. Aber wie so oft ist die Theorie wohl einfacher als die Praxis. Auf jeden Fall ist es sehr erfrischend, dass die Tour für einmal nicht nach dem bekannten Muster abläuft – zumindest bis jetzt.
    • Oigen 16.07.2019 14:19
      Highlight Highlight Wenn das jeder junior weiss, warum fahren dann schweizer nachwuchs teams extra nach holland oder dänemark um solche Situationen kennenzulernen?
    • Joe Smith 16.07.2019 14:42
      Highlight Highlight Oigen: Sag ich doch: Theorie und Praxis. Und an der Tour fahren ja keine Nachwuchsteams.
    • Hein Doof 16.07.2019 15:43
      Highlight Highlight @Joe Smith. Das leidigste bekannte Muster (SKY / Ineos dominiert) ist leider immernoch vorhanden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • guido85 16.07.2019 12:40
    Highlight Highlight Yes! Danke für diesen Beitrag!
  • N. Y. P. 16.07.2019 12:36
    Highlight Highlight Es war eine unfassbar spannende Etappe. Und diese Tempi, die gebolzt wurden. Diese Power, die Ineos entwickeln konnte, einfach schier nicht zu glauben.

    Geht definitiv in die Geschichte ein, diese Etappe.
    • Ketchum 16.07.2019 15:10
      Highlight Highlight Dafür ist im Gesamtklassement zu wenig Entscheidendes passiert, es gibt fast jedes Jahr eine Windkanten-Etappe
    • weah 16.07.2019 15:43
      Highlight Highlight ja, und fast jedes Jahr verlieren Favoriten aufgrund von Windkanten die Tour. Für mich war das sehr wohl eine Vorentscheidung.
  • Menü 1 mit Suppe 16.07.2019 12:29
    Highlight Highlight Danke für diesen interessanten Bericht. Ich schaue zwar nur sehr selten Velorennen, aber dies zeigt doch, dass da taktisch mehr dahinter ist als bloss einfach zu pedalen. Weiter so Watson!
    • Fruchtzwerg 16.07.2019 17:06
      Highlight Highlight Wer richtig viel Hintergrundwissen haben will, sollte sich mal Lance Armstrongs und George Hincapies Podcast "The Move" (zu finden auf YT oder Google Play etc.) anhören.
      Man mag von den beiden halten was man will, aber es ist geballtes Fachwissen auf sehr unterhaltsame Art rüber gebracht.

      Die gestrige Etappe zeigte übrigens auch eindrücklich warum Armstrong die Tour 7x hintereinander gewinnen konnte: Nebst Doping (wie alle anderen auch) hat sein Team bei solchen Etappen nie geschlafen oder sich kalt erwischen lassen...
  • m:k: 16.07.2019 12:15
    Highlight Highlight Sehr interessant. Als jemand der keine Ahnung von Radsport hat, hätte ich mir so etwas nie überlegt.
  • Glenn Quagmire 16.07.2019 12:08
    Highlight Highlight @Ralph: wer ist dein Favorit?
    • Ralf Meile 16.07.2019 12:20
      Highlight Highlight Ich sah vor dem Start Bernal vor Thomas und aktuell schätze ich es (wie wohl die meisten) so ein, dass wohl tatsächlich einer der zwei siegen wird. Aber die Tour ist noch lang ...
    • Mario Siegenthaler 16.07.2019 12:26
      Highlight Highlight einer von Ineos alles andere wäre eine Überraschung
    • caini 16.07.2019 12:44
      Highlight Highlight Umso mehr bedaure ich die gestrige Windkante. Da von mir aus gesehen Pinot der einzige gewesen wäre, welcher ineos herauszufordern vermochte.
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